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Gypsy Night


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Seit mittlerweile fünf Jahren sorgt die Reihe „anbruch“ für ungewohnte Klänge beim SHMF. Gemeinsam mit „das neue werk" des NDR werfen die Programmmacher alljährlich während des Festivals ein Schlaglicht auf die aktuelle Musikszene des Gastlandes.

Untrennbar mit der kontinuierlichen Erfolgsstory des „Festes im Fest“ verbunden ist der Name Dr. Christian Kuhnt. Als Ideen gebender Dramaturg und seit Anfang 2003 als stellvertretender Intendant bzw. als künstlerischer Direktor zeichnet der 40jährige in vorderster Reihe nicht nur für die Programmgestaltung beim SHMF, sondern auch bei dessen Ableger „anbruch“ verantwortlich.

In diesem Jahr findet die Avantgarde-Konzertreihe am 14. August und vom 21. bis zum 26. August in Hamburg, Kiel, Salzau und Lüneburg statt und soll dem Publikum wieder neue Hörwelten eröffnen. Ob Werke von Eötvös oder Ligeti, pianistische Glanzleistungen mit Pierre-Laurent Aimard oder dem Ungarn Gábor Csalog oder Elektro-Hip Hop-Klänge von Yonderboi – die Zuhörer sind eingeladen, mit Neugier das zeitgenössische Musikschaffen Ungarns zu erkunden.

DER KULTURONKEL sprach mit dem „Erfinder“ von anbruch.

Herr Dr. Kuhnt, auch wenn die Gypsy Night nicht offiziell zur Reihe anbruch gehört, verspricht das kommende Wochenende in Kiel und Hamburg eine wilde Mischung aus Musik auf Milchkannen und gewöhnlichen Instrumenten. Was genau erwartet die Besucher?

Wir versuchen ja seit Jahren bei den Länderschwerpunkten die Musik dieser Länder immer umfassend zu beleuchten. Und bei Ungarn gehört die Musik der Sinti und Roma zum kulturellen Erbe dazu. Was uns begeistert, ist, wenn eine Musik, die eine gewisse Tradition hat, nicht zum Museum wird, sondern wenn heute damit noch ein lebendiger Umgang selbstverständlich ist. Und das ist in Ungarn auf sehr sympathische Weise in Bezug auf Zigeunermusik der Fall. Und Besh o droM und Romano Drom sind zwei herausragende Vertreter dieser Musikrichtung, die nicht rückwärts gewandt ist, sondern heutige musikalische Strömungen aufnimmt und integriert.
Romano Drom tut das mehr im Umgang mit Haushaltsgeräten, die zum Einsatz kommen. Besh o droM eher mit Jazzelementen und einem Schuss Hip Hop.


Diese ungewöhnliche Klangcollage wird fortgesetzt am 24. und 25. August nach dem Motto: SHMF goes Electro, wenn der „Rising Star“ der ungarischen Club Szene Yonderboi in die Halle 400 und ins „Uebel und Gefährlich“ kommt.

Damit versuchen wir diese Ängste, die ein Klassikfestival vielleicht manchmal vor der Popszene hat, zu überwinden. Mit Yonderboi haben wir das große Glück, dass Ungarn über eine Pop-Ikone verfügt, die weltweit für Furore gesorgt hat mit dem Album „Shallow and Profound“. Das war damals eine wirkliche Sensation eines gerade mal 19jährigen Künstlers. Und Yonderboi hat es geschafft, dass seine Musik trotz aller Internationalität einen ganz klaren osteuropäischen Touch hat. Er ist bis heute ein Wunderkind der Popkultur und deshalb haben wir alles daran gesetzt, ihn zu uns nach Schleswig-Holstein zu holen.

Sie sprachen es gerade schon an: Mit anbruch wollen Sie klassisches Publikum für Neues gewinnen. Funktioniert das im Umkehrschluss ebenfalls? Haben Sie in fünf Jahren eine neue Zielgruppe für klassische Musik interessieren können?

Natürlich überlegen wir uns, wie wir auch jüngeres Publikum in den Konzertsaal bekommen. Der falsche Weg wäre es, das mit nicht-klassischer Musik versuchen zu wollen. Wir möchten letztendlich als Schleswig-Holstein Musik Festival so viel und so vielfältige Musik wie möglich anbieten. Enstprechend versuchen wir, dieses Denken in Kategorien zu überwinden und hinterfragen ständig: Was ist Klassik überhaupt? Ist es klassische Musik, wenn beispielsweise Johannes Brahms ungarische Tänze komponiert, die er eindeutig seiner Vorstellung von Zigeunermusik entlehnt? Wo sind da die Grenzen oder sind sie nicht sehr fließend? Und es gibt kaum ein anderes Land als Ungarn, wo man auf eine sympathischere Art zeigen kann, welche dynamischen Prozesse zwischen E- und U-Musik stattgefunden haben.

