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Der Meister des Mundstücks



Ein seelenvoller Virtuose ist er, ein Meister der Koloraturkunst auf dem silbrig glänzenden Blasinstrument. Der Trompeter Gábor Boldoczki hat alles, was das Publikum zu Beifallsstürmen hinreißen lässt. Neben lausbübischem Lächeln und unwiderstehlichem Charme sind dies vor allem eine ungeheuere technische Raffinesse, subtile Klangphantasie und tiefgründiger Gestaltungswille.
Der 1976 im ungarischen Szeged geborene Gábor Boldoczki gilt mit seinem genialen Trompetenspiel als die Ausnahmeerscheinung seiner Generation. Die Fachpresse bezeichnet ihn einhellig als sensationelle Entdeckung und "Trompetenwunder des dritten Jahrtausends". Im Oktober 2003 zeichnete ihn die Deutsche Phono Akademie mit dem ECHO KLASSIK PREIS aus.
Im Rahmen des SHMF kommt der Meister am Mundstück am 9., 10. und 11. August in den hohen Norden nach Altenhof, Hasselburg und Haseldorf. Im Gepäck: virtuose Trompetenkonzerte des böhmischen Komponisten Johann Baptist Georg Neruda sowie eines der schönsten italienischen Konzerte von Alessandro Marcello, neu arrangiert für Trompete und Orchester. Ebenbürtiger Partner ist das Franz Liszt Kammerorchester Budapest, das unter seinem künstlerischen Leiter János Rolla Werke ihrer Landsleute Ernö von Dohnányi und Béla Bartók erklingen lässt.

DER KULTURONKEL sprach mit dem Ausnahmetrompeter.

abe immer mehr dazugelernt.

Sie sind nicht zum ersten Mal beim Schleswig-Holstein Musik Festival. Welche Erinnerungen haben Sie an das Land?

Sehr gute. Ich habe hier sehr schöne Konzerte gegeben und die Menschen waren sehr freundlich. Ich bin sehr stolz bei einem so berühmten Festival spielen zu dürfen, bei dem so viele bekannte Künstler auftreten.

Wollten Sie immer schon Konzertmusiker werden?

Als Kind wollte ich eigentlich Fußballer werden. Mein Traum war, in einem wichtigen Spiel in einem großen Stadion das entscheidende Tor zu schießen. Mein Vater war Musiker, bei ihm habe ich den ersten Trompetenunterricht bekommen. Meine Mutter unterricht Physik, auch diese Richtung hätte ich mir vorstellen können. Aber auf dem Konservatorium habe ich dann die Liebe zur Musik entdeckt.

Und Sie wurden sehr schnell erfolgreich. Bereits mit 14 Jahren gewannen Sie beim Nationalen Trompetenwettbewerb in Ungarn den 1. Preis und begannen an der Musikhochschule Franz Liszt in Budapest und in der Meisterklasse von Professor Reinhold Friedrich Ihre internationale Solokarriere. Heute gastieren Sie regelmässig in den bedeutendsten Musikmetropolen Europas. Sind Sie trotzdem bei Auftritten noch nervös?

Ich glaube, ein guter Musiker ist vor jedem Konzert nervös. Nur dann kann man die Konzentration solange halten. Wahrscheinlich spiele ich mit Lampenfieber noch besser, da ich sie in positive Energie verwandele und mehr leisten kann. Schon an der Musikhochschule hatten wir vier Jahre lang jede Woche kurze Auftritte vor der Klasse, so dass ich seit vielen Jahren an sie gewöhnt bin.

Sie haben im Laufe Ihrer Karriere mit zahlreichen renommierten Orchestern und Künstlern zusammengearbeitet. Gibt es einen unvergesslichen Moment, an den Sie sich besonders gern erinnern?

Davon gab es schon viele. Aber die wichtigste Begegnung in letzter Zeit war die mit Gidon Kremer im vergangenen Jahr. Zusammen mit seiner Kremerata Baltica haben wir eine Welturaufführung des litauischen Komponisten Georg Pelecis beim Festival les muséiques in Basel gemacht. Ich war sehr beeindruckt von ihm als Person und Künstler. Mittlerweile sind wir gute Freunde.

Sie werden in der Presse immer wieder als „würdiger Nachfolger“von Maurice André gefeiert, haben in jungen Jahren beim Internationalen Maurice André Wettbewerb gewonnen. Sind Sie ihm mal begegnet?

Ja, auch er ist eine besondere Persönlichkeit und gehört sicher zu den bedeutendsten Trompetern seiner Zeit. Zur Zeit wohnt er etwas zurückgezogen in Biarritz und spricht leider außer französisch wenige Fremdsprachen, so dass der Kontakt momentan nicht sehr intensiv ist.

Ihnen wird immer wieder Ihre technische Perfektion bescheinigt und dass Sie die Trompete eleganter, geschmeidiger und selbstverständlicher als andere spielen. Haben Sie eine spezielle Technik?

Nein, das hat mit Technik nichts zu tun. Ich versuche mich der Musik emotional zu nähern. Außerdem braucht man eine klare Vorstellung von einem Stück und wie man es spielen will. Die Technik muss nicht immer perfekt sein, aber das Erlebnis für das Publikum ist wichtig. Wenn man eine perfekte Produktion hören möchte, sollte man eine CD einlegen. Ein Konzert muss ein Live-Erlebnis sein – ein lebendiger Abend zum Hören und Sehen.

Es besteht wohl kein Zweifel daran, dass Sie auf dem Weg nach oben sind. Auf welche eigene Leistung sind SIe besonders stolz?

Derzeit geschehen so viele spannende Dinge in meiner Karriere, dass man das gar nicht genau sagen kann. Natürlich bin ich stolz darauf, innerhalb eines Jahres Preisträger bei den fünf bedeutendsten internationalen Musikwettbewerben gewesen zu sein, von denen ich drei sogar gewinnen konnte. Aber ich bin auch stolz darauf, dass ich trotz der vielen Konzerte, die ich gebe, sagen kann: Ich gebe immer das Beste und versuche mich stets auf die Auftrittssituation optimal vorzubereiten.

Sie gelten als Spezialist der Barocktrompeter-Literatur, haben aber auch zeitgenössische Kompositionen im Repertoire. Welche Musik liegt Ihnen mehr?

Für mich gibt es nur gute und schlechte Musik. Egal aus welchem Jahrhundert. Mir ist wichtig, auch Alte Musik perfekt auf einem modernen Instrument spielen zu können. Ich habe außerdem viele Kontakte zu Gegenwarts-Komponisten wie Penderecki, Pelecis und anderen. Ich möchte gern vielseitig bleiben und auch für die nachfolgende Generation ist es notwendig, dass es immer wieder neue Kompositionen gibt.

Welche Musik hören Sie privat zum Entspannen?

Ich höre selten konzentriert Musik, dafür bleibt neben den Proben und Konzerten wenig Zeit. Aber ich bin offen für alles und höre nebenbei viel Radio. Zur Zeit höre ich viel lateinamerikanische Musik. Ich möchte unbedingt Salsatanzen lernen.
Location:
Kuhstall Altenhof
Hasselburg
Haseldorf

Termin: Donnerstag, 09.08.2007

http://www.shmf.de
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