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„Barock ist fetzig und revolutionär“



Barock ist sein Thema, nicht die latente Steifheit des Protestantischen, sondern das Lustvolle und Unterhaltsame, das diese musikalische Ära zu bieten hat. „Air – A Baroque Journey“ nennt der Stargeiger Daniel Hope sein aktuelles Programm mit künstlerischen Höhepunkten von Händel über Telemann bis Pachelbel und Falconieri. Am 2. März ist er damit in der Hamburger Laeiszhalle zu Gast. DER KULTURONKEL sprach mit dem Weltklasse-Violinisten.

In Ihrem neuen Programm entführen Sie das Publikum auf eine Entdeckungsreise ins Barockzeitalter. Warum ausgerechnet diese Epoche?

Die Musik fasziniert mich seit über einem Jahrzehnt und überrascht mich bis heute. Ich bin aufgewachsen mit alten Aufnahmen von Barockmusik aus den 60/70er Jahren, die sehr langsam, romantisch und kathedralisch sind. Irgendwann hörte ich eine Aufnahme von Nikolaus Harnoncourt und habe die Musik kaum wiedererkannt. Da habe ich gemerkt, dass es da draußen noch eine andere Welt gibt, die nicht mit Plüsch zu tun hat. Barock ist richtig fetzig und revolutionär. Je mehr ich über die Zeit gelesen habe desto mehr Komponisten sind mir in die Hände gefallen. Ich bin quasi selbst auf eine Reise gegangen und habe versucht, die Musik zu rekonstruieren.

Das Programm beinhaltet ein gemischtes Repertoire wie das „Air“ von Bach und die „Sarabande“ von Händel, aber auch Miniaturen zumeist unbekannter Komponisten.Wer waren diese Männer?

Andrea Falconieri, Nicola Matteis, Johann Paul von Westhoff und Francesco Geminiani würde man heute vielleicht als Spielmann bezeichnen, da sie damals mit ihrer Geige durch die Lande gezogen sind und unterschiedliche Einflüsse aufgenommen haben. Sie haben die Musik als tägliches Brot gesehen , als Gelderwerb. Sie wurden nicht angehimmelt wie später Mozart und Beethoven, sondern sie sahen sich als Dienstleister für König und Adel, vor allem mit ihrer Tanzmusik. Es war eine Zeit der Bewegung. Diese Musik hat Vielfalt, Esprit, Vitalität, und vieles wurde durchaus auf den Effekt zugeschrieben. Man wollte gefallen, wollte wieder beauftragt werden. Der fast vergessene Westhoff etwa mag kein genialer Komponist gewesen sein, aber ein großer Violinvirtuose. Er perfektionierte Techniken für die gerade erst erfundene Geige, etwa das bariolage, bei dem der Bogen über alle vier Saiten streicht, und faszinierte damit Komponisten wie Antonio Vivaldi. Ohne diese von Hof zu Hof reisenden Unterhaltungskomponisten und Gebrauchsmusikanten gäbe es keine Thomaskantoren, keine Messias-Chöre.

Sie sind nicht nur als Musiker immer für Überraschungen gut, sondern sind im letzten Jahr mit Ihrem Konzertknigge „Wann darf ich klatschen?“ auch als Buchautor hervorgetreten. Wie ist es dazu gekommen?

Mit meinem ersten Buch „Familienstücke“ war ich auf Lesereise und bei den anschließenden Fragerunden tauchten immer wieder Fragen rund um den Konzertbetrieb auf. Beispielsweise warum man zwischen den Sätzen einer Sinfonie nicht klatschen darf, was man in ein klassisches Konzert anzieht und was der Geiger macht, wenn ihm eine Saite reißt. Auf viele Fragen konnte ich spontan keine Antwort geben, daher habe ich sie gesammelt und wollte mit einem Blick hinter die Kulissen des Klassikalltags den Menschen die Angst nehmen vor den vielen Regeln, die irgendwann von irgendwem geschaffen wurden, um sich vom Volk abzugrenzen.

„Air – A Baroque Journey“
Location:
Laeiszhalle Hamburg

Telefon: (040) 34 69 20

Termin: Dienstag, 02.03.2010

http://www.danielhope.de
http://www.elbphilharmonie.de/laeiszhalle.de
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