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Ein neuer Akzent in der deutschen Jazzszene



Moderner Jazz in Dithmarschen? Acht jazzbegeisterte Westküstler waren im Dezember 2002 von dieser Idee fasziniert. Also gründeten sie einen Verein. Ihr gemeinsames Ziel: modernen Jazz in Dithmarschen auf die Bühne zu bringen in einem Rahmen, der möglichst viele Sinne anspricht. Dazu werden für jedes Konzert speziell auf die Musik abgestimmte Örtlichkeiten ausgesucht. Hierbei sind sowohl Scheunen als auch Gewächshäuser, Künstlerateliers und leer stehende Geschäftsräume vor dem Verein nicht sicher. Die Konzerte werden möglichst mit einer anderen Kunstform kombiert wie beispielsweise einer Foto- oder Bilderausstellung oder einer Lesung. Bei der Auswahl der überregionalen Jazzmusiker legt der Verein sein Hauptaugenmerk auf das Engagement von sogenannten „Newcomern“.
Mit unkonventionellem Jazz, mal filigran, mal ein wenig schräg und dann wieder mit vollem Spaß an mitreißender Improvisation startet die Jazzinitiative an diesem Wochenende das erste Konzert im Jahr 2008 und präsentiert das Pär Lammers Trio am Sonntag, den 30. April im ehemaligen Möbelhaus Rommel in der Zingelstr. 16 in Meldorf. Das Pär Lammers Trio gilt als neuer Hoffnungsschimmer am deutschen Jazzhimmel, nicht zuletzt weil seine Songs ebenso den entdeckungsfreudigen Jazz-Fan wie den Pop erfahrener Klassikhörer oder einen Rock-Fan, der mehr als Top 40 hört, ansprechen. Mit der aktuellen CD im Gepäck und mit frischem, lebensbejahenden Jazz legt das Trio auf seiner Europatournee einen Zwischenstopp in Dithmarschen ein. DER KULTURONKEL sprach mit dem Vollblut-Jazzer und Pianisten Pär Lammers.

Du hast einen spannenden Lebenslauf: geboren 1982 in Hamburg-Eppendorf, Studium in Amsterdam, gerade erreiche ich dich in New York. Wie bist du zur Musik und zum Jazz gekommen?

Ich habe mit vier Jahren ganz konventionell auf Initiative meiner Eltern musikalische Früherziehung bekommen und mich dann im Alter von zehn Jahren durch meinen Jazzlehrer für das Genre interessiert. Eigentlich wollte ich Schlagzeug lernen, weil ich es in der Pubertät klasse fand mit dem Lärm anderen Leuten auf die Nerven zu gehen.

Du hast nach dem Abitur in Amsterdam Jazz studiert? Hätte es diese Möglichkeit nicht in Deutschland gegeben?

Doch. Ich hätte auch in Hamburg studieren können, aber ich hatte das Gefühl, es ist Zeit für einen Tapetenwechsel. Obwohl ich Hamburg sehr mag, war das Studium die beste Gelegenheit, mal was anderes zu probieren. Und Amsterdam ist einfach ein Ort, an dem musikalisch mehr passiert.

Dort hast du auch deine Mitstreiter kennengelernt: Marcel Krömker am Bass und Benni Wellenbeck an den Drums. Wie seid ihr zusammengekommen?

Wir haben uns schon am zweiten oder dritten Tag in der Mensa zufällig getroffen und gesagt: „Lass' uns mal spielen!“. Dann haben wir einen Probenraum gesucht und es hat sofort gefunkt. Von da an war klar, wir müssen das beibehalten. Das war vor vier Jahren. Seitdem spielen wir zusammen, haben Aufnahmen gemacht und sind zusammen getourt.

Du hast früh angefangen, selbst Musik zu schreiben. Allerdings bist du eigentlich eher mit Pop- und Rockmusik groß geworden. Hat dich das beeinflusst?

Ich denke schon. Gerade in der Pubertät hat Musik ja einen großen Einfluss und ich würde mich schon als Kind der MTV Generation bezeichnen. Musik war immer um mich herum, aber Rock und Pop hatte einen viel größeren Einfluss auf mich. Ich weiß nicht einmal, ob ich meine Musik Jazz nennen würde. Im Grunde erzähle ich mit meiner Musik Geschichten in kompakter Form.

Euer Trio mit Piano, Bass und Schlagzeug ist eine ganz konventionelle Besetzung im Jazz. Wie würdest du euren Musikstil beschreiben?

Unsere Musik ist schon etwas Besonderes. Vor allem in der deutschen Musiklandschaft ein neuer Akzent. Allein die Kompositionen und die Orientierung zum Song hin, ist etwas, was ich zumindest in Deutschland sehr vermisse. Mich interessiert die Kompaktheit von Songs egal aus welchem Genre. Daher lasse ich mich auch von unterschiedlichen Genres inspirieren, sowohl von der Klassik, freier Improvisation, Popmusik oder vom modernen Jazz.

In Meldorf präsentiert ihr am Sonntag euer zweites bei Traumton Records erschienenes Album „Hinten rechts, der Regen“. Was erwartet das Publikum?

Wir sind unserem songorientiertem Stil treu geblieben, aber haben auch neue Einflüsse aus frei improvisierter Musik reingebracht. Unsere Stücke beginnen oft mit einfachen Motiven und entfalten dann große Energie. Dabei nutzen wir das ganze Spektrum der Stilmittel aus.

Für wen ist eure Musik geeignet?

Wir haben eigentlich viele Zielgruppen. Auf der einen Seite sind es Menschen, die sich für modernen Jazz interessieren à la Brad Mehldau oder Esbjörn Svensson – ohne sich mit denen vergleichen zu wollen. Auf der anderen Seite mögen unsere Musik auch Menschen, die mit Jazz zunächst nichts anfangen können. Das liegt wohl daran, dass die Inspiration für unsere Songs aus Musikrichtungen kommt, die einer breiteren Masse zugänglich sind.
Zingel 16
25704 Meldorf

Telefon: 04832-60 00 832

Termin: Sonntag, 30.03.2008

http://www.jazzcoast-di.de
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