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Mit dem Fahrrad auf den Spuren Lyonel Feiningers rund um Usedom


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Der deutsch-amerikanische Maler Lyonel Feininger gilt heute als einer der bedeutendsten Vertreter der Klassischen Moderne. Seine Gemälde werden bei internationalen Auktionen mit siebenstelligen Summen gehandelt. Nur wenige wissen, dass der Sohn eines deutschen Geigers und einer Sängerin auch ein leidenschaftlicher Radfahrer war. Während er in Deutschland lebte, kaufte er sich regelmäßig das neueste Rennrad-Modell und legte jährlich tausende Kilometer zurück – viele auf der Insel Usedom. Vor rund hundert Jahren, am 17. Mai, war Feininger zum ersten Mal auf der Insel. Eingekehrt in einer der typischen Villen im Stil der Bäderarchitektur nahe des Strandes, zückt er sein allgegenwärtiges Skizzenbuch und notiert auf englisch: „17. Mai 1908 - der Tag, an dem wir zum ersten mal nach Heringsdorf kamen und uns bei Zanders einmieteten.“ Dazu skizziert er seinen Fuß, angewinkelt und kurz davor, den Boden der Heringsdorfer Strandpromenade zu berühren. Diese unscheinbare Skizze sorgt 100 Jahre später für helle Begeisterung bei den Chronisten. Jeder will sie haben: die Marketing-Agentur, die Gemeinde und die Historische Gesellschaft. Selten hat so eine naive Skizze einen derartigen Beisterungs-Run ausgelöst – aber sie dokumentiert nun einmal eindeutig und wissenschaftlich unantastbar den korrekten Zeitpunkt von Feiningers Erstankunft. Und dieser Zeitpunkt ist wichtig – will man doch den Trumpf Feininger nicht nur kunsthistorisch, sondern auch marketingtechnisch ausspielen. Dafür ist es höchste Zeit, denn über einen Zeitraum mehrerer Generationen war nahezu vergessen worden, dass sich hier einer der bedeutenden Künstler der klassischen Moderne inspirieren ließ, dass er hier bei der Suche nach seinem Stil zwischen Freude und Verzweiflung schwankte und dass er quasi nebenbei mit seinen sogenannten „Naturnotizen“ eine große Menge an zeitgenössischem Lokalkolorit der frühen Jahre des 20. Jahrhunderts auf Usedom hinterlassen hat.
Feininger verbrachte in den Jahren 1908 bis 1918 viel Zeit auf Usedom. Von Heringsdorf, Neppermin oder Benz aus erkundete er die Insel auf Motivsuche und hinterließ seine künstlerischen Spuren. Aus vielen Briefen an seine Frau Julia kennt man seine exakten Malorte. So malte er den Fischern in Neppermin zum Gefallen Tafeln mit den Bootsnummern. Seine Zeichnungen wurden oft Ausgangspunkt für ein Gemälde. Beispiele dafür sind „Mondaufgang in Neppermin“ und eine Zirkusszene auf dem Dorfplatz in Balm. Seine Ausflüge auf dem „Cleveland-Fahrrad“ führten Feininger auch in das benachbarte Dorf Benz. Schon unterwegs malte er die Straße mit den damals frisch gepflanzten Alleebäumen. Im Benzer Kirchturm fand er ein Motiv, das ihn bis an sein Lebensende fesselte. Es entstanden Zeichnungen, Malereien und Holzschnittereien des historischen Gebäudes. Selbst kurz vor seinem Tod in New York entstand 1955 noch ein Aquarell der Kirche. Das Copyright für einen Kunstdruck des Motivs hat der Galerist Hannes Albers aus dem Nachlass der Feininger Witwe Julia in New York erworben. Zu bewundern ist es in den Ausstellungsräumen direkt neben dem Gotteshaus. Auch die heutige Museumsmühle des Dorfes hatte es dem Künstler angetan. Die knallbunte Zeichnung der Benzer Holländerwindmühle befindet sich heute im Besitz der Familie Rockefeller und stellt die erste bildliche Darstellung des heutigen Denkmals dar.

