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JazzBaltica Förderpreis an LandesJugendJazzOrchester



Das LandesJugendJazzOrchester (LJJO) erhält in diesem Jahr den JazzBaltica Förderpreis, der bereits zum zweiten Mal verliehen wird. Der Preis in Höhe von 3.000 Euro wird von der Investitionsbank Schleswig-Holstein gestiftet und richtet sich an jüngere, noch nicht hinreichend bekannte deutsche Jazzmusiker mit einem besonderen Blick auf die norddeutsche Jazzszene.
Das LJJO Schleswig-Holstein wurde 1982 gegründet und zählt damit zu den dienstältesten Jugendbigbands in der Bundesrepublik. In dem Ensemble kommen die besten Nachwuchsmusiker Schleswig-Holsteins zusammen und werden von international renommierten Jazzsolisten und erfahrenen Jazzpädagogen angeleitet.
DER KULTURONKEL sprach mit dem musikalischen Leiter, dem Kieler Komponist und Arrangeur Dr. Jens Köhler (50).

Herzlichen Glückwunsch zum JazzBaltica Förderpreis. Hat Sie die Auszeichnung überrascht oder dachten Sie: „Das wurde auch mal Zeit!“?

Einerseits denkt man natürlich immer, es wird Zeit – ich mache das jetzt seit 1993. Seitdem sind viele interessante Leute aus dem LJJO hervorgegangen und trotzdem wirkt das Orchester eher am Rande des Geschehens. Andererseits war ich schon überrascht, da ich nicht damit gerechnet hatte, nachdem im letzten Jahr „Firomanum“ den Preis bekommen hat - übrigens stammen drei der vier jungen Leute aus dem LJJO.

Was bedeutet der Preis für Sie und das Orchester?

Zunächst ist es eine Anerkennung der Arbeit und wichtig, dass die Leute erfahren, dass es uns gibt und wir uns in der Vergangenheit gut geschlagen haben. Viele Schleswig-Holsteiner, die heute auf nationalem Niveau spielen, stammen aus dem LJJO. Es wäre schön, wenn auch der ein oder andere Veranstalter jetzt auf uns aufmerksam wird und uns einlädt.

Wessen Wurzeln stammen denn aus dem LJJO?

Im Moment sehr bekannt ist die Bassistin Eva Kruse, Mitglied bei „Firomanum“ und Stammgast bei der JazzBaltica; außerdem der Hamburger Posaunist Sebastian Hoffmann. Einige Leute sind nach Berlin gegangen wie der Altsaxophonist Lars Dietrich, der Gitarrist Arne Jansen und Sandra Hempel. Auch Martin Wind, heute Jazzdozent in New York, hat – allerdings vor meiner Zeit – beim LJJO seine musikalischen Anfänge bestritten.

Wer kann Mitglied im LJJO werden? Und was muss man mitbringen?

Es geht zunächst um ein paar technische Fertigkeiten, das heisst wir können nur Leute gebrauchen, die bereits ein gewisses technisches Niveau erreicht haben. Da wir nur vier Wochenenden im Jahr proben, muss alles relativ schnell gehen. Da ist für langes Üben keine Zeit mehr, das heisst man muss schon Noten lesen können und ein wenig Improvisationsvermögen erwarten wir auch.

Wie ist das LJJO strukturiert und organisiert?

Wir besetzen immer neu, wenn Plätze frei werden durch Weggang oder wenn die Musiker die Altersgrenze von 25 Jahren überschritten haben. Dann machen wir ein Vorspiel. Oft haben sich Leute schon vorher beim Landesmusikrat, der ja Träger des LJJO ist, beworben und lassen sich auf die Warteliste setzen. Über die Musikschulen und allgemeinbildenden Schulen mit BigBand versuchen wir dann weitere Interessenten zu erreichen. Eine wichtige Talentschmiede sind auch der Landeswettbewerb „Jazz it up“ und die Veranstaltung „Sommerjazz“, wo man einen Einblick in die junge Jazzszene erhält. Da die Rhythmusgruppe beim LJJO eine ganz zentrale Rolle spielt, ist sie doppelt besetzt und wir sind momentan zwischen 20 und 25 Musiker.

Was ist neben „Headhunting“ Ihre eigentliche Aufgabe?

Ich bin der musikalisch Verantwortliche und wähle das Repertoire aus, wobei ich versuche, es möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Wir haben 1999 ein Duke Ellington-Programm zu dessen 100. Geburtstag zusammengestellt und später ein Count Basie -Programm gemacht; jetzt ist Charles Mingus dran. Meiner Meinung nach muss man wissen, woher diese Musik stammt, um sie spielen zu können. Ich empfehle daher jedem in möglichst vielen Bigbands zu spielen und verschiedene Stilrichtungen kennenzulernen. Wenn Leute wirklich Profis werden wollen, ist es mit Jazz alleine meistens nicht getan. Man muss sich in möglichst vielen Genres bewegen, um Geld verdienen zu können.

