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Das Klavierspielen ist wie eine Droge für mich


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Sie ist attraktiv, überaus begabt und gilt als neuer Geheimtipp: die russische Pianistin Anna Vinnitskaya (24). 1983 hineingeboren in eine Musikerfamilie im russischen Noworossijsk bekam sie mit sechs Jahren ihren ersten Klavierunterricht. Mit neun Jahren spielte sie ihren ersten Klavierabend. Die junge Russin studiert seit 2001 an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, 2003 wurde sie Meisterschülerin von Evgeni Koroliov. Im Sommer 2007 gewann sie den prestigeträchtigen Concours Reine Elisabeth. Mit dem Gewinn des Brüsseler Wettbewerbes stehen ihr nun alle Tore für eine glanzvolle Karriere offen. Am 23. August wird ihr beim Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) der Leonard Bernstein Award in Höhe von 10.000 Euro verliehen, gestiftet von der Sparkassen-Finanzgruppe. Der Preis erinnert an den Mitgründer des Klassikfestivals, dessen 90. Geburtstag in diesem Jahr in Gegenwart seiner Kinder begangen werden soll. Der Preis wird seit fünf Jahren verliehen und ging bisher an die Pianisten Lang Lang und Jonathan Biss, die Geigerin Lisa Batiashvili und Erik Schumann und den Schlagzeuger Martin Grubinger. Der Preis wird während eines Konzertes im Kieler Schloss überreicht. Es spielt das NDR-Sinfonieorchester unter Leitung von Kirill Petrenko. Auf dem Programm stehen außer Antonin Dvoráks Sinfonie Nr. 7 in d-Moll das Klavierkonzert Nr. 2 in c-Moll von Rachmaninov.
Andreas Guballa sprach mit der Preisträgerin

Sie haben im letzten Jahr in Brüssel gegen eine Konkurrenz von 74 Kandidaten aus 26 Ländern den ersten Preis des äußerst renommierten belgischen "Königin Elisabeth Wettbewerbs 2007" gewonnen - die Eintrittskarte für eine große Solistenkarriere. Erinnern Sie sich, als in der letzten Runde Ihr Name genannt wurde?

Ich war wie im Schock und konnte es erst einmal nicht glauben. Ich sollte sofort Interviews geben, Fotos machen und dann noch das Preisträgerkonzert bestreiten; da war gar keine Zeit, darüber nach zu denken. Wahrscheinlich habe ich erst einen Monat später gemerkt, was für einen großen Preis ich gewonnen habe.

Was hat sich seitdem für Sie verändert?

Nach dem Wettbewerb habe ich viele Konzert gegeben und hatte die Möglichkeit mit großartigen Musikern und Dirigenten zusammenzuarbeiten.

Was braucht eine Pianistin zum Erfolg?

Das ist schwer zu sagen. Aber ich glaube: Begabung, gute Lehrer und ein robustes Hinterteil, um die vielen Stunden auf dem Klavierhocker durchzuhalten.

Seitdem werden Sie in die ganze Welt eingeladen. Wie schützen Sie sich vor allzu schnellem Konzertverschleiß?

Ich versuche, mich zwischen den Konzerten in der Natur oder an der Ostsee zu erholen. Wasser wirkt auf mich beruhigend.

Sie stammen aus einem musikalischen Elternhaus und haben früh mit dem Klavierspielen begonnen. Wann war klar, dass sie Ihr Leben beruflich der Musik widmen wollen?

Das war irgendwie nie und gleichzeitig immer klar. Meine Eltern sind beide Pianisten und haben mich anfangs gezwungen, Klavier zu spielen. Später war es dann wie eine Droge für mich. Ich habe mich unwohl gefühlt, wenn ich nicht geübt habe. Heute bringt es mir viel Spaß und ich kann mir nichts anderes mehr vorstellen.

Wie wichtig war Ihr erster Lehrer, Sergej Ossipenko in Rostow am Don für Sie, zu dem Sie mit zwölf Jahren kamen?

Er ist immer noch sehr wichtig für mich und wenn ich bei meinen Eltern in Russland bin, nehme ich auch heute noch Unterricht bei ihm. Er hat quasi meine Finger geformt und mir gezeigt, was ein schöner Klang, eine richtige Phrase bedeutet.

Sie haben mit 18 Jahren Ihre Heimat Russland verlassen, um in Hamburg Musik zu studieren. Hat Ihnen die Musik damals gegen die Einsamkeit geholfen?

Als ich nach Deutschland gekommen bin, ging es mir nicht so gut, weil ich ganz alleine war – ohne Eltern, ohne Freunde. Damals habe ich sehr viel geübt, das hat mir sehr gegen das Heimweh geholfen.

2003 wurden Sie Meisterschülerin von Evgeni Koroliov. Holen Sie sich heute, wo Sie in die ganze Welt unterwegs sind, noch immer Rat bei ihm? Was besprechen Sie miteinander?

Ich studiere noch immer an der Hamburger Musikhochschule und mache ein Aufbaustudium. Dort bekomme ich auch Unterricht bei ihm. Für mich ist es sehr wichtig, mit ihm zu arbeiten. Er gibt mir eine Richtung und zeigt mir, wie ich ein neues Stück einstudieren muss. Wie unterhalten uns aber auch über viele Sachen außerhalb von Musik.

Russland ist in diesem Jahr Länderschwerpunkt beim SHMF. Viele Zuhörer schwören bei russischen Werken nur auf russische Orchester und Interpreten. Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, die „Sprache“ des Komponisten zu sprechen?

Sicherlich gibt es Ausnahmen, aber ich glaube, ich verstehe einen Schostakowitsch oder Rachmaninow viel besser als jemand, der kein Landsmann ist.

Am 23. August wird Ihnen der Leonard Bernstein Award verliehen. Was bedeutet Ihnen der Preis?

Es ist eine große Ehre für mich, besonders weil ich in Norddeutschland lebe und schon viel über diesen Preis und seine Preisträger gehört habe. Es war eine große Überraschung für mich, für den Award vorgeschlagen zu sein, und ich freue mich total.

Auf dem Programm des Preisträgerkonzerts steht das Klavierkonzert Nr. 2 c-Moll op. 18 von Rachmaninow. Welche Beziehung haben Sie zu dem Werk?

Als ich klein war, habe ich dieses Werk geliebt. Auch mein Vater hat das Konzert schon gespielt und ich spiele nach seinen Noten. Außerdem ist es ein Stück Heimat für mich.

Mit dem 2. Klavierkonzert, am 27. Oktober 1901 von Rachmaninow selbst am Klavier in Moskau uraufgeführt, landete der Komponist einen weltweiten Erfolg. Ich wünsche Ihnen auf Ihrem weiteren Karriereweg denselben Erfolg wie ihm.


23. August, 20 Uhr: Kieler Schloss
Preisträgerkonzert Leonard Bernstein Award

24. August, 15 Uhr: Airbusgelände Hamburg-Finkenwerder
„Flying Symphony“


Preisträgerkonzert des Leonard Bernstein Award

Termin: Samstag, 23.08.2008

http://www.shmf.de
http://www.sudbrackmusik.de
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