Nun ist anbruch untrennbar mit Ihrem Namen verbunden. Hat sich die Idee mittlerweile so in der Dramaturgie etabliert, dass das Fest im Fest bestehen bleibt, wenn Sie am Ende der Saison das Festival verlassen?

anbruch war nie meine Reihe, sondern wir denken hier immer im Team. Auch der NDR ist ja seit vielen Jahren an anbruch beteiligt, allein dadurch ist gewährleistet, dass es damit weitergeht. Auch meine Kollegen haben mich immer sehr intensiv unterstützt bei der Suche nach originellen Musikern. Dementsprechend bin ich ganz sicher, dass anbruch auch ohne Kuhnt fortgesetzt wird.

INFO Gypsy Night:

Eine wilde Mischung aus Musik auf Milchkannen und gewöhnlichen Instrumenten – dies verspricht die „Gypsy Night“ am kommenden Wochenende. Die aus Budapest stammende Gruppe Besh o droM gründete sich im August 1999 und lässt sich mit ihrer spektakulären Mischung aus traditioneller Romamusik, schnellen Beats und Jazz-Improvisationen in keine stilistische Schublade einordnen. Die acht Musiker verbinden kraftvolle Balkanklänge mit bester Klubkultur, den einzigartigen Klang des Zymbals und der Hirtenflöte Kaval mit Jazz-Improvisationen, Highspeed Balkanfolk mit Hip Hop oder Rap. Ihre Musik ist zugleich verspielt und ernst, lustig und berührend, ursprünglich und urban, westlich oder östlich. Zum Einsatz kommen dabei nicht nur Hackbrett, Geige, Saxophon und Trompete, sondern auch die afrikanische Trommel Djembé und die traditionelle Milchkanne.

Die Gruppe Romano Drom pflegt die althergebrachten Traditionen der aus Rumänien stammenden „Olah“, die von der Walachei aus als fahrende Händler ihre sinnenfrohe Lebensphilosophie und mitreißende Musik auch nach Ungarn exportierten. Ihre Gesänge begleiteten sie lediglich mit Gegenständen aus dem häuslichen Bereich, wobei Holzlöffel und Milchkannen als Perkussionsinstrumente dienten. Die Musiker greifen in ihren Arrangements und Kompositionen das überlieferte Material auf und verarbeiten dieses mit Elementen aus dem Jazz, der arabischen und der spanischen Musikkultur.

10.8., ab 20 Uhr: Halle 400, Kiel; Restkarten
11.8., ab 20 Uhr: Kampnagel Hamburg; Karten: 28 Euro


INFO Yonderboi:

Er will, nach Eigenaussage, "bei einfacher Musik bleiben, die auf gefühls- und melodiebetonten Grundlagen basiert und mit ihren visuellen Elementen eine osteuropäische Identität transportiert" - László Fogarasi Jr., 1981 geboren, als Yonderboi bekannt seit seinem Debütalbum „Shallow and Profound“. Darauf mischte der damals 20-Jährige entspannte Downbeats unter „ostalgische“ Versatzstücke wie einer alten Vermona Orgel aus DDR-Kombinatszeit oder süßlich-melancholischen Akkordeon-Melodien mit k.u.k-Charme. Seitdem gilt er als Rising Star der ungarischen Electro-Scene und spielt mit seinem Quintet in Klubs und auf Festivals in ganz Europa. Neben den Soundtracks für mehrere ungarische Filme produzierte er Musik für den Schweizer Ausdruckskünstler Urs Lüthi und arbeitete eng mit Florian Boesch für eine Theaterproduktion am Bayerischen Staatsschauspiel zusammen, die auf der Biennale in Venedig verwendet wurde. Nach einer längeren kreativen Pause erschien 2005 sein Album „Splendid Isolation“ als eine Art emotionale Neuauflage der zurückliegenden drei Jahre seines Lebens.

24.8., 21 Uhr: Uebel und Gefährlich Hamburg; Karten: 12 Euro
25.8., 21 Uhr: Halle 400 Kiel; Karten: 12 Euro
Location:
Kampnagel Hamburg
halle400 Kiel

http://www.shmf.de
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