Kultur
Lifestyle
Touristik
Medien
Referenzen
Archiv
Die Königin der Blockflöte zu Gast in Heide



Blockflöte und Tango – geht das zusammen? Das biedere Hausmusikinstrument und der verruchte argentinische Tanz? Ja, das passt! Zumindest dann, wenn Michala Petri zum immer noch belächelten Instrument greift. Die dänische Blockflötenvirtuosin hat sich im Laufe ihrer Karriere mit den unterschiedlichsten Genres befasst und damit das Instrument in ein ganz neues Licht gestellt. Im Jubiläumsjahr des Festivals kommt die „Königin der Blockflöte“ nach zehnjähriger Abstinenz erstmals wieder zum SHMF. DER KULTURONKEL hat mit der Musikerin gesprochen.

Frau Petri, mit drei Jahren haben Sie begonnen, Blockflöte zu spielen und als Fünfjährige hatten Sie Ihren ersten Auftritt im Dänischen Rundfunk. Wie ist es dazu gekommen?

Ich erinnere mich kaum an diese Zeit und es war natürlich kein richtiges Radiokonzert, sondern ein Kinderprogramm, bei dem ich aufgetreten bin. Ich habe damals auf der Blockflöte ein dänisches Volkslied gespielt. Die Erinnerung daran ist zwar verblasst, aber ich sehe noch das Studio und das große Mikrofon vor mir.

Das scheint so einen bleibenden Eindruck bei Ihnen hinterlassen zu haben, dass Sie mit elf Jahren bereits an der Musikschule Hannover aufgenommen wurden und mit 17 eine fertige Ausbildung in der Tasche hatten. Was fasziniert Sie an der Blockflöte?

Als ich klein war, haben meine Eltern immer gedacht, es wäre nicht möglich, mit der Blockflöte Karriere zu machen. Man musste schon ein richtiges Instrument spielen wie die Querflöte. Das habe ich auch einige Jahre gemacht. Damals war die Blockflöte noch nicht anerkannt als Konzertinstrument. Mit 16 hatte ich dann schon soviele Auftritte, dass ich meinen Eltern gesagt habe: ich möchte nur noch Blockflöte spielen. Für die Faszination der Blockflöte habe ich verschiedene Theorien. Eine ist, dass ich sehr früh angefangen habe mit dem Instrument und es daher sehr vertraut für mich ist; ich kann mich sehr frei darauf ausdrücken. Eine andere Theorie ist, dass es ein sehr natürliches Instrument ist. Man bläst direkt in die Flöte und der Atem wird vom Zwerchfell gesteuert. Man ist immer in Kontakt mit dem Instrument wie ich es bei keinem anderen kenne.Ich habe ja Querflöte gespielt und auch Klarinette und Oboe. Aber das war mir immer zuviel Mechanik.

Sie haben gerade erzählt, dass die Blockflöte lange Zeit nicht ernst genommen wurde. Frustriert es Sie, dass die Blockflöte nicht den gleichen Stellenwert hat wie andere Instrumente?

Das ist heute ganz anders. Ich gehöre ja nicht zur ersten Generation, die die Blockflöte als Konzertinstrument etabliert hat. Vor mir gab es mindestens zwei Generationen, die Pionierarbeit geleistet haben. Daher bin ich nicht frustriert, zumal ich natürlich an Orten auftrete, wo das Instrument geschätzt wird. Was mich allerdings frustriert, ist, dass viele Schüler nicht wissen, wie schön die Flöte klingen kann. Ich hoffe, das durch meine Arbeit ändern zu können.

Ihr Hauptinteresse gilt der zeitgenössischen Musik. Was reizt Sie daran?

Ich habe während meiner sechsjährigen Ausbildung an der Musikhochschule überwiegend Barockmusik gespielt. Daher habe ich es als Befreiung empfunden, als Komponisten auf mich zukamen, um Stücke für mich zu schreiben. Ich habe mich dadurch herausgefordert gefühlt, mich auf der Blockflöte weiter zu entwickeln. Durch die vielen zeitgenössischen Kompositionen habe ich auch viele neue Techniken entdeckt und ausprobieren können. Aber ich möchte nicht ausschließlich moderne Musik spielen, sondern mir gefällt die Bandbreite meines Instruments.

Wieviele Instrumente besitzen Sie?

Ich glaube, ich habe über 100 Blockflöten in vielen verschiedenen Größen und Modellen. Darunter sind viele Prototypen, die ich von Instrumentenbauern bekomme, um sie auszuprobieren und zu verbessern. So ist in den letzten zehn Jahren eine neue Blockflöte entwickelt worden, die einen viel größeren Ton und Umfang hat als die Barockflöte sowie einen etwas anderen Klang, der viel besser mit modernen Instrumenten zusammenpasst.

Zum SHMF kommen Sie mit dem Programm „Flötenlegenden“. Worauf darf das Publikum sich freuen?

Auf eine Reise quer durch die Jahrhunderte, in denen die Blockflöte ihre große Zeit hatte. In der ersten Hälfte wird es Barockmusik geben mit vier großen und bekannten Werken von Telemann, Vivaldi und Bach. In der zweiten Hälfte gehe ich etwas weiter und zeige, was im 19. Jahrhundert auf der Blockflöte möglich war – zum Beispiel argentinischer Tango von Astor Piazolla . Insgesamt ist es ein abwechslungsreiches Programm, das gut aufeinander abgestimmt ist.
Flötenlegenden
Location:
St.-Jürgen-Kirche
Heide

Telefon: 0431-570 470

Termin: Samstag, 31.07.2010

http://www.shmf.de
diesen Beitrag downloaden
Museum
Der Mann, der die Welt erleuchtete
Emil Noldes "Land am Meer"
Die SS Cimbria - eine deutsche Titantic
Gegen Diktatur
"Karl Valentin. Filmpionier und Medienhandwerker"
Geschichtenbilder
Neues Flaggschiff für die Westküste
Bühne
Die Oper zum Klimawandel
"Der fliegende Holsteiner"
„Ich bin der willenlose Sklave meiner eigenen Neugier“
Ausgelassenes Treiben bei den Schlossfestspielen Schleswig
Zerrissen zwischen zwei Welten
Macht und Moral
Wiederentdeckung eines Stiefkindes der Opernliteratur
Neue Spielzeit am Schleswig-Holsteinischen Landestheater
Neue Konzertsaison am Schleswig-Holsteinischen Landestheater
Fliege deinen Traum
Eine Odyssee
UTE LEMPER MIT NEUEM ALBUM AUF TOURNEE
Hauke Haien reitet wieder
Kultfilm als Bühnenversion
Keine verrostetet alte Dame
Im Hamsterrad der Bürgerlichkeit
Les Misérables am Theater Lübeck
„Die norddeutsche Fassung des 'Paten'“
„Ninotschka“lässt es an der Förde swingen
Public Viewing mit Bio
Literatur
Starke Frauen in scheinbar ausweglosen Situationen
Hellmuth Karasek liest Wilhelm Busch
„Wo kann ich am besten eine Leiche verschwinden lassen“
Ein Schuss, ein Schrei - das Meiste von Karl May
Träume vom verlorenen Paradies
 
   
  ImpressumKontakt