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Musik für den Bauch



„Deutschland hat einen neuen Jazzstar“ titelt die Fachpresse und bewertet Nils Wülker sogar als “prägende Figur in der europäischen Jazzentwicklung der Zukunft”. Ohne Zweifel gehört der 29jährige Wahl-Hamburger als Instrumentalist und Komponist zu den gefragtesten Musikern der nationalen Szene. Nils Wülker verbindet Elemente des zeitgenössischen Jazz mit Einflüssen aus Modern Jazz, Funk-Jazz und Pop. Vom 30. Juni bis 1. Juli ist er mit seiner Nils Wülker Group zu Gast auf der Jazz Baltica. DER KULTURONKEL sprach mit dem Künstler.

Du hast vor zwei Jahren ganz mutig dein eigenes Plattenlabel gegründet. Warum war das notwendig und hast du es schon bereut?

Bereut habe ich den Schritt überhaupt nicht, weil es für mich sehr gut gelaufen ist. Ich war ja vorher bei Sony. Am Anfang war es natürlich eine Supersache, mit dem ersten Album bei einem großen Label zu landen. Aber letztendlich kommt es nicht auf den Labelnamen an, sondern wie intensiv ein Album betreut wird. Und das lief dann nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Und da habe ich gedacht, das kann man besser machen und habe den Entschluss gefasst, mir selbst so ein Netzwerk aus Leuten aufzubauen.

Dadurch bist du jetzt Plattenchef, aber nach wie vor Instrumentalist, ebenso Arrangeur und Komponist. Was machst du denn am liebsten?

Das Wichtigste ist ganz klar das Spielen und Komponieren. Das Produzieren ist auch ein wichtiger Schritt, der eigentlich ein bisschen zum Komponieren dazu gehört. Denn es bedeutet, dafür zu sorgen, dass die Musik bestmöglich auf dem Album landet. Und mir ist es wichtig, ein rundes Gesamtprodukt abzuliefern und einen roten Faden in der Musik zu haben. Deswegen kann ich das gar nicht so trennen.

Nun ist deine Musik nicht gerade Mainstream, um es vorsichtig auszudrücken. Wie würdest du sie beschreiben und ist es schwer, sich in Deutschland mit so einem Konzept durchzusetzen?

Momentan bekommen wir sehr viel Zuspruch, es läuft alles sehr gut. Und die Leute, die wir erreichen, können wir auch begeistern. Die Musik ist schon fest im Jazz verwurzelt, aber es gibt auch Popeinflüsse. Das kommt einfach daher, dass wir mit Pop groß geworden sind. Es ist sehr melodische und sehr atmosphärische Musik. Ich denke, dass auch viele Leute, die sonst keinen Jazz hören, mit der Musik etwas anfangen können, weil man sie gut über den Bauch aufnehmen kann.

Nun kommst du ursprünglich gar nicht aus dem Jazz Bereich, sondern es geht in der Presse der Mythos um, bis zu deinem 17. Lebensjahr wusstest du weder was Jazz noch wer Miles Davis ist. Was war denn nun tatsächlich die Initialzündung zum Jazz zu kommen?

Ich habe zwar mit 10 Jahren angefangen Trompete zu spielen und auch Klavier gespielt, aber immer nur klassisch. 1993 gab es dann die Acid Jazz Welle. Das war für mich so der Moment zu merken: Trompete kann auch noch irgendwie anders klingen als bei einem Haydn Trompetenkonzert. Darüber bin ich zum Jazz gekommen. Es gab dann „US3“, ein richtiger Radiohit, in dem die Trompete sehr im Vordergrund stand. Die Musik hat mir unheimlich gefallen und ich habe nachgeforscht, wo diese Einflüsse plötzlich her kamen. Und da hat mir jemand Miles Davis' „Kind of Blue“ vorgespielt. Das hat mich einfach gepackt.

Seitdem ist etwas Zeit vergangen. Wer sind denn heute deine musikalischen Helden?

Nummer 1 ist eigentlich immer noch Miles, nicht nur als Trompeter, sondern weil er auch ein musikalischer Visionär war, der unglaubliche Bands zusammengestellt hat, einen unglaublichen Sinn für musikalische Dramaturgie hatte. Deshalb ist er immer noch für mich der Haupteinfluss.

Dein aktuelles Album heisst „Safely Falling“. Ist der Titel programmatisch gemeint?

Für mich hat er zwei Bedeutungen. Einmal ist es das Lebensgefühl, sich einfach fallen zu lassen und zuversichtlich zu sein, dass es gut geht. Und musikalisch bedeutet er, seiner Intuition zu vertrauen und gar nicht so viel mit dem Kopf zu steuern. Das steht hinter dem Titel, aber es ist nicht wirklich eine programmatische Musik. Der Ansatz trifft einfach die Art, wie ich Musik mache.

Wie wichtig ist es für dich, die Stücke selber zu schreiben und zu arrangieren und nicht einfach Coverversionen abzuliefern?

Komponieren ist einfach zentraler Bestandteil meiner Musik, das kann ich gar nicht mehr voneinander trennen.

Nun bist du in letzter Zeit oft in der Presse gewesen, wirst dort als „Jazzwunder“, „Phänomen“, „raffinierter Arrangeur“ aber auch als „Bestaussehender Trompeter Deutschlands“ beschrieben. Wie gehst du mit so viel Lob um?

Ich freue mich natürlich über soviel Lob, aber weiß natürlich auch, wieviel Arbeit dahinter steckt.Wir spielen als Band bereits sechs Jahre zusammen und haben gemeinsam den Weg nach oben gemeistert. „Safely Falling“ ist bereits unser drittes Album und die gemeinsame Arbeit ist einfach ein guter Weg, auf dem Boden zu bleiben.

http://www.nilswuelker.de
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