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Moderation als Kunstform



Auch wenn er schon seit über drei Jahren nicht mehr auf dem Bildschirm zu sehen ist; der Name Dénes Törzs ist untrennbar mit dem Norddeutschen Rundfunk verbunden. 27 Jahre lang führte der Moderator slowakisch-ungarischer Abstammung die Zuschauer mit Charme und Witz durch das Fernsehprogramm. Über Jahrzehnte war er das Gesicht des nördlichsten aller dritten Programme und neben dem Walross Antje wahrscheinlich das einzig wahre Wahrzeichen des Senders.
Mit kleinen Anekdoten, Hintergrundinformationen und Studio-Interviews vermochte er beim Publikum eine besondere Vorfreude auf das folgende Programm zu erzeugen und trotzte so lange Zeit den unpersönlichen Trailern, die in anderen Sendern längst Einzug gehalten hatten. Für den heute 72-Jährigen hatte der NDR sogar die Berufsbezeichnung Fernsehansager durch den Begriff „Programm-Moderator“ ersetzt, denn Dénes Törzs hat die Pause zwischen zwei Sendungen zur Kunstform erhoben.
Im Rahmen des Länderschwerpunktes Ungarn ist der Wahlhamburger zu Gast beim Schleswig-Holstein Musik Festival in Brunsbrüttel und Neumünster. Dort wird er in gewohnt kurzweiliger Art mit geschichtlichen Informationen, Anekdoten und Kuriositäten durch das Programm „Ungarnwein“ führen, das sich ganz der Blütezeit der Tanz- und Unterhaltungsmusik-Kultur im Deutschland der 30er und 40er Jahre widmet. Für die Zeitreise in eine längst vergangene musikalische Welt sorgt das Elite-Künstlerorchester Berlin mit originalen Arrangements des legendären Barnabás-von-Géczy-Orchester. DER KULTURONKE sprach mit Dénes Törzs über das Programm.

Herr Törsz, haben Sie mit dem Fernsehen eigentlich komplett abgeschlossen oder sprechen Sie noch gern über Ihre Zeit beim NDR?

Natürlich spreche ich gern über diese Zeit, das ist doch eine wichtige Phase in meinem Leben. Vor allem habe ich mich nur vor der Kamera verabschiedet. Ich bin ja weiterhin für das Haus als Sprecher tätig und bin daher nicht mehr so eingebettet in einen Dienstplan wie ich das jahrelang war. Das hat große Vorteile.

Das klingt, als ob Sie das Fernsehen nicht vermissen würden.

Das wäre nun ein bisschen übertrieben. Natürlich vermisse ich es. Es kommt immer darauf an, wie man seine Tätigkeit sieht. Ob man sie als reinen Job zum Geldverdienen versteht oder so wie ich eher als Beruf. Ich wollte immer ganz bestimmte Dinge bewirken und die Leute damit unterhalten und informieren. Und wenn das plötzlich aufgehört hätte, wäre mir das sehr schwer gefallen.

Wie würden Sie denn Ihrem Enkel, der Sie nie auf dem Fernsehschirm gesehen hat, Ihren Beruf erklären?

Ich würde meinem Enkel erklären, dass ich ein Studio hatte und dort im übertragenen Sinne Programm an die Leute verkauft habe. Dabei habe ich mir zur Aufgabe gemacht, dass besonders gut zu machen und notwendige Hintergrundinformationen zu geben. Das, was man heute per Mausklick im Internet erfährt, habe ich versucht, den Zuschauern mit ein paar Sätzen zu erklären. Und das kann man sehr unterhaltsam gestalten.

Damit haben Sie die Programmmoderator durchaus zur Kunstform erhoben....

Das wäre jetzt ein wenig übertrieben.
Begonnen hat es damit, dass ich als erstes ein Bildungsprogramm mit kleinen Einspielfilmen moderieren sollte. Da die Beiträge teilweise aus England kamen, waren sie oft mehr als 5 Minuten kürzer als für unsere Sendestruktur von einer halben Stunde notwendig. Und die Differenz gehörte mir. Über vier Stunden gesehen, hatte ich daher oft 25 Minuten, die ich gestalten konnte. Und für jemanden, der das gerne macht, ist das eine Riesenchance, die ich weidlich genutzt habe.


Und dem Publikum hat's gefallen

Offensichtlich, denn der NDR hat mich machen lassen. Damals war das Fernsehen ja noch ein etwas kühles Medium, darf man nicht vergessen. Und ich habe da so eine menschliche Nummer reingebracht. Es fing damit an, dass ich mich so angezogen habe, wie ich dachte, dass die Zuschauer angezogen sind, wenn Sie mich angucken. Gegen jede Kleiderordnung habe ich damals schöne Pullover angezogen, ein offenes Hemd ohne Krawatte. Dahinter lag die Philosophie, die Distanz zu überwinden, und das ist mir hoffentlich gelungen.

Was erwartet uns beim Programm „Ungarnwein“?

Vor 15 Jahren haben Ensemblemitglieder des Deutschen Symphonie Orchesters Berlin um den Kapellmeister André Frank das Elite Künstlerorchester gegründet, um sich mit dem musikalischen Stil der Tanz- und Unterhaltungsmusik der 30er und 40er Jahre im Allgemeinen und des Barnabás-von-Géczy-Stiles im Besonderen zu beschäftigen.
Der ungarische Geiger Barnabás von Géczy leitete eines der Spitzenensemble der 30er Jahre, dessen Wurzeln in der Klassik lagen und das als der Protagonist für gehobene Unterhaltungsmusik gelten darf. Da es aus dieser Zeit kaum noch Originalnoten gibt, haben sich die Musiker mit großen Ohren hingesetzt und Arrangements sowie Instrumentierung transkriptiert. Das heisst, in Brunsbüttel wird die Originalmusik des Barnabás-von-Géczy-Orchesters zu hören sein, mit der das Ensemble uns auf eine Zeitreise in eine längst vergangene musikalische Welt schicken wird. Ich werde dazwischen in gewohnt lockerer Art und Weise geschichtliche Informationen, Anekdoten und Kuriositäten liefern.


Welche Beziehung haben Sie selbst zur Musik?

Ich würde mich als musikalischen Menschen bezeichnen. Als junger Mann habe ich Akkordeon gespielt und dazu gesungen. Ich höre viel Jazz und Klassik und bin gespannt, wie das Programm beim Publikum ankommt. Ich hoffe, es wird keine reine „Weißt- Du-noch-damals“ Geschichte. Das lässt sich bei dem Programm natürlich nicht vermeiden, aber die Musik hat uns auch heute noch viel zu geben und mir ist es wichtig, dass auch viele junge Zuschauer kommen. Denn hier wird Musik auf hohem Niveau noch mit der Hand gemacht mit richtigen Instrumenten.

Kennen Sie die Musik vielleicht noch aus Ihrer Jugend von Schellackplatten Ihrer Großeltern?

Ich erinnere mich daran, dass meine Großmutter immer den Pusztafox von Barnabás von Géczy gesungen hat und wir Kinder uns darüber lustig machten, weil sie gar keine besonders gute Stimme hatte.
Ungarnwein
Location:
Elbeforum Brunsbüttel

Termin: Donnerstag, 19.07.2007

http://wwwlshmf.de
http://www.elbeforum.de
http://www.andrefrank-music.de
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