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Die "Grande Dame" der russischen Klavierschule



Elisabeth Leonskaja zählt seit Jahren zu den grossen Interpretinnen unserer Zeit. In der georgischen Hauptstadt Tiflis geboren, weckte elterliche Fürsorge die Liebe zum Klavier. Erste Konzerte in Tiflis im Alter von 11 Jahren erregten Aufsehen und führten ab 1964 zum Studium am Moskauer Konservatorium bei Professor Jacob Milstein. Während des Studiums gewann sie Preise bei Internationalen Wettbewerben in Bukarest, Paris und Brüssel.

Bevor Elisabeth Leonskaja 1978 aus der Sowjetunion auswanderte und Wien als ihren ständigen Wohnsitz wählte, spielte sie mehrere Konzerte als Duo Partnerin von Svjatoslav Richter. Diese Begegnung hat ihre weitere künstlerische Entwicklung geprägt.

Mit ihrem Auftritt während der Salzburger Festspiele 1979 legte sie den Grundstein für ihre Karriere in der westlichen Musikwelt. Seitdem gastiert Elisabeth Leonskaja regelmässig in allen Musikzentren der Welt.
Im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals 2008 war sie bereits im Juni Klavierpartnerin der vier Herren vom Alban Berg Quartett, das in Kiel seinen Abschied von der Konzertbühne feierte. Nun zeigt die Meisterpianistin am 31. Juli noch einmal ihr Können bei einem Solo-Klavier-Abend in Pronstorf.
Für unsere Zeitung sprach Andreas Guballa mit der "Grande Dame" der russischen Klavierschule.

Vor kurzem durften wie Sie zusammen mit dem Alban Berg Quartett erleben mit Schuberts Klavierquintett A-Dur D 667. Anfang des Jahres haben Sie zusammen mit Matthias Goerne die CD „Sehnsucht“ mit Schubert-Liedern veröffentlicht, Ihre Diskographie weist mehr als zehn CDs mit Werken des Wiener Meisters auf. In Pronstorf werden Sie mit Schuberts Sonate A-Dur D 959 zu hören sein. Was verbindet Sie mit dem Komponisten?

Wenn Sie mich so fragen: Sehnsucht! Sehnsucht nach etwas, was man gar nicht unbedingt greifen kann.

Wie ist es zu der Programmzusammenstellung gekommen? Als zweites Werk steht Peter Tschaikowsky „Grande Sonate“ auf dem Programm.

Es sind zwei große sinfonische Werke von zwei großen Komponisten, die mir wichtig sind. Bei Tschaikowskys Klavierkonzert fühle ich so etwas wie Heimat und bin mit meiner Seele tief in Russland.

Viele Zuhörer schwören bei russischen Werken darauf, dass nur russische Orchester und Solisten sie interpretieren könnten. Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, die „Sprache“ des Komponisten zu sprechen?

Sehr wichtig. Die Sprache des Landes liegt immer in der Musik. Debussy kann beispielsweise nicht in deutscher Sprache gesprochen werden. Auch Rachmaninow und Tschaikowsky haben eine typisch russische Klangsprache. Sie beinhaltet eine bestimmte Intonation, Melodie und innere Regung.

Sie geben seit Ihrem 12. Lebensjahr Konzerte. Was braucht eine Pianistin um Erfolg?

Man muss überzeugen und eine Stimmung von der Bühne in den Saal übertragen können. Man muss die Seele der Zuschauer gewinnen. Nicht für sich, sondern für die Musik. Für mich bedeutet Erfolg, wenn ich die Stille im Saal spüre.

Ihre Landsmännin Anna Vinnitskaya bekommt in diesem Jahr beim Festival den Leonard Bernstein Award. Was würden Sie ihr, die am Beginn ihrer Karriere steht, als Rat mit auf den Weg geben?

Selbsterkenntnis, Bescheidenheit und Ergebenheit an die Musik. Das sind wahrscheinlich die schwierigsten, aber auch entscheidendsten Dinge, die zählen.

Sind Sie nach so langer Zeit noch nervös vor einem Konzert?

Ich unterscheide zwischen nervös und aufgeregt. Jeder Abend ist anders und es kommt auch immer auf die Tagesform an. Ein gesundes Maß an Aufregung schadet nicht, dann spielt man konzentrierter. Sie bringt das notwendige Adrenalin. Es gibt nichts Schlimmeres als Gleichgültigkeit.

Sie haben mit den führenden europäischen und amerikanischen Orchestern zusammengearbeitet. Welches Orchester ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Da kann ich keins besonders hervorheben, denn jedes Orchester hat einzigartige Eigenschaften. Die Arbeit ist immer mit dem Orchester am besten, mit dem ich gerade zu tun habe.
Aber ich bewundere wirklich die Tschechische Philharmonie als ein Orchester, das die eigene Kultur auf so einem hohen Niveau vertritt. Am Herzen liegen mir auch die Dresdner Staatskapelle und das Gewandhausorchester.


Sie stehen seit vielen Jahren auf der Konzertbühne. Was ist der unvergesslichste Moment Ihrer Karriere?

Da gibt es viele und ich versuche alle in Erinnerung zu behalten. Aber wenn Sie mich nach einem ganz besonderen Moment fragen, sind es die gemeinsamen Auftritte mit Svjatoslav Richter. Die werde ich ein Leben lang nicht vergessen. Die Begegnungen mit ihm waren wie ein Lichtstrahl in meinem Leben. Dieses Künstlertum, diese Ausstrahlung, die von ihm ausging, sind einmalig.

Während Sie auf Reisen sind, stellen Sie ganz selbstverständlich jungen Talenten Ihren Flügel zum Üben zur Verfügung. Wie wichtig ist der musikalische Nachwuchs für Sie?

Sehr wichtig. Man kann gar nicht früh genug anfangen. Ich möchte mit den jungen Menschen so umgehen, wie damals unsere Professoren in Moskau mit uns umgegangen sind. Ich hatte auch die einmalige Gelegenheit, bei Richter zuhause zu üben, wenn er unterwegs war. Ich möchte dafür auch keinen Dank, sondern sage immer: 'Gib diese Erfahrung einfach an andere weiter.'

Das Alban Berg Quartett hat vor kurzem Abschied von der Konzertbühne gefeiert. Ist dasAlter ein Thema für Sie?

Ich fühle mich absolut jung. Ich bin nur erfahrener als eine Zwanzigjährige.

Sie blicken auf eine reiche Karriere zurück. Haben Sie als so erfolgreiche Pianistin auch noch Träume?

Ich schaue immer nach vorne und höre nie auf zu träumen.

Meisterpianistin
Location:
Kuhstall Pronstorf

Termin: Donnerstag, 31.07.2008

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