In fast einjähriger Recherche-Arbeit wurden nun alle Werke Feiningers mit Usedom-Bezug zusammengetragen und in einer Datenbank aufbereitet. Mit Hilfe von EU-Fördergeldern wird zur Zeit das kulturelle Erbe kartografisch erfasst, um daraus einen touristischen Radweg zu machen. Beginnend in Benz führt eine kleine Rundstrecke über Neppermin, Balm und Mellenthin an den Ausgangsort zurück. Eine größere Schleife führt über Alt-Sallenthin nach Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck, danach weiter nach Swinemünde und über die B 110 nach Zirchow, Korswandt und Gothen. Über Bansin-Dorf und Alt-Sallenthin wird der Kreis mit Benz wieder geschlossen. Ergänzend zur ausgeschilderten Route werden in die Erde eingelassene Bronzetafeln auf die Malstandorte hinweisen. Ein kleiner Katalog soll helfen, diese Stellen zu finden und stellt die Kunstwerke den Originalschauplätzen gegenüber. Insgesamt gibt es auf dem 40 Kilometer langen Radweg über 40 Stationen mit 80 Motiven. "Ich bin mir sicher, dass man die Bilder anschließend mit anderen Augen betrachtet“ so einer der ehrenamtlichen Organisatoren Martin Meenke. Alle Vorarbeiten sind abgeschlossen. Jetzt mussen nur noch die Fördergelder fließen, um das Projekt zu Ende zu führen. Bis es soweit ist gibt es geführte Fahrradtouren entlang des Künstler-Radwegs und Infomaterial in den Kurverwaltungen der Insel sowie bei der Usedom Tourismus GmbH.

Weitere Infos:

Usedom Tourismus GmbH
Infotelefon & Prospekte 038378 477 110
Buchungshotline 01805 583 783 (14 Cent/Min, and. Netze ggf. abweichend)
www.usedom.de

Kunstkabinett Usedom – Galerie in Benz
Kirchstr. 15, 17429 Benz
Tel.: 038379-20184
geöffnet täglich 10-18 Uhr
www.kunstkabinett.de


Zur Person:
Lyonel Feininger wurde 1871 als Sohn deutschstämmiger Musiker in New York geboren. 1887 siedelte er nach Deutschland über. Hier studierte Feininger an der Kunstgewerbeschule Hamburg und von 1888 bis 1894 an der Königlichen Akademie in Berlin. Anschließend arbeitete Feiniger in Berlin als Illustrator und Karikaturist.
1911 lernte Feininger in Paris den französischen Kubismus kennen, der sein Werk nachhaltig beeinflusste.
Von 1919 bis 1932 war der Künstler als Meister am Bauhaus in Weimar und Dessau tätig. 1937 ging Feininger, dessen Werke von den Nationalsozialisten als "entartet" diffamiert wurden, zurück in die USA. Am 13. Januar 1956 starb Lyonel Feiniger im Alter von 84 Jahren in New York.
Lyonel Feiningers Verbundenheit mit der Landschaft der Insel Usedom blieb Zeit seines Lebens bestehen. Die Küste, die er zwischen 1908 und 1918 regelmäßig besuchte, inspirierte ihn während seiner gesamten Schaffenszeit. Noch bis zu seinem Tod beschäftigte er sich mit Motiven an der Ostsee.

„Pommern und die Ostsee waren für mein ganzes Schaffen mitbestimmend und ich zehre noch jetzt an den Erlebnissen, die ich dort hatte. Hier gibt es nichts, was damit zu vergleichen wäre.“ (Lyonel Feininger, New York, 1951)
Usedom
http://www.usedom.de
http://www.kunstkabinett.de
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