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Auf den musikalischen Spuren von Johannes Brahms


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Unter dem Motto „Ich denke nur Musik“ veranstaltet die Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein mit Sitz in Heide vom 7. Mai bis 28. Juni die 12. Brahms-Wochen. Die fünf Veranstaltungen stehen in diesem Jahr ganz im Zeichen des 175. Geburtstages des Komponisten, der in der St. Jürgen Kirche in Heide mit Werken begangen wird, die zum Pfingstfest 1896 auf Schloss Hagerhof von Johannes Brahms und kammermusikalischen Freunden musiziert wurden. Darunter die seinerzeit durch den Komponisten selbst uraufgeführten „Vier ernsten Gesänge“. Für die Aufführung konnte Ulrich Schütte gewonnen werden. Andreas Guballa sprach mit dem Bassbariton.

Was ist das Besondere an dem Auftaktkonzert der diesjährigen Brahms-Wochen?

Das Besondere daran ist, dass es sich um ein „Historisches Konzert“ handelt, in dem genau die Werke gespielt werden, die Johannes Brahms zu Pfingsten 1896 auf Schloß Hagerhof mit Freunden musiziert hat.

Wie sah das Programm aus?

Das Programm sah so aus, dass sich Kammermusikfreunde – die besten Deutschlands – damals auf Schloß Hagerhof trafen. Eigentlich war das musikalische Treffen ohne Brahms vorgesehen. Doch zwei Tage vorher hatte die plötzliche Beerdigung Clara Schumanns stattgefunden, zu der Brahms extra aus Wien angereist war. Daher wurde Brahms kurzerhand zu dem Konzert eingeladen und auch gebeten mitzuspielen. So wurde das Treffen zu einer improvisierten musikalischen Gedenkfeier für die gemeinsame Freundin. Während des Musizierens wurde Brahms dann gefragt, ob er nicht etwas Neues komponiert hätte. Und da zog er seine „Vier ernsten Gesänge“ aus der Tasche, seinen letzten Liederzyklus, bevor er ein Jahr später selber starb.

Nun wird immer gerätselt, ob er die „Vier ernsten Gesänge“ als Requiem für seine gute Freundin Clara Schumann komponiert hat oder aus seiner eigenen Todesahnung heraus. Was sagen Sie als Fachmann dazu?

Ich denke, dass es dabei mehr um seine Mutter ging, denn zum Zeitpunkt der Fertigstellung lebte Clara Schumann ja noch. Auf jeden Fall hat er sich mit der Komposition selbst ein Geburtstagsgeschenk gemacht. Der Rest ist Spekulation. Aber man weiß sehr genau, was damals auf Schloß Hagerhof passiert ist, denn es gibt ein kleines Büchlein von Gustav Ophüls, der diese Pfingsttage genau dokumentiert hat. Daher ist bekannt, dass Brahms seine Komposition selbst mit brüchiger Stimme zuerst nur vor der Herren vorgetragen hat und man sagt, dass ihm bei dem dritten Lied „Oh Tod“ die Tränen in den weißen Bart flossen. Am zweiten Tag hat er das Werk dann nochmal vor allen Freunden, auch den Damen, aufgeführt.
Man mutmaßt heute außerdem, dass die „Vier ernsten Gesänge“ als Grundstock für eine Sinfonie mit Gesang dienten, die er schreiben wollte, wie es dann Gustav Mahler gemacht hat.


Sie haben 1996 zum ersten Mal auf Schloß Hagerhof ein Jubiläumskonzert organisiert. Wie war die Resonanz?

Das war wie ein Glücksfund. Ich wohne quasi gegenüber von Schloß Hagerhof und habe damals angeboten bekommen, das Jubiläumsprogramm zu organisieren. Als bereits gestandener Sänger habe ich natürlich schon oft die „Vier ernsten Gesänge“ aufgeführt und es ist für einen Bassbariton eine große Herausforderung. Aber in diesem historischen Ambiente ist das schon etwas ganz Besonderes. Man weiß genau, wo Brahms gewandelt ist und dass er in dem historischen, wunderbar klingenden Gartensaal mit 80 Plätzen gespielt hat. Publikum und Presse waren davon so begeistert, dass es in der Folge seitdem jedes Jahr auf Schloß Hagerhof ein Pfingstkonzert gibt.

Damals waren die besten deutschen Kammermusiker dort versammelt. Wen bringen Sie am 7. Mai mit in die St. Jürgen Kirche nach Heide?

Ich konnte für dieses Projekt exquisite junge Künstler gewinnen, die allesamt Preisträger des Deutschen Musikrates oder anderer Wettbewerbe sind und inzwischen erfolgreich als Solisten arbeiten. Mit dabei sind Lucja Madjar, Yun-Jin Cho und Albena Danailova (Violine), Nils Mönkeyer (Viola) und Julian Arp (Violoncello) sowie mein langjähriger Freund und Liedbegleiter Caspar Frantz am Klavier. Außer den „Vier ernsten Gesängen“ werden wir Brahms' „Klavier-Quintett f-Moll op. 34“ und Schumanns „Klavier-Quintett Es-Dur op. 44“ zu Gehör bringen.

Karten ab 7 Euro (erm. 5 Euro) bei Reisebüro Biehl, Tel. 0481 69531
Location:
St. Jürgen Kirche
25746 Heide

Termin: Mittwoch, 07.05.2008

http://www.brahms-sh.de
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