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"...dass nichts bleibt wie es war."



Ohne ihn wäre die deutsche Musiklandschaft kaum unvorstellbar: Hannes Wader. Seit den 1960ern reist der Singer-Songwriter aus der Burg-Waldeck-Szene durch eine wechselvolle Karriere, und gilt neben Wecker, Mey und Degenhardt als einer der letzten großen Liedermacher „alter Schule“. Am 7. Oktober gastiert der 67 jährige in der Kongresshalle Husum. DER KULTURONKEL hat mit dem Künstler gesprochen.

Seit über 40 Jahren sind Sie mit Ihren Liedern unterwegs - und ebenso viele Jahre damit erfolgreich. Ohne Show und Glamour, ohne Anbiederung an die Medien. Das ist heutzutage, wo sich "Starqualität" und künstlerische Bedeutung an Fernsehpräsenz, Bestsellerlisten und Schlagzeilen festzumachen scheint, ungewöhnlich. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Es heisst ja, wer nicht gelegentlich mal im Fernsehen auftaucht, der existiert nicht. Das stimmt irgendwie. Nur in meinem Fall nicht ganz. Ich tauche im Fernsehen fast gar nicht auf, aber es gibt so etwas wie eine Verankerung im kollektiven Gedächtnis der Menschen, die mich kennen. Darüber bin ich sehr froh

"Heute hier, morgen dort" ist einer Ihrer bekanntesten Lieder und offenbar auch Ihr Lebensmotto, denn Sie absolvieren 21 Auftritte innerhalb eines Monats. Wie schaffen Sie es, die Auftritte nicht in Routine abgleiten zu lassen?

So paradox es klingen mag: nicht in Routine abzugleiten, schaffe ich mit Routine. Ich habe da so meine Erfahrungen und Gewohnheiten, die mir sagen, was ich machen muss, um fit und frisch zu bleiben.

Eine dieser Gewohnheiten ist, dass Sie jedes Konzert mit dem Titel „Heute hier, morgen dort“ beginnen....

Das ist ein Lied, das ich im Schlaf singen kann und daher ein guter Einstieg ins Konzert. Mit einem Lied zu beginnen, auf das man sich verlassen kann, wirkt außerdem dem Lampenfieber entgegen.

Ihre Fans sind natürlich viele Weggefährten, aber auch ein Drittel unter 30jährige. Gibt es dafür eine Erklärung?

Das freut mich natürlich, aber ich habe dafür keine genaue Erklärung. Ich schreibe meine Lieder über Dinge, die mich bewegen, und hoffe, dass sie auch andere Menschen berühren. Das ist wie eine Flaschenpost, die man ins Meer wirft in der Hoffnung, dass sie irgendjemand findet.

Hat es nicht auch etwas mit Authentizität zu tun und dass Ihre Lieder eine gewisse Haltung ausdrücken?

Das ist schon möglich. Ich spiele ja keine Rolle, sondern drücke ganz ungekünstelt aus, was mich bewegt. Daher muss das Publikum entscheiden, ob es meine Arbeit authentisch findet oder nicht.

Sie haben Anfang der 1970er Jahre in einer alten Windmühle in Struckum bei Bredstedt gelebt. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Zeit in Nordfriesland?

In der Mühle habe ich über 25 Jahre gelebt, also die entscheidenden Jahre meines Lebens. Daher verknüpfen sich alle Erinnerungen, die ich habe, mit meiner Wahlheimat Schleswig-Holstein. Außerdem sind dort einige wichtige Schallplatten aufgenommen worden, die heute noch Kultscheiben sind.

Ihre Lieder sind unverwüstlich und längst Volksgut geworden. Macht Sie das stolz?

Mit dem Stolz habe ich es nicht so. Aber natürlich freue ich mich darüber und nehme es als Geschenk. Es war nie geplant, dass meine Lieder so tief in der Erinnerung der Menschen verwurzelt sind. Ich erlebe immer wieder, dass Menschen auf mich zukommen und sagen, dass sie mit meinen Liedern aufgewachsen sind oder sie in bestimmten Situationen hören. So ein Echo zu haben, finde ich großartig.

Hatten Sie je die Hoffnung mit Ihren Liedern etwas ändern zu können?

In geringfügigem Maße vielleicht. Ich glaube aber nicht, dass Lieder die Welt verändern können. Ich kann versuchen, mit meinen Songs Anstöße zu geben oder Menschen eine Richtung zu weisen.

Sie sind im Juni unfassbare 67 Jahre alt geworden. Ist Alter ein Thema für Sie?

Selbstverständlich denke ich über das Alter nach. Aber ich bin ziemlich gesund und fühle mich gar nicht so alt. Daher und werde ich weiter texten und komponieren und singen und musizieren - bis ich 80 bin.

Was darf das Publikum in Husum erwarten?

Eine Mischung aus alten und neuen Lieder. Mir bedeuten die alten Lieder genauso viel wie den Menschen im Publikum, die damit etwas ganz bestimmtes verbinden. Aber es kommen auch immer wieder neue Lieder dazu, für die ich Herzblut vergossen habe. Daher bin ich immer sehr neugierig, wie sie rüberkommen. Es ist wunderbar, aus einem Fundus Hunderter Lieder auswählen zu können.
Location:
Husumer Kongresshalle

Termin: Mittwoch, 07.10.2009

http://www.scala-kuenstler.de/hannes-wader.html
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