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Der Grandseigneur des Cello



Am Sonntag, dem 25. Mai 2008 findet im Rahmen der Brahms-Wochen 2008 in der St.- Bartholomäus-Kirche in Wesselburen ein ganz besonderes Konzert statt . Zwölf renommierte Cellisten - Johann Bohorquez, Tobias Bloos, David Drost, Emanuel Graf, Alexander Kahl, Andreas Kipp, Nanako Okuda, Zoltán Onczay, Maximilian von Pfeil, Rouven Schirmer, Cécile Tacier - aus der Schmiede des „Cellopapstes“ Professor Wolfgang Boettcher bieten dem Publikum „Elitäres und Populäres“. DER KULTURONKEL sprach mit dem Grandseigneur des Cellos.

Wie ist das Ensemble der "12 Berliner Cellisten" – nicht zu verwechseln mit den „12 Cellisten der Berliner Philharmonikern“ - entstanden?

Das darf man auf keinen Fall verwechseln. Die zwölf Philharmonischen Cellisten haben sich ja seit ihrer Gründung 1972 zu einem weltweiten Eliteensemble entwickelt. Ich war damals Gründungsmitglieder und da bleibt es nicht aus, dass man immer wieder gebeten wird, mit jungen Cellisten zusammenzuspielen. Die "12 Berliner Cellisten", die am Sonntag in Wesselburen spielen, werden extra für dieses Konzert zusammengestellt. Ich habe sie kennengelernt bei verschiedenen Meisterkursen. Alle sind junge, außerordentlich talentierte Musiker, die mir gesagt haben: "So etwas möchte ich unbedingt mal machen."

Was macht die Faszination aus mit zwölf gleichen Instrumenten im Ensemble zu spielen?

Wenn man den Klang hört, denkt man erstmal an ein üppiges Kammerorchester. Es ist ein wunderbarer sonorer Sound. Und man kann das Cello durchaus differenziert spielen. Außerdem fasziniert natürlich die Optik; dass da in einem Halbkreis zwölf Celli aufgebaut sind - jedes sieht ein wenig anders aus - und was man damit vor allem in der neueren Musik alles machen kann. Man kann streichen, man kann zupfen, man kann klopfen. Alles wird in unserem Konzert auch zum Einsatz kommen. Außerdem musizieren Cellisten gern miteinander. Das ist sicher anders als bei anderen Instrumentengruppen. Man kann sich eigentlich kaum vorstellen, dass sich zwölf Geiger zusammentun. Das liegt sicher auch an der Natur der Spieler.

Was ist an einem Cellisten anders als bei einem Geiger?

Der Geiger hat sein Instrument ganz nah am Körper und ist daher mit seinem Ego sehr eng mit ihm verbunden. Mit dem Cello hat man etwas mehr Abstand.

Wie sieht das Programm am Sonntag aus?

Wir haben uns ein ziemlich anspruchsvolles Programm vorgenommen. Das fängt mit einer doppelchörigen Kanzone von Frescobaldi aus dem Jahr 1608 an und endet mit der Uraufführung der japanischen Komponistin Yoko Nakamura, die ein Stück geschrieben hat, das gerade erst fertig geworden ist. Dazwischen liegen 400 Jahre Musikgeschichte mit Werken und Adaptionen von Telemann, Haydn, Brahms, Dvorák und Verdi. Im Zentrum stehen außerdem drei Stücke von Boris Blacher. Seine "Rumba philharmonica" ist übrigens das erste, eigens für die "12 Cellisten" komponierte Werk. Als Bonbon gibt es dann noch "Yesterday" von den Beatles.

Sie haben bis 1976 als Solocellist bei den Berliner Philharmonikern gespielt und sich dann für solistische Aufgaben und eine Professur an der Hochschule der Künste in Berlin entschieden. Haben Sie den Schritt jemals bereut?

Nein. Ich habe damals sehr lange mit mir gerungen, denn es ging mir da sehr gut. DIe Mitglieder der Cellogruppe waren alle meine Freunde und auch mit meinem damaligen Chef, Herbert von Karajan, bin ich sehr gut klar gekommen. Es war eher ein inneres Zeichen nach dem Motto: "Böttcher, du solltest mal was anderes machen". Wenn man beispielsweise "Die Erste" von Brahms perfekt spielt, aber eigentlich mit seinen Gedanken ganz woanders ist, ist es Zeit für neue Herausforderungen. Und ich bin reichlich entschädigt worden durch eine große Anzahl talentierter Cellospieler, die ich ausbilden durfte, und die wunderbare Zusammenarbeit beispielsweise mit Sergiu Celibidache, Yehudi Menuhin, Witold Lutoslawski und Dietrich Fischer-Dieskau.

Man darf wohl zu recht verraten, dass Sie in diesem Jahr 73 Jahre alt geworden sind. Hält die Musik Sie jung?

Ich stehe gern früh auf und bin viel per pedes oder mit dem Fahrrad unterwegs. Gerade bei diesem herrlichen Mai-Wetter. Die Bewegung tut meinen alten Knochen gut. Aber im Wesentlichen ist es natürlich die Musik. Die ständige Herausforderung durch Konzerte und Meisterklassen stimuliert mich.
Location:
St.- Bartholomäus-Kirche
Wesselburen

Telefon: 0481-69531

Termin: Sonntag, 25.05.2008

http://www.brahms-sh.de
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