Kultur
Lifestyle
Touristik
Medien
Referenzen
Archiv
Geistliche Momente


>>> weitere Bilder ansehen >>>
Seit 2002 gibt die Chorakademie des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) jungen Sängerinnen und Sängern die Gelegenheit mit erfahrenen Chorleitern, Dirigenten und Sängern zusammen zu arbeiten. In diesem Jahr formt SHMF Intendant Rolf Beck den Klang des Chores in der ersten Arbeitsphase. Unter dem Titel „Geistliche Momente“ stehen das „Stabat mater“ von Karol Szymanowski und Schuberts Messe Es-Dur auf dem Probenplan. DER KULTURONKEL spracht mit dem CHorleiter.


Herr Beck, die Chorakademie hat am Donnerstag begonnen mit 50 Sängerinnen und Sänger aus neun Nationen aus ganz Europa. Wie macht sich der Jahrgang 2007?

Der diesjährige Jahrgang ist sehr, sehr gut. Er ist, wenn ich das so sagen darf, noch besser als der letztjährige – so sieht es zumindest nach wenigen Tagen bereits aus. Wir haben sehr intensiv und schnell gearbeitet. Nach nur einem Tag war das Programm einmal durchgesungen. Am Sonntagmorgen war die Schlussprobe für den Chor und seit Montag arbeiten wir mit dem Orchester und den Solisten. Denn am Mittwoch haben wir ja schon das erste Konzert in Ingolstadt.

Sie leiten erneut die erste Probenphase, haben also die Kernerarbeit. Lieben Sie diese besondere Herausforderung oder hat das organisatorische Gründe?

Ich glaube, es ist die Verpflichtung des künstlerischen Leiters, dass er den nachfolgenden Kollegen einen vorbereiteten Chor übergibt, der wenigstens schon ein wenig zusammengewachsen ist. Einen Chor, der weiß, was Chorklang bedeutet und der sich Piano und Forte schon mal ersungen hat.

Sie haben sich kein besonders leichtes Programm ausgesucht. Karol Szymanowski gilt allein wegen der Zischlaute und der Unzahl an Konsonanten als harte Nuss. Schuberts Es-Dur-Messe stellt sowohl an die Instrumentalisten als auch an die Sänger höchste Anforderungen. Was reizt Sie an dieses Zusammenstellung?

Zunächst sind wir in der glücklichen Lage, dass wir beim Szymanowski von unseren polnischen Sängern einen hervorragenden Sprachunterricht erhalten haben. Das funktioniert hervorragend.
Außerdem haben beide Werke vieles gemeinsam. Die Es-Dur-Messe von Schubert ist ja sein letztes Werk, in einer Zeit komponiert, zu der er wusste, dass er an Syphilis sterben wird; einer Krankheit, die sich langsam durch den Körper frisst. Er hat das Werk selbst gar nicht mehr hören können, da die Komposition er nach seinem Tod aufgeführt wurde.
Das Stabat Mater von Szymanowski ist ein sehr kontemplatives Stück voller Stimmungen und gefühlsbetonter Marienverehrung. Beide Stücke zusammen bilden quasi eine Einheit. Wenn man's könnte, sollte man zuerst den Szymanowski, dann den Schubert und dann nochmal den Szymanowski aufführen. Erstens, weil er in Deutschland so wenig bekannt ist und zweitens, weil er die Stimmung in dem Schubert noch einmal verstärken würde. Die Idee, beide Werke zu koppeln, hatte ich schon lange. Einzeln habe ich jedes Stück schon aufgeführt, aber als Einheit noch nicht. Und ich freue mich sehr auf das Programm.


Wie kommt diese Kombination beim Chor an?

Sehr gut. Der Schubert hat ja fast nur Chorstücke, da sind die Soli relativ selten, während der Szymanowski doch sehr viele solistische Passagen hat.

Beide Komponisten gingen ja sehr unterschiedlich mit der Religion in ihren Werken um. Während sich Schubert nicht an kirchliche Äußerlichkeiten und Dogmen gebunden fühlte und seine Messe an vielen Stellen einen diesseitig-kämpferischen Charakter aufweist, orientiert sich Szymanowski durch seine mystisch-esoterische Komposition stark an der Marienfrömmigkeit seiner Landleute. Gretchenfrage an Sie: Wie halten Sie es mit der Religion?

Ich komme ja von der Kirchenmusik und bin bekennender Protestant. Bereits als Schüler war ich Organist und meine Annäherung an die Musik erfolgte auf diesem Wege. Heute würde ich mich als gläubigen Menschen bezeichnen, der allerdings nicht so oft praktiziert, aber der sich Zeit seines Lebens mit geistlicher Musik auseinandergesetzt hat. Das ist eine Sache, die man wohl auch nie beendet. Gerade bei Schubert sieht man immer wieder neue Aspekte in dieser Auseinandersetzung eines verzweifelten Menschen mit der Religion. Und wie Schubert mit den einzelnen Themen umgeht, ist sehr aufreibend und aufwühlend. Das ist auch für mich immer wieder eine neue Erkenntnis, an der man sich weiterentwickelt. Denn Stillstand möchte ich nicht.

