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Das Land, das singt


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Nirgendwo wird mehr gesungen als in den baltischen Ländern. Besonders deutlich wird die Singfreude bei den großen Sängerfesten in Estland, Lettland und Litauen. Tausende kommen, um den Interpreten auf der Bühne zuzuhören oder selbst mit zu singen. Das gemeinsame Singen reicht tief in die Folklore zurück. Die von Generation zu Generation überlieferten Lieder und Tänze folgen einfachen volkstümlichen Choreografien und gehören auch heute in jedes Festivalprogramm. Allein Lettland hat über 700 "Premium"-Chöre. Gemeinsam die alten Lieder zu singen gilt als Inbegriff lettischer Identität; mit Volksliedern als trotzigem Bekenntnis hat das kleine Land sogar die Unabhängigkeit von den sowjetischen Besatzern erstritten. 1990 setzten sie Lieder gegen Panzer: Die singende Revolution. Höhepunkt ist das alle fünf Jahre stattfindende Lettische Lieder- und Volkstanzfest, zu dem in diesem Jahr rund 35.000 Teilnehmer vom 5. bis 12. Juli in der Hauptstadt Riga auf der Freilichtbühne Mežaparks und im Daugava-Stadion zusammenkommen werden. In einer Atmosphäre wie beim 100-Meter-Lauf der Olympischen Spiele werden sich die Zuschauer davon überzeugen können, dass Lettland aus gutem Grund als das Land bezeichnet wird, das singt.

Das Liederfest ist mit seiner 135 Jahre alten Tradition aber mehr als nur ein Festival. 2003 wurden die traditionellen estnischen, lettischen und litauischen Lieder- und Volkstanzfeste in die Unesco-Liste des mündlichen und immateriellen Weltkulturerbes der Menschheit aufgenommen.
Eine führende Wissenschaftlerin auf dem Gebiet des lettischen Volksliedes ist übrigens die ehemalige Präsidentin des Landes (1999-2007), Vaīra Vike-Freiberga: "Das Lied ist der gemeinsame Atem unseres Volkes. Unser gemeinsamer Herzschlag. Es ist unser Gewissen. Wir sind einig im Lied und stark in unserer Einigkeit. Wir singen, um in den Winden der Welt nicht verloren zu gehen" schreibt die Professorin für Psychologie im Booklet ihrer gerade erschienenen CD „Vaira’s Songs”, einer persönlichen Auswahl von Volksliedern, gesungen von der heute 70jährigen selbst. Die CD Präsentation findet am 1. Juli um 12 Uhr im Open-Air-Museum Riga statt.

Die lettischen Volkslieder, die Dainas, bestehen in der Regel aus nur vier Zeilen. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts erschien in sechs Bänden eine Auswahl von 217.996 Dainas, die - bis dahin nur mündlich überliefert - im gesamten lettischen Sprachraum gesammelt worden waren. Die Originaltexte werden im sogannten „Daina-Schrank“ aufbewahrt, der nun auch in digitaler Form ersteht. Inzwischen sind rund 1,2 Millionen Dainas schriftlich fixiert, so dass an dem geflügelten Wort „auf jeden Letten kommt ein Lied“ eine Menge Wahres ist, da Lettland rund 1,3 Millionen lettischstämmige Einwohner hat.
Die Konzerte und Aufführungen des 24. Traditionellen Sänger- und 14. Tanzfestes werden ergänzt durch eine Reihe von Ausstellungen, Märkten und anderen Veranstaltungen. Insgesamt nehmen 300 Chöre, über 500 Volkstanzgruppen, 57 Orchester und Musikgruppen, drei Symphonieorchester und ein Kammerorchester teil - mehr als 35.000 Menschen, die beim großen Festumzug gemeinsam durch die Straßen von Riga defilieren werden.
Lettland
http://www.songcelebration.lv
http://www.rigatourism.lv
http://www.lauska.lv
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