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Keine Angst vor zeitgenössischer Musik


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Die Neuen Vocalsolisten Stuttgart - sieben Konzert- und Opernsolisten, vom Koloratursopran über den Countertenor bis zum schwarzen Bass - sind Forscher, Entdecker, Abenteurer und Idealisten. Ihre Partner sind Spezialistenensembles und Rundfunkorchester, Opernhäuser und die freie Theaterszene, elektronische Studios sowie zahlreiche Veranstalter von Festivals und Konzertreihen neuer Musik in Europa.
1984 als Ensemble für zeitgenössische Vokalmusik gegründet, sind die Neuen Vocalsolisten seit dem Jahr 2000 ein künstlerisch selbstständiges Kammerensemble ohne künstlerischen Leiter. Am Sonnabend, den 1. August gastieren die Schwaben im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals in der St.-Jürgen-Kirche in Heide. DER KULTURONKEL sprach mit der Sopranistin Susanne Leitz-Lorey.

Das Ensemble wurde 1984 gegründet. Werden Sie das 25jährige Jubiläum besonders begehen?

Das ist noch nicht ganz klar. Es wird wohl kein Jubiläumskonzert geben oder eine öffentliche Veranstaltung. Vermutlich gibt es ein großes Treffen aller bisherigen Mitstreiter, aber konkret geplant ist noch nichts.

Wie hat sich das Ensemble entwickelt?

Gegründet wurde das Ensemble als Nachfolgeprojekt der Schola Cantorum in Stuttgart, die damals das erste Vokalensemblar war, das solistisch besetzt in kleiner Besetzung gesungen hat. Dieses Ensemble aus 16 Sängern hat sich dann aufgelöst, aber es gab viele Stücke, die speziell für die Gruppe geschrieben worden sind. Professor Manfred Schreier hat dann sein eigenes Ensemble gegründet, um die vorhandenen Stücke weiter aufführen zu können. Wir haben also auch als sechszehnstimmiges Vokalensemble angefangen und im Laufe der Jahre hat sich aus verschiedenen Gründen das Ensemble sehr verkleinert. Dabei haben wir entdeckt, dass es wesentlich mehr Spaß macht, wenn man mit weniger Stimmen singt und sich dadurch mehr zum Chorgesang abgrenzt. Heute sind wir sieben feste Sänger, die alle Stimmfächer abdecken, und verstehen uns als kammermusikalisches Ensemble ohne künstlerischen Leiter. Die musikalische Arbeit machen wir also sehr eigenverantwortlich.

Was reizt Sie an der Mitarbeit bei den Vocalsolisten?

Mich interessiert, dass es kein Chorgesang ist, sondern solistisch verantwortete Arbeit in der Gruppe, ohne dass jemand der Chef ist. Das Gefühl, selbständig und freiwillig etwas erschaffen zu können, ist natürlich ein ganz anderes, als fremdbestimmt in einem Festengagement zu sein.

Geht es hinter den Kulissen genauso harmonisch zu wie auf der Bühne?

Wir sind natürlich alle Menschen, aber grundsätzlich gibt es keine Profilneurosen, tiefgreifenden Probleme oder Animositäten. Manchmal gibt es heftige Diskussionen über inhaltliche Dinge und Streßsituationen, wo jemand empfindlich reagiert. Aber wir wissen alle, warum wir da sind. Jeder respektiert und mag den anderen wie er ist. Wie in einer Familie gibt es mal Zoff, aber man verträgt sich auch wieder.

Wie kommt die Programmauswahl zustande?

Die Vorauswahl geschieht durch unsere Managerin, die alle Fäden in der Hand hält. Daher müssen wir uns nicht ständig überlegen, was wir singen wollen. Wir bekommen von ihr Vorschläge und Ideen. Aber wir haben ein Mitspracherecht. Wenn wir etwas nicht machen möchten, können wir das auch entsprechend äußern.
Das Repertoire ist gemischt. Meistens singen wir für uns komponierte Ensemblestücke wie das Programm, das wir in Heide singen. Dann gibt es auch Konzertprogramme, in denen wir solistische Stücke singen oder sehr klein besetzt, und Liederabende, die nur aus solistischen Stücken bestehen. Und dann gibt es regelmässig musiktheatralische Produktionen mit Bühne, Regie und so weiter.


Auf Ihrer Homepage steht, das Sie gerne erforschen und entdecken...

Wir erforschen vor allem, was man mit der Stimme machen kann. Wenn ein Komponist zu uns kommt, um Stücke auszuprobieren, machen wir das sehr gerne. Wir erforschen auch Möglichkeiten mit elektronischen Verfremdungen zu arbeiten. Eigentlich alles, was man stimmlich tun könnte zusätzlich zum Gesang. Darüber hinaus sind wir immer auf der Suche nach neuen Komponisten, denen wir zutrauen für uns etwas zu schreiben, was es so noch nicht gab.

Woran arbeiten Sie gerade?

Das nächste Projekt wird eine Art Liederabend. Wir singen lauter Stücke von Kompositionsstudenten, die an der Musikhochschule Stuttgart studieren und jeweils ein Stück pro Sänger plus Instrument geschrieben haben. Im Herbst gibt es mehrere Uraufführungen und eine Kinderoper.

Was darf das Publikum bei Ihrem Konzert in Heide erwarten?

Wir wollen versuchen, durch den Liederabend Grenzen aufzubrechen, ohne das Publikum, das noch nie neue Musik gehört hat, gleich zu verschrecken. Daher ist die Idee entstanden, ausgehend von den „Love Songs“ von Claude Vivier aus den 70er Jahren Komponisten zu beauftragen, mal nicht typisch zeitgenössisch zu schreiben, sondern sich einen Popsong ihrer Wahl zu suchen oder eine Rockballade, die sie für uns bearbeiten. Dadurch sind sehr unterschiedliche Stücke entstanden mit Bearbeitungen von Van Halen über AC/DC und den Beatles bis zu Beethoven. Manchmal erkennt das Publikum die Stücke, manchmal braucht es vielleicht eine Weile. Unsere Erfahrung ist aber, dass es großen Spaß macht und die Angst vor zeitgenössischer Musik nimmt, ohne sich anbiedern zu müssen.

Am letzten Sonnabend gastierten in Brunsbüttel die King's Singers, mit denen sie gerne verglichen werden. Mögen Sie diesen Vergleich?

Mit den King's Singers verglichen zu werden, ist natürlich erstmal ein Kompliment, da es ein Ensemble von Weltrang ist. Aber der Vergleich hinkt natürlich, denn wir sind kein reines Männerensemble und auch das Repertoire ist ein anderes. Das Publikum könnte also überrascht sein, wenn es mit dieser Vorstellung in unser Konzert kommt.
Wo die Liebe hinfällt
Location:
St.-Jürgen-Kirche
25746 Heide

Telefon: 0431- 570 470

Termin: Samstag, 01.08.2009

http://www.shmf.de
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