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Liederabend mit dem Bassbariton Thomas Tatzl in Glückstadt



Im Gewand des Figaro mit einem üppigen Strauß weißer Rosen präsentiert sich Thomas Tatzl auf seiner Homepage. Die Bilder stammen aus Matthias von Stegmanns Inszenierung von Mozarts „Le nozze di Figaro“ beim Open-Air-Festival „operklosterneuburg“ 2011. Hier glänzte der junge österreichische Bassbariton Thomas Tatzl in der Partie des Figaro – eine Rolle, die dem attraktiven Lockenschopf wie auf den Leib geschneidert scheint. Nur ein Jahr später gab er sein gefeiertes Debüt bei den Salzburger Festspielen als Papageno in Peter von Winters „Das Labyrinth“, einer 1798 entstandenen Fortsetzungsoper der „Zauberflöte“. Am 22. August gastiert der gebürtige Steirer im Rahmen des SHMF in der Stadtkirche Glückstadt. Begleitet wird er bei seinem Festival-Debüt von seinem Landsmann Christian Koch, der seit 2010 Dozent im Institut für Gesang und Musiktheater an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien ist.
Der Kulturonkel hat mit dem Sänger gesprochen.

Herr Tatzl, das Kunstlied führt ja eher ein Schattendasein im Musikbetrieb. Was fasziniert Sie an dieser Gattung?

Das hat sich eher zufällig ergeben. Anfangs hatte ich gar keinen Bezug dazu. Aber dann habe ich mit meinem Gesangslehrer sehr viel am Lied gearbeitet, um meine Gesangstechnik zu verbessern, weil das besser ist als irgendwelche Arien. In Meisterkursen habe ich dann Liedsänger wie Thomas Quasthoff kennengelernt, die mir gezeigt haben, welche Herausforderung das Genre bietet, und dadurch ist mir das Kunstlied immer mehr ans Herz gewachsen.
Bei einem meiner ersten Liederabende bei der „Schubertiade“ habe ich dann den Pianisten Christian Koch kennengelernt, mit dem ich seitdem als Liedbegleiter zusammenarbeite.


Wie kann das gelingen, mehr Menschen für das Genre begeistern?

Wenn ich zuhause in der Steiermark Liederabende geben, sind die immer gut besucht. Daher kenne ich das Problem persönlich nicht. Aber ich habe das Gefühl, die Menschen wollen zunehmend große Spektakel, bei denen möglichst viel auf der Bühne passiert. Das verstehe ich gar nicht, denn so ein intimer Rahmen, in dem es nur Klavier und Gesang gibt, ist doch viel intensiver.

Wie sind Sie musikalisch sozialisiert worden und wann wussten Sie, dass Sie mit dem Gesang Ihr Geld verdienen möchten?

Ich singe eigentlich schon seit meiner Kindheit. Das gehörte immer ganz selbstverständlich dazu. Schon als Dreijähriger habe ich mich auf Kassette aufgenommen. Und in der Grundschule hatte ich eine sehr musikalische Lehrerin, die uns immer wieder bei Chorwettbewerben angemeldet hat. Mit 12 Jahren habe ich dann eine Band gegründet, in der ich neben dem Keyboardspielen auch gesungen habe. Ab 15 Jahren habe ich mir dann ein Repertoire mit Songs von Elvis Presley und Elton John erarbeitet, mit dem ich dann später auch aufgetreten bin, unter anderem als Barpianist. Über eine Musical-Produktion bin ich dann auf die Bühne gekommen und habe meine spätere Gesangslehrerin kennengelernt, die zufällig im Publikum saß und mich ermutigt hat Gesang zu studieren.

Sie haben im letzten Jahr bei den Salzburger Festspielen debütiert. Was haben Sie gedacht als der Chefdirigent des Mozarteum Orchesters Salzburg, Ivor Bolton, angefragt hat?

Das war unglaublich! Während eines Vorsingens für ein Engagement im Zürcher Opernhaus hat der Intendant mich an Ivor Bolton weiterempfohlen, der mich dann als Pagageno in Peter von Winters Oper „Das Labyrinth“ verpflichtet hat. Das war der Sommer meines Lebens! Salzburg ist schon immer meine Lieblingsstadt gewesen, seit ich mit meiner Familie dort in der Nähe meine Ferien verbracht habe. Am Anfang des Studiums hatte ich dort schon im Staatsopernchor mitgesungen und mir immer vorgestellt wie es wohl wäre, dort mal als Solist aufzutreten. Dass es so schnell passieren würde, hätte ich mir nie träumen lassen.

In Glückstadt präsentieren Sie fast ausschließlich deutsches Liedgut. Sind Sie auf ein Repertoire spezialisiert?

Ich probiere gerne Dinge aus und bin offen für vieles. Aber ich singe Schubert und Strauss einfach sehr gern. In Deutschland ein deutschsprachiges Repertoire zu singen, bietet sich als Muttersprachler einfach an. Mit Ravel habe ich aber auch etwas Exotischeres dabei.

Was dürfen die Zuhörer bei Ihrem Liederabend erwarten?

Im Schubert-Block singe ich die Mayrhofer-Lieder. Beide verband eine tiefe Freundschaft und Schubert vertonte fast fünfzig Gedichte Mayrhofers, darunter so berühmte wie das „Lied eines Schiffers an die Dioskuren“. Leider kommen sie im Konzertbetrieb zu Unrecht viel zu selten vor, daher war es mir ein Anliegen sie zu singen. Die Balladen von Carl Loewe sind auch sehr packend. Die Lieder von Richard Strauss habe ich im Studium kennengelernt; auch sein Liedschaffen ist ja wenig bekannt, weil er sich eher als Opernkomponist einen Namen gemacht hat. Aber als junger Mann zwischen 18 und 40 Jahren hat er einen Großteil seiner 150 Lieder geschrieben. Erst in seinen letzten Lebensjahren wandte sich Strauss wieder Liedern zu und schuf mit seinen allerletzten Kompositionen auch gleichzeitig seine wohl berühmtesten, die so genannten „Letzten Lieder“.

Wie sehen Ihre nächsten Schritte?

Momentan scheint den Leuten zu gefallen wie ich den Pagageno mache. Die Rolle werde ich als nächstes in Turin singen. Bisher habe ich immer im Bassbariton-Fach gesungen, möchte aber auch mal über Mozart hinausschauen und mir langsam die höheren Sachen erarbeiten. In der italienischen Musik von Rossini und Donizetti muss man sich einfach auf Bariton oder Bass festlegen.
Musensohn
Location:
Stadtkirche Glückstadt

Termin: Donnerstag, 22.08.2013

http://www.shmf.de
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