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Wer ist eigentlich Adeline?



Er gehört zu den erfolgreichsten Künstlern mit über 120 Millionen verkauften Tonträgern in 38 Ländern: der Pianist Richard Claydermann. Anfang der Achtziger wird der Franzose mit dem Song "Ballade pour Adeline" über Nacht weltberühmt. Die Single verkauft sich weltweit über 22 Millionen mal und bringt ihm einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde ein. Doch wer ist diese Adeline eigentlich? Diese und viele andere Fragen beantwortet Clayderman, der im Februar auf Kirchentournee in Schleswig-Holstein ist, im Gespräch mit dem KULTURONKEL.

Herr Clayderman, im Herbst 2006 haben Sie begonnen, Konzerte in Kirchen zu geben. Wie ist es dazu gekommen?

Nach über 30 Jahren Konzerten überall auf der Welt wurde uns der Vorschlag gemacht, eine Reihe von Konzerten in Kirchen zu geben. Das war eine neue Herausforderung für mich und ich habe zugesagt, das mal auszuprobieren. Da es letztes Jahr so gut gelaufen ist, habe ich für dieses Jahr erneut eine Tournee zugesagt. Ich spiele einige Solo-Stücke auf dem Klavier, einige Stücke mit Geigenbegleitung, einige Stücke mit Geige und Gesang. Den Menschen hat das sehr gut gefallen. Ich spiele allerdings nicht nur religiöse Stücke, sondern es gibt natürlich auch klassische Werke. Der Abend ist wie in einer Konzerthalle, nur die Atmosphäre macht den Unterschied.

Es heißt, dass Sie mit sechs bereits besser Noten lesen konnte als Ihre Muttersprache französisch...

Mit fünf Jahren habe ich schon auf dem Klavier gespielt, aber mich mit Wörtern noch nicht so gut ausdrücken können, wie das eben als Kind in dem Alter so ist. Aber auf den Klaviertasten fühlte ich mich zu Hause.

Der Hit „Ballade pour Adeline“ war 1976 Ihr Durchbruch …. Wer ist Adeline? Gibt es sie wirklich?

Adeline gibt es selbstverständlich, sie ist die Tochter meines Freundes, dem Komponisten Paul de Senneville. Er hat das Stück zu ihrer Geburt komponiert und ihr zu Ehren „Ballade pour Adeline“ genannt. Bei der Suche nach einem passenden Pianisten, um die Ballade aufzunehmen, haben wir uns kennengelernt.

Sie gelten als sehr romantischer Musiker ….Wie würden Sie sich selbst charakterisieren?

Ich glaube, das entspricht ganz und gar meiner Persönlichkeit. Das, was ich spiele, harmoniert mit meinem Wesen, mit meiner Art, die Dinge zu sehen, meiner Sensibilität. Ich versuche, dies alles durch meine Musik zu transportieren.

Man sagt, Sie seien ein Familienmensch. Wie schwer fällt es Ihnen, auf Tournee von Ihrer Familie getrennt zu sein?

Die Trennung ist natürlich schwierig; von Zeit zu Zeit besucht mich meine Frau, aber es ist nicht leicht: man muss viel reisen, viel Zeit auf der Autobahn verbringen. Es gibt immer dieselbe monotone Routine: man kommt im Hotel an, beeilt sich, um zu den Proben zu kommen, dann ins Konzert, dann schnell ins Hotelzimmer, denn am nächsten Tag wartet wieder die Straße auf einen.

Sind Ihre Kinder in Ihre Fußstapfen gefolgt?

Ich habe zwei große Kinder im Alter von 23 und 33 Jahren; sie führen ihr eigenes Leben und sind nicht in der Musikbranche. Meine Tochter hat mehrere Kinder, sie ist Hausfrau und Mutter. Mein Sohn studiert.

Gibt es ein Leben neben der Musik?

Ich gehe gern ins Kino, lese und koche gern leichte Gerichte selbst. Ich mache Sport und ich habe viel Tennis gespielt. Aber damit habe ich jetzt aufgehört, das ist nicht gut für meinen Rücken.

Welche Musik hören Sie privat?

Ich mag eigentlich alle Musikstile, aber ich habe eine Vorliebe für Jazzmusik; modernen Jazz, nicht den traditionellen. Also Pianisten wie Herbie Hancock, Chick Corea und Gitarristen wie Harry Carlton und Pat Metheny. Das ist eine Musik, die sich sehr von meiner eigenen unterscheidet.

Sie haben zahlreiche Preise gewonnen. Was bedeuten Ihnen die Auszeichnungen?

Der einzige Preis, der aus meiner Sicht als solcher betrachtet werden kann, ist die Zufriedenheit des Publikums im Konzertsaal. Wenn das Publikum glücklich ist, ist das etwas Besonderes für mich und die schönste Belohnung.

Wie hat sich das Showbiz in all den Jahren geändert?

Es hat sich sehr verändert. Man muss ständig kämpfen, um auch nach 30 Jahren Karriere immer präsent zu sein.

Demnächst sind Sie bei uns in Norddeutschland unterwegs. Wie sind die deutschen Fans?

Es ist ein ganz besonderes Publikum, sehr höflich und nett. Ich habe das Gefühl, sie hören meinem Repertoire sehr genau zu. Vor allem kommen reizende ältere Menschen und junge Frauen, die meine Musik kennen, seit sie klein sind. Das Publikum ist ganz anders als in Asien oder Südamerika, wo die Zuschauer extrem jung sind. Besonders in China gibt es viele Kinder, die Klavier spielen. Ich gebe ihnen die Motivation zu beginnen und sie machen weiter und werden besser als ihr Lehrer.

Übersetzung: Regina Jaschke-Schröder
Location:
St. Petrikirche
Kiel
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