Kultur
Lifestyle
Touristik
Medien
Referenzen
Archiv
„Musik ist Emotion“



Sol Gabetta zählt zu den derzeit profiliertesten Künstlerinnen der internationalen Klassikszene. Ihr Vorname ist Geschenk, Programm und Verpflichtung: Sol heißt „Sonne“ und so kann nicht verwundern, dass sie es strahlend, temperamentvoll und virtuos versteht wie kaum eine andere, ihr Publikum zu verzaubern und in den Bann ihrer charismatischen Bühnenausstrahlung zu ziehen. Am 18. Juli kommt sie mit ihrer Duopartnerin, der moldawischen Geigerin Patricia Kopatchinskaja, in den Meldorfer Dom.

Gerade einmal 32 Jahre alt, mutet ihre Karriere geradezu kometenhaft an. Ihren Durchbruch feierte sie bereits 2004, als sie bei den Luzerner Festspielen als Gewinnerin des „Crédit Suisse Young Artist Award“ ihr Debüt bei den renommierten Wiener Philharmonikern gab. Seitdem hat sie als Solistin die bedeutendsten Konzertpodien der Welt im Sturm erobert und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Gemeinsam mit ihrem Bruder, einem Geiger, gründet sie ein eigenes Orchester, die Cappella Gabetta, und binnen kurzer Zeit ist sie auch als Kammermusikerin erste Wahl.
Die in Argentinien geborene Cellistin mit Wohnsitz in der Schweiz hat bei Sony eine Vielzahl von CDs eingespielt, bei der Deutschen Grammophon erschien zuletzt eine Duo-CD mit Hélène Grimaud. 2013 wurde sie für ihre Einspielung von Schostakowitschs Cellokonzert Nr. 1 mit den Münchner Philharmonikern und Lorin Maazel als Instrumentalistin des Jahres mit dem ECHO Klassik ausgezeichnet. Seit 2005 unterrichtet sie an der Musik-Akademie Basel. Das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) widmet der argentinischen Cellistin in diesem Jahr ein Künstlerporträt. Der Kulturonkel hat sie getroffen.


Frau Gabetta, Sie waren 2008 und 2011 bereits beim SHMF. Nun verbringen Sie den ganzen Sommer im Norden. Ist das ein bisschen wie nach Hause kommen?

Ja, ich war eigentlich ein bisschen zu wenig in dieser Region. Natürlich war ich oft in Hamburg, aber meine Musik nun in der Fläche präsentieren zu können, freut mich sehr.

Wie haben Sie reagiert, als der neue SHMF Intendant Christian Kuhnt, sie gefragt hat, als „Künstler in Residence“ zum Festival zu kommen.

Ehrlich gesagt wollte ich mir diesen Sommer frei halten, weil ich im Laufe des Jahres wirklich sehr viel unterwegs bin. Deswegen wollte ich diesmal entspannen und neues Repertoire lernen. Aber Christian Kuhnt hat mich mit seiner Idee in den Bann gezogen und mir sehr viele Freiheiten bei der Programmauswahl eingeräumt. Ich wohne auch sechs Wochen lang in der Region; das ist nicht so stressig als zu jedem Konzert anzureisen und so kann ich Land und Leute besser kennenlernen.

In der Schweiz wohnen sie auch fernab des Trubels auf einem Bauernhof – da ist Schleswig-Holstein ja perfekt...

Absolut. Es ist so, als ob ich von zuhause nach Hause komme.

Insgesamt 17 Konzerte geben Sie im Laufe des SHMF, die ersten liegen schon hinter Ihnen. Wie fühlt sich das an?

Es ist wie im Paradies, wenn man ein Programm vier oder fünf Mal an verschiedenen Orten spielen kann. Für uns Musiker ist es ideal, weil der Kopf auf ein Programm eingestellt ist, an dem man lange Zeit gearbeitet hat. Da Schleswig-Holstein so groß ist, kann man das machen. Sonst wäre das unmöglich.

Nach welchen Kriterien haben Sie das Programm zusammengestellt?

Ich bin ja bekannt dafür, dass ich von allem ein bisschen im Programm habe und nicht auf einen Komponisten oder eine Musikepoche spezialisiert bin. Es gibt ja noch so viel zu entdecken und ich möchte mich in meinem Alter noch nicht einschränken. Diese Breite ist mir sehr wichtig. Natürlich habe ich mich auch vom Komponistenschwerpunkt Felix Mendelssohn Bartholdy inspirieren lassen.

Wann ist für Sie ein Konzertprogramm gelungen?

