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"Dream A Little Dream"



Helen Schneider hat schon viel gemacht, in Deutschland wurde sie vor allem wegen ihrer Rocksongs in den Achtzigern ("Rock'n'Roll Gypsy") und ihrer Musical-Erfolge in den Neunzigern ("Sunset Boulevard", "Evita") gefeiert. Zuletzt trat die gebürtige New Yorkerin mit dem Programm "A Voice And A Piano" auf, das auch vergleichsweise schwierige Stücke von Weill und Brecht enthielt, und präsentierte im letzten Jahr ihr Pop-Album „Like A Woman“ mit Interpretationen bekannter Balladen von Dylan bis Cohen. Mit 55 widmet sich die „Europäerin aus New York“ den Schätzen des „Great American Songbook“.
„Dream A Little Dream“ (VÖ: 31. Oktober) verführt den Zuhörer zu einer nächtlich-amourösen Songreise, entführt in eine wohlbekannte, aber taufrische Traumwelt. Die Sängerin – mal Unschuldslamm, öfter Femme Fatale – schwelgt in Cole Porters eindeutigen Doppeldeutigkeiten, in Kurt Weills hintergründigen Sehnsüchten und in allerhand Sinnlichkeit und Sentimentalität, die auch schon Ella Fitzgerald, den Platters oder den Mamas & Papas gut zur Stimme standen. Kein geringerer als Till Brönner zeichnet, zusammen mit seinem langjährigen musikalischen Gefährten, Christian von Kaphengst, für die Produktion verantwortlich. Andreas Guballa hat die Künstlerin getroffen.

Ihr letztes Album „Like A Woman“ war schon sehr autobiografisch. Mit dem jetzigen Projekt öffnen Sie eine neue Schublade Ihres Lebens. Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe schon oft Ausflüge in den Jazz unternommen, ohne jedoch eine Jazz-Sängerin zu sein. Diese Lieder sind heutzutage "American Classics" und haben natürlich viel mit Jazz zu tun. Aber ursprünglich waren sie die Popmusik meiner Mutter; dadurch sind sie autobiografisch für mich. Die CD ist wie eine psychologische Reise. Das Vorgängeralbum hat die Anfänge meiner Karriere beleuchtet und jetzt geht die Reise noch weiter zurück bis zu den Anfängen meines Musikverständnisses.

Wie sind Sie bei der Songauswahl vorgegangen?

Die ursprüngliche Liste stammt aus meinem Repertoire. Davon ausgehend kamen Ideen dazu von den Produzenten Till Brönner und Christian von Kaphengst sowie von Freunden von mir. Aber die besten Lieder findet man sowieso zufällig. Eine Eigenschaft mussten alle Lieder mitbringen: uns mussten sie alle drei überzeugen.

Wie ist es zur Zusammenarbeit mit Till Brönner gekommen?

Till und ich sind uns bei einem Benefizkonzert begegnet und wir sind beide begeistert von der Arbeit des anderen. Da lag es nahe, etwas zusammen zu produzieren.

Das Album klingt so als würden Sie sich an jeden Song heranschmiegen. Wie sind Sie bei der Interpretation vorgegangen?

Ich bin an einem Punkt in meinem Leben als Künstlerin angelangt, an dem mich Reduzierung stark interessiert: im Lebensstil, in der Musik, im Gesang, in der Kleidung. Ich hatte große Lust, diese Intimität herzustellen. Ich wollte eine persönliche Interpretation finden, so ehrlich wie möglich.


Das Album wirkt sowohl modern, ist aber auch voller Nostalgie. Wie haben Sie diesen Spagat geschafft?

Es war eine sehr dünne Linie zwischen Unaufdringlichkeit und Intimität. Ich hoffe, es ist mir gelungen, diese Reinheit zu finden.

Haben Sie nicht das Bedürfnis, eigene Songs zu schreiben und komponieren?

Diese Frage bekomme ich auch oft von Plattenfirmen gestellen. Aber ich habe einmal eine CD geschrieben, empfinde mich jedoch nicht als besonders begabte Komponistin. Mit fehlt das innere Feuer dafür. Deshalb konzentriere ich mich aufs Singen und Interpretieren. Es macht mir viel mehr Spaß mich auszudrücken durch die Worte genialer Menschen, die für uns alle sprechen. Die haben ihre Kunst so verfeinert, dass ich es gar nicht verstehe, warum ich Lieder weniger begabter Komponisten wie mich singen sollte. Deshalb habe ich beschlossen, Sängerin zu bleiben.

Sie haben Ihre Heimat Amerika der Politik wegen verlassen, leben jetzt in Berlin, bezeichnen sich aber nicht als Amerikanerin in Berlin, sondern als Europäerin aus New York.

Ich hatte große Lust nach Europa zu kommen, wo meine Karriere begonnen hat. Mit den Jahren ist eine große Liebe in mir gewachsen für die europäische Kultur. Und da gibt es momentan keine andere Stadt für mich als Berlin.

Haben Sie Barack Obama gesehen bei seinem Besuch in Berlin?

Leider haben wir das nicht geschafft, weil uns die Menschenmassen abgeschreckt haben. Ich habe seinen Besuch aber am Fernseher verfolgt, da ich ein großer Obama-Fan bin. Ich hoffe sehr, dass er es schafft, neuer Präsident zu werden. So einen Politiker wie ihn gibt es nur alle zwei Generationen einmal. Ich finde ihn genial. Er hat Würde, Charisma, Intelligenz und ein Super-Verständnis für die Menschen und vor allen Dingen: Er kann zuhören. Ich hoffe, der Rest Amerikas sieht es auch so.

Wären Sie dann wieder stolz darauf, eine Amerikanerin zu sein?

Ich finde nicht, dass es zurzeit viele Dinge gibt, auf die man in Amerika stolz sein könnte.

Vermissen Sie New York gar nicht?

Nein, überhaupt nicht. Für Touristen ist die Stadt super; aber dort zu leben, kann ich mir nicht mehr vorstellen. Berlin hat alles, was ich brauche. Es ist großstädtisch, multi-kulturell, aber auch sehr grün.

Zurück zu Ihrem Album „Dream a Little Dream”. Hat eine Künstlerin wie Sie, die bereits soviel im Leben erreicht hat, noch Träume?

Wenn alles so weitergehen würde wie jetzt, wäre ich zufrieden. Ich hatte viel Glück in meinem Leben und kann meine Miete mit dem bezahlen, was ich liebe. Was will man mehr?! Ich werde meinen künstlerischen Weg weitergehen, will aber offen bleiben für neue Projekte.


„Dream A Little Dream“ ist erschienen bei edel records/edelkultur

http://www.helenschneider.com
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