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Atemberaubende Vokaltechnik - Swingle Singers in Symphony



In den Sechzigern waren sie eine Sensation: eine junge Gruppe von Jazzvokalisten aus Paris, die Musik von Johann Sebastian Bach mit Silben des sogenannten Scat-Gesanges präsentierten. Ihre erste Platte („Bach’s Greatest Hits“) wurde auf Anhieb ein Erfolg und mit zwei Grammys belohnt. Seitdem kennt die ganze Welt die leichte, schnelle und präzise Intonation und Stimmführung der Swingle Singers, die neben ihren Bach-Arrangement und anderen klassischen Ausflügen auch noch Jazzsongs zu bieten haben. Die Besetzung des Stimmoktetts hat im Laufe der Zeit zwar gewechselt, doch geblieben sind die atemberaubende Vokaltechnik und die makellose Homogenität, mit denen die acht jungen Gesangsakrobaten genauso beeindrucken wie mit ihrem Charme und ihrer Bühnenpräsenz. Am Sonntag, den 29. März, ist das Ensemble im Rahmen des dritten „Con Spirito“-Sonderkonzerts live im Kieler Schloss zu erleben und werden mit dem Philharmonischen Orchester Kiel einen Ohrenschmaus der besonderen Art bieten. DER KULTURONKEL sprach mit dem künstlerischen Leiter des Ensembles, Tobias Hug.

Wie ist das Ensemble entstanden und wie hat es sich weiterentwickelt?

Gegründet wurde das Ensemble 1961 in Paris von Ward Swingle zusammen mit anderen Studiosängern, die gelangweilt waren vom Einerlei des Background-Gesangs bei Bühnenstars wie Edith Piaf und Charles Aznavour. Zusammen entstand die Idee, Instrumentalstücke wie „Das wohltemperierte Klavier“ a cappella zu präsentieren und mit Silben des sogenannten Scat-Gesanges zu unterlegen. Der Versuch gelang und zusammen mit Philipps wurde die Platte „Bach\\\'s Greatest Hits“ produziert, die die Top 10 stürmte und zwei Grammys gewann. Zehn Jahre lang arbeitete die Gruppe in Frankreich mit der Bearbeitung weiterer Komponisten wie Mozart und Telemann, bevor Ward Swingle 1973 in London eine englische Nachfolgergruppe gründete. Das Repertoire wurde um Pop und Jazz erweitert sowie um zeitgenössische Musik. Die Besetzung hat anschließend immer wieder gewechselt und heute sind wir ein sehr junges Ensemble mit einer eigenen Auffassung, das Repertoire zu interpretieren. Die Grundidee und der Stil haben sich aber nicht geändert und daher ist der Klang der Gruppe noch immer unser Markenzeichen.

Die Swingle Singers haben im Laufe der Jahre bereits auf vielen Bühnen in aller Welt gesungen. Was war Ihr persönliches Highlight?

Im letzten September waren wir in La Scala, wo wir auch direkt vor unserem Konzert in Kiel wieder auftreten werden. Das ist für jeden Musiker ein ganz besonderes Erlebnis, da die Bühne so geschichtsträchtig ist und die Akustik sowie die Atmosphäre einzigartig sind. Gern erinnere ich mich auch an unseren ersten Auftritt vor drei Jahren in Russland. Dort sind wir zwar sehr bekannt, aber Jazz war dort verboten. Das heisst, die Menschen haben die Platten nur auf dem Schwarzmarkt direkt vom Lastwagen bekommen können. Unser Auftritt hatte also ein große Bedeutung für die Leute und es gab einen unglaublichen Empfang.

Neben Klassik und Jazz umfasst Ihr Repertoire auch Folksongs aus aller Welt, Piazolla-Tangos und Gregorianik. Gibt es etwas, was Sie gern noch singen würden?

Wir mischen und interpretieren ja gern Musik mit unterschiedlichen Stilmitteln. Daher sind die Möglichkeiten unbegrenzt. Die Voraussetzung ist lediglich, dass es gutgeschriebene Musik ist. Es gibt noch viele Komponisten und Musiker, mit denen wir zusammenarbeiten möchten. Wir haben gerade ein neues Album mit Singer-Songwriter-Material aufgenommen, die im Sommer herauskommt. Björk, Sting und Nick Drake haben Material dazu beigesteuert und damit betreten wir schon Neuland.

Die Gruppe ist bekannt für ihren harmonische Gesang. Geht es hinter den Kulissen auch immer so harmonisch zu wie auf der Bühne?

Wir verbringen zirka sechs Monate zusammen auf Tournee; da gibt es natürlich nicht immer eitel Sonnenschein. Aber wir verstehen uns sehr gut und haben sehr großen Respekt voreinander als Person und Musiker. Dann darf man auch mal eine Auseinandersetzung haben.

Anders als ihre berühmten Kollegen, die „King\\\'s Singers“, treten Sie nicht ausschließlich a capella auf, sondern arbeiten auch mit anderen Musikern und Orchestern zusammen. Was lieben Sie an dieser Herausforderung?

Für jeden Musiker ist es spannend, mit jemand anderem aufzutreten, da durch diese Begegnungen immer etwas Neues herauskommt. Die Swingle Singers eignen sich besonders dafür, weil wir uns als Instrument sehen. Wir sind ein universelles Instrument, das man sowohl als eine Sektion in einem Orchester einsetzen kann als auch als Background für eine Jazz-Sängerin. Daher arbeiten wir gern und viel mit anderen Künstlern zusammen, die inspiriert zu sein scheinen vom Klang der Swingle Singers und von der Idee, dass wir eine komplette Band oder ein Sinfonieorchester ersetzen.

Am Sonntag treten Sie zusammen mit dem Philharmonischen Orchester Kiel auf. Was erwartet das Publikum?

Wie ein roter Faden wird sich Filmmusik durch den Abend ziehen. Mit dabei ist ein wunderbares Arrangement von „Over the Rainbow“. Außerdem eine Disney Fantasie mit einigen der besten Kino- und Musicalhits. Natürlich gibt es weitere Schmankerl zusammen mit dem Orchester, die ich noch nicht verraten möchte. In unserem A Cappella Repertoire präsentieren wir einige Stücke unserer neuen CD „Ferris Wheels“ und aus dem Programm „Beauty and the Beatbox“.
3. Extrakonzert CON SPIRITO - The Swingle Singers in Symphony
Location:
Kieler Schloss
24113 Kiel

Telefon: (0431) 901 901

Termin: Sonntag, 29.03.2009

http://www.theater-kiel.de
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