Zum ersten Mal hat die Chorakademie in Travemünde ein festes Zuhause gefunden. Wie wichtig ist es für die Probenarbeit?

Die Ostsee-Akademie in Travemünde eignet sich sehr gut. Der Saal, in dem wir proben, ist groß genug und hat eine gute Akustik. Sogar die Orchester-Chor-Proben können hier stattfinden. Man hat auch die nötige Ruhe. Vor allem die Lage ist gut. Bei schönem Wetter kann man in der Freizeit an die Ostsee gehen. Und wenn's nicht so schön ist, kann man sich in den Zug setzen und ist in 30 Minuten in Lübeck. Beim Chor ist das sehr gut angekommen. Aber wegen der Förderung durch die Possehl Stiftung ist es auch eine der Voraussetzungen für die finanzielle Unterstützung.
Mit den Meisterkursen in Lübeck und der Chorakademie in Travemünde haben wir wirklich ein pädagogischen Zentrum geschaffen, das jetzt ein gleichbedeutendes Pendant zur Orchesterakademie in Salzau darstellt.


Sie betonen immer wieder den hohen Stellenwert der pädagogischen Standbeine Meisterkurs, Orchesterakademie, Chorakademie für das Festival. Wie sieht die Zukunft in diesem Bereich aus?

Wir wollen die einzelnen Bereiche zukünftig noch stärker nach außen tragen. Chor- und Orchesterakademie sollen den Namen Schleswig-Holstein und des Festivals noch mehr im In- und Ausland verkünden und dafür werben. Sofern das finanziell machbar ist, werden wir daher in der Zukunft die Tourneetätigkeit beider Ensembles verstärken. Aber schon in diesem Jahr haben wir sehr konkrete Pläne: der Chor wird als Schleswig-Holstein Festivalchor über Silvester nach Shanghai gehen, um dort unter meiner Leitung mit dem Shanghai Symphony Orchestra vier Konzerte zu geben. Das SHMO geht ja bereits während des Festivals nach Brasilien und macht im nächsten Jahr eine Europa-Tournee, die dann mit den Weißen Nächten in St. Petersburg endet.

Vorher wird aber noch weiter geprobt. Wie geht es für den Chor nach den Konzerten mit Ihnen in Rendsburg und Lübeck weiter und worauf freuen sich die Sänger am meisten?

Für den Chor ist es am Wichtigsten, dass es Abwechslung gibt. Nach diesem sehr speziellen Programm kommt ein A Cappella Programm mit dem britischen Dirigenten Edward Caswell, bei dem ein großes Werk von Zoltán Kodály im Mittelpunkt steht. Dann gibt es ein sehr ungewöhnliches Programm für die KZ Gedenkstätte Neuengamme bei Hamburg unter dem Titel „Lamento“. Das große Highlight wird sicher der Improvisationskurs von Bobby Mc Ferrin. Und am Ende steht „Die Schöpfung“ von Haydn. Leider musste Thomas Hengelbrock wegen eines Unfalls absagen, dafür haben wir aber mit Christopher Hogwood einen sehr prominenten Ersatz gefunden. Insgesamt haben wir also eine sehr unterschiedliche vierwöchige Arbeitsphase. Was den jungen Leuten daran am meisten Spaß macht, ist, dass sie jede Woche etwas ganz anderes angeboten bekommen und dadurch die Sache auch nicht langweilig wird.
Location:
Christkurche
Prinzenstraße 13
Rendsburg

Termin: Freitag, 03.08.2007

http://www.shmf.de
diesen Beitrag downloaden
Museum
Der Mann, der die Welt erleuchtete
Emil Noldes "Land am Meer"
Die SS Cimbria - eine deutsche Titantic
Gegen Diktatur
"Karl Valentin. Filmpionier und Medienhandwerker"
Geschichtenbilder
Neues Flaggschiff für die Westküste
Bühne
Die Oper zum Klimawandel
"Der fliegende Holsteiner"
„Ich bin der willenlose Sklave meiner eigenen Neugier“
Ausgelassenes Treiben bei den Schlossfestspielen Schleswig
Zerrissen zwischen zwei Welten
Macht und Moral
Wiederentdeckung eines Stiefkindes der Opernliteratur
Neue Spielzeit am Schleswig-Holsteinischen Landestheater
Neue Konzertsaison am Schleswig-Holsteinischen Landestheater
Fliege deinen Traum
Eine Odyssee
UTE LEMPER MIT NEUEM ALBUM AUF TOURNEE
Hauke Haien reitet wieder
Kultfilm als Bühnenversion
Keine verrostetet alte Dame
Im Hamsterrad der Bürgerlichkeit
Les Misérables am Theater Lübeck
„Die norddeutsche Fassung des 'Paten'“
„Ninotschka“lässt es an der Förde swingen
Public Viewing mit Bio
Literatur
Starke Frauen in scheinbar ausweglosen Situationen
Hellmuth Karasek liest Wilhelm Busch
„Wo kann ich am besten eine Leiche verschwinden lassen“
Ein Schuss, ein Schrei - das Meiste von Karl May
Träume vom verlorenen Paradies
 
   
  ImpressumKontakt