Das LJJO erfüllt damit dann auch einen Bildungsauftrag....

Das möchte ich meinen. Andererseits möchte ich die Musik einfach bekannter machen, denn ich finde, dass Jazz auch im 21. Jahrhundert noch eine ganze Menge zu sagen hat. Gerade durch seine Vielfalt. Duke Ellington hat gesagt, als er Jazz erklären sollte: „If Jazz means anything it’s freedom of expression.“ - also die Freiheit des Ausdrucks. Es gibt eben nicht solche Grenzen im Jazz wie in anderen Bereichen. Man kann ziemlich viel machen und die Musik spiegelt Dinge wider, die aktuell sind.

Rainer Haarmann, musikalischer Leiter der JazzBaltica, hat gesagt: „Das LandesJugend-JazzOrchester war, ist und wird eine Quelle der Erneuerung des hiesigen Jazz sein.“ Wie ist es denn Ihrer Meinung nach mit dem Jazznachwuchs in Norddeutschland bestellt?

Ich glaube, dass es sehr viele, immer jüngere Talente gibt. Das ist sehr erfreulich und spricht dafür, dass in den Schulen und Musikschulen solche Musik gelehrt wird. Die Musiker fangen dadurch sehr viel früher an, sich mit dem Genre konzentriert auseinanderzusetzen. Bis auf das Radioplay bin ich eigentlich sehr zu frieden. Ich finde es traurig, dass Jazz im normalen Radio kaum noch stattfindet und im Fernsehen sogar erst um 1.30 Uhr mit bekannten Stars der Szene. Junge Leute habe kaum eine Chance, sich in den Medien zu platzieren.

Bereits in den Anfangsjahren konnte sich das LJJO durch verschiedene Auftritte im In- und Ausland auch über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus einen Namen machen. An welche Auftritte erinnern Sie sich denn besonders gern?

Wir waren 1997 als Festival-Bigband zu Gast beim Ǻland Jazz Festival. Dort haben wir Künstler begleitet, Konzerte gegeben und man konnte an JamSessions teilnehmen. Das hat allen sehr viel Spaß gemacht.

Der JB Förderpreis ist mit 3000 Euro dotiert. Was fangen Sie mit dem Preisgeld an?

Wir haben vor, wieder eine CD zu produzieren. Das ist immer mit sehr viel zeitlichem und finanziellem Aufwand verbunden, da man eine Unterkunft beschaffen und sich mehrere Tage im Studio einmieten muss, dann muss alles abgemischt, gemastert und gepresst werden. Ich könnte mir vorstellen, dass wir mit dem Preisgeld diese CD finanzieren.


Wer sich überzeugen möchte, dass das LJJO den Preis wirklich verdient hat, kann es erleben, am Sonntag, 5. Juli auf der JazzBaltica. Auf dem Programm steht „Blues & Roots – The Music of Charles Mingus“. Was erwartet das Publikum?

Charles Mingus gilt als einer derjenigen, der den Blick sehr stark auf die Wurzeln des Jazz gerichtet hat. Wir spielen zu 70 Prozent Kompositionen von ihm selbst, teilweise im Original von der Mingus Bigband, die in New York residiert, dann haben wir ein paar Arrangement dabei von Musikern, die mit Mingus gespielt haben oder von ihm inspiriert wurden wie die Pianistin Toshiko Akiyoshi und auch Thad Jones.

Die JazzBaltica steht in diesem Jahr unter dem Motto „BigBand Battle“. Auf welche Band freuen Sie sich persönlich am meisten?

Ich freue mich, dass das Vanguard Jazz Orchestra kommt, das ich schon in New York gehört habe und das die alte Band von Thad Jones und Mel Lewis ist mit sehr guten Solisten. Es ist auch toll, dass Maria Schneider kommt, um die es in den letzten Jahr etwas ruhiger geworden ist; aber sie macht sehr interessante Musik inspiriert von ihren Lehrern Gil Evans und Bob Brookmeyer.


Wie sehen die weiteren Pläne des LJJO aus?

Für den Herbst bleiben wir bei Charles Mingus und spielen am 15. September im Schuppen 6 in Lübeck und am 16. September im Kulturforum Kiel. Fürs nächste Jahr denke ich über eine Fortsetzung unseres Projekts „Bohnenpott“ mit verjazzter Folklore nach, mit dem wir bereits 1995 auf der JazzBaltica waren. In 2010 wollen wir die Arrangements noch einmal aufgreifen und in anderer Form weiterentwickeln.
Blues & Roots – The Music of Charles Mingus
Location:
JazzBaltica
Salzau

Termin: Sonntag, 05.07.2009

http://www.jazzbaltica.de
http://www.landesmusikrat-sh.de
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