Ich möchte Projekte entwickeln, die etwas erzählen. Musik ist Emotion, ist eine Sprache, die Emotionen anspricht. Musikhören ist, wie ein Buch zu lesen, es braucht Illusion, es braucht Vorstellungskraft. Und diese Vorstellungskraft möchte ich wecken.

Und wann ist ein Konzert gelungen?

Wenn ich eine Verbindung zu meinen Zuhörern geschaffen habe. Wenn sich alle im Konzertsaal wie zu Hause fühlen, dann habe ich etwas richtig gemacht.

Welches Ihrer Projekte liegt Ihnen besonders am Herzen?

Vom menschlichen Standpunkt gesehen ist es die Cellonacht am 16. August im Kieler Schloss. Denn ich habe es in den letzten Jahren nicht geschafft, all diese lieben Menschen unter ein Dach zu bekommen. Alle haben viel zu tun und spielen sehr viel. Selbst für mein eigenes SOLsberg-Festival in der Schweiz hat es nicht geklappt. Daher danke ich dem SHMF sehr, dass es ein Wiedersehen ermöglicht mit den Kolleginnen und Kollegen, die alle bei meinen eigenen Lehrern, Ivan Monighetti und David Geringas, studiert haben.

Sie spielen ein Guadagnini-Cello von 1759. Macht es Sie nicht nervös, mit so einem wertvollen Instrument durch die Gegend zu reisen?

Ich sage immer, es ist wie mit einem Kind. Es macht mich nervös, mit kleinen Kindern zu reisen. Der Unterschied ist, dass das Cello nicht weint und nicht schreit (lacht). Der Nachteil ist, dass es vielleicht zweimal so groß ist wie ein Kind. Das Cello ist für mich wie eine eigene Persönlichkeit neben mir. Eigentlich macht's mich nervöser, wenn ich's nicht dabei habe. Wenn ich's dabei habe, hab' ich keine Angst.

Am 18. Juli kommen Sie mit dem Programm „Traumduo“ in den Meldorfer Dom. Woher kennen Sie die moldawische Geigerin Patricia Kopatchinskaja?

Patricia hat wie ich ein neues Zuhause in der Schweiz gefunden. 2003 haben wir uns bei einem privaten Hauskonzert in Zürich kennengelernt und spielen seither immer mal wieder zusammen – in der Regel allerdings mit einem Pianisten. Aber ich freue mich sehr auf dieses Duoprogramm. Ich glaube, zwischen uns klappt es so gut, weil wir beide so verschieden sind. Patricia ist sehr temperamentvoll und legt sich auf dem Konzertpodium mit Haut und Haaren ins Zeug. Außerdem ist sie nicht nur eine tolle Künstlerin, sie hat auch ein großes Herz. Solche Menschen gibt es nur selten.
Traumduo
Location:
Meldorfer Dom
25704 Meldorf

Termin: Freitag, 18.07.2014

http://www.shmf.de
diesen Beitrag downloaden
Museum
Der Mann, der die Welt erleuchtete
Emil Noldes "Land am Meer"
Die SS Cimbria - eine deutsche Titantic
Gegen Diktatur
"Karl Valentin. Filmpionier und Medienhandwerker"
Geschichtenbilder
Neues Flaggschiff für die Westküste
Bühne
Die Oper zum Klimawandel
"Der fliegende Holsteiner"
„Ich bin der willenlose Sklave meiner eigenen Neugier“
Ausgelassenes Treiben bei den Schlossfestspielen Schleswig
Zerrissen zwischen zwei Welten
Macht und Moral
Wiederentdeckung eines Stiefkindes der Opernliteratur
Neue Spielzeit am Schleswig-Holsteinischen Landestheater
Neue Konzertsaison am Schleswig-Holsteinischen Landestheater
Fliege deinen Traum
Eine Odyssee
UTE LEMPER MIT NEUEM ALBUM AUF TOURNEE
Hauke Haien reitet wieder
Kultfilm als Bühnenversion
Keine verrostetet alte Dame
Im Hamsterrad der Bürgerlichkeit
Les Misérables am Theater Lübeck
„Die norddeutsche Fassung des 'Paten'“
„Ninotschka“lässt es an der Förde swingen
Public Viewing mit Bio
Literatur
Starke Frauen in scheinbar ausweglosen Situationen
Hellmuth Karasek liest Wilhelm Busch
„Wo kann ich am besten eine Leiche verschwinden lassen“
Ein Schuss, ein Schrei - das Meiste von Karl May
Träume vom verlorenen Paradies
 
   
  ImpressumKontakt