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„Ich wollte einfach lauter sein“


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Man sollte das Etikett "Wunderkind" nicht überstrapazieren, auch wenn dies der Begriff ist, der einem auf der Zunge liegt, wenn eine junge Dame von gerade mal 20 Jahren ihre eigene Band gründet, und schon kurz darauf eine erste CD einspielt. Wenn das Ganze dann auch noch Lichtjahre davon entfernt ist, nach Schülerband zu klingen - spätestens dann sollte man sich intensiver mit der Altsaxophonistin Charlotte Greve aus Veerßen bei Uelzen befassen. Dies tat auch die Jury des JazzBaltica Förderpreises der Investitionsbank Schleswig-Holstein und kürte die Musikerin zur diesjährigen Preisträgerin der mit 3000 Euro dotierten Auszeichnung. Andreas Guballa sprach mit der heute 22jährigen.

Sie haben sehr früh mit dem Musizieren begonnen...

Ja, seit meinem zehnten Lebensjahr spiele ich klassische Querflöte und habe das ungefähr acht Jahre lang gemacht; zum Schluss auch Jazz damit gespielt. Aber alle haben gesagt: „Man hört dich leider nicht.“ Und ich wollte einfach lauter sein. Daher habe ich mit dem Saxophon begonnen.

Gab es ein Schlüsselerlebnis, das Sie zum Jazz geführt hat?

Ich habe schon früh zusammen mit meinem Bruder angefangen zu improvisieren, mit dem ich Musikkassetten aufgenommen habe. Er hat auf der Gitarre irgendwelche Akkorde gespielt und ich habe angefangen das zu spielen, wovon ich dachte, das es passt. So habe ich angefangen nach Gehör zu spielen. Als ich in der siebten Klasse war, wurde eine Jazz AG angeboten und ich bin da mit meiner Querflöte einfach reingegangen. Von dort aus haben sich immer mehr Sachen entwickelt: erst die Schul-BigBand, dann die JazzCombo an der Musikschule, verschiedene Jazzworkshops und schließlich das Landesjugendjazzorchester, in dem ich vier Jahre lang gespielt habe.

Wann war klar, dass Sie mit der Musik Ihr Leben verdienen wollen?

Das war immer schon in meinem Hinterkopf. In den Workshops und dem Landesjugendjazzorchester habe ich später Mitspieler getroffen, die schon studierten und professionell in einer Band spielten. Die konnte ich ausfragen und es mir immer besser vorstellen. Dadurch wurde es weniger abstrakt und ich wurde dadurch unheimlich motiviert.

2007 sind Sie nach Berlin gegangen, um am JazzInstitut zu studieren. Dort haben Sie auch das „Lisbeth Quartett“ gegründet. Wie haben Sie Ihre Mitspieler gefunden?

Mit dem Pianisten Manuel Schmiedel habe ich angefangen zu studieren, der Schlagzeuger Martin Krümmling hat auch an der Hochschule studiert, war aber schon ein paar Jahre weiter. Zu dritt haben wir immer mal gejammt und zu verschiedenen Anlässen gespielt bis irgendwann klar war, dass wir eine Band gründen wollen; es fehlte aber ein Bassist. Wir haben daher verschiedene Musiker eingeladen mitzuspielen, irgendwann dann auch Marc Muellbauer, der an der Hochschule Bass unterrichtet. Der fand das gut und hat am Ende der Probe gesagt: „Wenn ihr einen Gig spielen wollt, würde ich gerne mitmachen.“ Das war für uns natürlich großartig, weil es von Anfang an funktioniert hat und die Musiker zusammengepasst haben. Und so hat sich zack, zack eine Band ergeben.

Klingt ganz einfach. Aber ich kann mir vorstellen, dass es schwer ist, sich auf dem relativ überschaubaren Jazzmarkt zu behaupten.

Aus irgendeinem Grund ist alles ziemlich schnell gegangen. Nach den ersten Gigs haben wir gedacht, wir müssten irgendwas aufnehmen, um weiter Werbung machen zu können. Daher sind wir ins Studio gegangen und haben in zwei Tagen die CD aufgenommen und in der „Jazz thing Next Generation“-Reihe von Double Moon veröffentlichen können. Daraufhin konnten wir viele Konzerte im größeren Rahmen spielen und kleine Tour-Wochenende machen. Neben dem Studium unterrichten wir auch alle noch und so funktioniert das zur Zeit ganz gut.

Ihre CD heißt „Grow“. Die Kompositionen darauf stammen überwiegend von Ihnen. Wovon sind Sie inspiriert worden?

Das Titelstück habe ich geschrieben, als ich ziemlich viel über das Leben als Musikerin nachgedacht habe; was man schon kann und was man noch dazu lernen muss. In dieser Stimmung ist das Stück ganz plötzlich entstanden. Dabei ist es gar nicht negativ gemeint, sondern einfach ein Moment, in dem man feststellt, dass es keinen Punkt gibt, an dem man zu wachsen aufhört. Ich fand das ein schönes Thema für Menschen wie wir, die noch jung sind und am Anfang stehen.

Gibt es andere Situationen, in denen Ihnen Melodien durch den Kopf gehen?

Manchmal fällt mir wochenlang überhaupt nichts ein und es kommt nichts zustande. Manchmal entsteht aber auch eine ganz klare Melodie in meinem Kopf, wenn ich zum Beispiel nachts von einem Konzert auf dem Fahrrad nach Hause fahre. So ist beispielsweise mein erstes Stück entstanden. Aber das kann man nicht steuern.

Nun gibt es relativ wenige weibliche Saxophonistinnen in der Jazzszene. Haben Sie andere Vorbilder, an denen Sie sich orientieren oder sagen Sie bewusst: ich will meinen eigenen Weg gehen.

Wahrscheinlich hat jeder Inspirationsquellen. Etwas eigenes zu kreieren, passiert ganz automatisch in dem Moment, in dem man seine Interpretation einfließen lässt. Für mich gibt es viele Einflüsse, die mich geprägt haben wie Wayne Shorter, John Coltrane, aber auch der junge Saxophonist Loren Stillmann, den ich in New York gehört habe.

Daraus wurde dann der „Lisbeth Quartett“ Sound. Wie würden Sie ihn beschreiben?

Wir sind alle darauf bedacht, dass es einen Gesamtsound gibt und nicht, dass einer vorne steht und sein Solo abliefert. Wir wollen alle im gleichen Moment etwas zusammen schaffen.

Am 2. Juli bekommen Sie den JazzBaltica Förderpreis. Wie wichtig ist der Preis für die weitere Karriere?

Es ist toll, dass so ein Preis an junge Musiker geht, die diese Förderung wirklich brauchen und dadurch die Möglichkeit haben, sich weiter zu entwickeln und ihre Sachen nach vorne zu bringen. Für uns kam der Preis ziemlich unerwartet und ich fühle mich sehr geehrt, von einem Festival wie der JazzBaltica ausgezeichnet zu werden. Es ist immerhin eins der wichtigsten Jazzfestivals in Europa. Das gibt uns einen weiteren Schub, da wir dadurch Dinge realisieren können, die sonst viel länger gedauert hätten. Wir werden von dem Preisgeld in diesem Jahr eine CD aufnehmen und sicher gibt es auch viele neue Auftrittsmöglichkeiten.


Preisverleihung und Konzert am 2. Juli ab 23 Uhr im JazzCafé auf Salzau
Infos: www.jazzbaltica.de

Session Konzert
Location:
JazzCafe
Salzau

Termin: Freitag, 02.07.2010

http://www.jazzbaltica.de
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