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Die wirklich wahren Wahrheiten über den Klassikbetrieb



Wollten Sie nicht immer schon mal wissen, wie es hinter den Kulissen des Klassikbetriebes wirklich zugeht? Erfahren, was Solisten und Dirigenten übereinander denken und wie Wettbewerbe tatsächlich entschieden werden? Kein Problem! Das Comedy Duo „Igudesman und Joo“, bestehend aus dem in St. Petersburg geborenen Geiger, Komponisten und Dirigenten Aleksey Igudesman und dem britisch-koreanischen Pianisten und Arrangeur Richard Hyung-ki Joo, geben beim SHMF vom 19. bis 21. August einen vergnügt-heiteren Einblick in die Welt der klassischen Musik in Kiel, Stade und Timmendorfer Strand. Unterstützt werden sie dabei von keinem geringeren als Gidon Kremer, der nach einer Performance der beiden bekannte: "Die lustigste Show über Musik und das Leben von Musikern, seit ich den großen Victor Borge gesehen habe. Ich musste den ganzen Abend vor Lachen weinen!" Gemeinsam enthüllen die drei Musikvirtuosen auf der Bühne nicht nur die wirklich wahren Wahrheiten – die Kremerata Baltica liefert den Soundtrack zur Show mit Filmmusik von Morricone, Chaplin, Nyman und anderen, die die bekennenden Kinofans ausgewählt haben.
Andreas Guballa sprach mit Aleksey Igudesman darüber, was das Publikum erwartet.

Können Sie uns schon einen kleinen Vorgeschmack geben, was die wirklich wahre Wahrheit ist?

Es gibt im Musikbetrieb gewissen Verhaltensformen, die wir auf die Schippe nehmen. Beispielsweise wie eine CD Aufnahme funktioniert. Die ganze Show basiert auf Episoden und Erfahrungen aus Gideon Kremers Leben, die aber natürlich stark übertrieben und verfremdet sind.

Bekommen auch bekannte Künstler ihr Fett weg?

Wir wollen uns nicht über einzelne Personen lustig machen, sondern mehr über die Vermarktung von Musik und dem ganzen Drumherum. Es gibt eine Gameshow, in der zwei Komponisten 60 Sekunden Zeit haben, ein modernes Stück gegeneinander zu schreiben. Da kommen aus Frankreich Pierre Bouillabaisse und aus den USA John Cake – da kann man sich vorstellen, auf welche Komponisten wir anspielen; aber wie das ganze Programm ist alles liebevoll gedacht.

Braucht man als Zuschauer ein musikalisches Hintergrundwissen?

Natürlich nicht. Unsere Sketche sind für Leute, die in der Musik zuhause sind, genauso lustig wie für Menschen, die nicht alle Beethoven-Konzerte auswendig kennen. Das ist ganz wichtig, da man sonst das Publikum entfremdet und vor den Kopf schlägt. Natürlich gibt es gewisse Anspielungen, die jemand eher versteht, der klassikerfahren ist. Aber wir versuchen immer doppelbödig zu sein. Und notfalls kann man auch einfach nur die wunderbare Musik der Kremerata Baltica genießen, wenn man mit dem Rest nichts anfangen kann.

Wie ist es zur Zusammenarbeit mit Gidon Kremer gekommen?

Unser Programm „Eine kleine Albtraummusik“ machen wir schon seit Jahren auf verschiedenen Festivals. In Bergen hat Gidon Kremer uns gesehen und war so begeistert, dass er die Show zu seinem Geburtstag eingeladen hat. Dort haben wir dann erste Pläne geschmiedet, etwas zusammen zu erarbeiten, weil es ein großer Traum von ihm war, mal ein musikalisch-theatralisches Projekt zu machen. Seit Kindesbeinen hegt er eine große Leidenschaft für Theater, Zirkus und Varieté , hat aber bisher nie den richtigen Rahmen gefunden, dies in eines seiner Programme zu integrieren. Bei einem gemeinsamen Brainstorming haben wir dann gleich gemerkt, dass wir auf einer Wellenlinie liegen.

Wie ist die Reaktion des Publikums?

Im Februar hatten wir drei Aufführungen in einem kleineren Rahmen und vor dem Schleswig-Holstein Musik Festival gibt es zwei Aufführungen im Baltikum. Die Ressonanz war bisher überwältigend. Gidon Kremer war sehr nervös, weil er zum ersten Mal auf der Bühne spricht und schauspielert, statt ausschließlich Musik zu spielen. Aber der Funke ist übergesprungen und unsere Botschaft ist bei Publikum und Presse angekommen. Unser Auftritt in Kiel wird die deutschsprachige Premiere und ich hoffe, hier kommt das Programm genauso gut an.

Klassische Musiker gelten ja eher als schwierig und unzugänglich. Gidon Kremer scheint aber über sich selbst lachen zu können?

Gidon Kremer ist ja nun nicht bekannt dafür, ein extrovertierter Künstler zu sein. Aber er hat einen wunderbaren, tiefgründigen Humor und hat selbst uns zum Lachen gebracht.

Wie sehr muss man die Musik lieben, um sich über sie lustig machen zu können.

Das Programm ist entstanden aus Liebe zur Musik. Wir wollen keine billigen Witze zulasten des Genres machen, sondern ein wenig weg von der Steifheit, die die Musik im 20. Jahrhundert bekommen hat. Wenn man in der Musikgeschichte blättert, erfährt man ja, wie locker in vorherigen Jahrhunderten bei Mozart oder Beethoven mit der Musik umgegangen wurde. Vielleicht können wir mit so einem Programm auch wieder jüngere Zuschauer in die Konzertsäle locken. Bislang hat das sehr gut funktioniert. Es kommen beispielsweise viele junge Leute, die uns auf YouTube gesehen haben, mit ihren Eltern. Und wir bekommen Rückmeldungen wie „Bisher habe ich keine klassiche Musik gemocht, aber nun weiß ich, wie toll Rachmaninoff ist“. Solche Reaktionen sind für uns das allergrößte Kompliment.

Sie selbst spielen Violine, Ihr Kollege Richard Hyungki Joo spielt Klavier. Wie gut muss man sein Instrument beherrschen, um damit Unfug treiben zu können.

Wir sind Musiker, die Spaß machen und keine Clowns, die Musik machen. Beide haben wir eine klassische Instrumentalausbildung genossen wie viele Künstler, aber hatten dann keine Lust mehr auf den Musikbetrieb. Unsere Vorbilder sind Victor Borge und ein Glenn Gould, der ja auch für CBS wunderbare Sketche gemacht hat und eigene Kompositionen geschrieben hat, die wirklich lustig waren. Daher führen wir eigentlich eine Tradition fort, die von Meistern ihres Faches begründet wurde. Wir machen es nur auf unsere Weise.
Cinema und Comedy
Location:
Kieler Schloss
Kiel

Telefon: 0431-570 470

Termin: Dienstag, 19.08.2008

http://www.shmf.de
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