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Virtuoses Tastenspiel beendet diesjährige Brahmswochen



Kevin Kenner zog 1990 zum ersten Mal die Aufmerksamkeit der Musikwelt auf sich, als er in Warschau den wohl renommiertesten Klavierwettbewerb: den Internationalen Chopin-Wettbewerb gewann - in Nachfolge von berühmten Pianisten wie Maurizio Pollini, Martha Argerich und Krystian Zimerman. Mit seinen herausragenden Qualitäten hat er seitdem weltweit das Konzertpublikum beeindruckt, in London, Paris und Rom ebenso wie in New York und Tokio.
Zusammen mit Anastasia Belan, geboren in Weissrussland, Ana Takidze aus Georgien und Felix Raffel aus Heide wird der Kalifornier zum Abschluss der diesjährigen Brahmswochen die Klaviernacht im Ballhaus Erheiterung in Meldorf bestreiten, die in der Domstadt zum ersten Mal zu Gast ist. DER KULTURONKEL sprach mit dem Pianisten.

Wann war klar, dass Sie mit dem Klavierspielen Ihren Lebensunterhalt bestreiten möchten?

Kurioserweise bekam ich mit sieben Jahren die Hausaufgabe „Was möchtest du werden, wenn du erwachsen bist?“ Und damals habe ich geantwortet: „Pianist, weil er lustig ist und man soviele verschiedene Noten spielen kann.“

Stammen Sie aus einer musikalischen Familie?

Eigentlich nicht. Mein Vater war Ingenieur und meine Mutter hatte zwar als Mädchen Klavierunterricht, aber spiele nicht mehr, als ich aufwuchs. Aber sie hatte ein Gespür dafür, dass es für Kinder wichtig ist, musikalische Erfahrungen zu machen. Und da wir ein Klavier im Haus hatten, fing ich mit fünf Jahren an, darauf zu experimentieren.

Wie war es, als Sie Ihr erstes eigens Klavier bekamen?

Um ehrlich zu sein, besaß ich kein eigenes Klavier bis zum Sieg beim Chopin-Wettbewerb in Warschau 1990. Bis dahin spielte ich lediglich auf dem Klavier meiner Eltern oder meiner Schwester. Aber es war immer mein Traum, einen Steinway zu besitzen. Und mit dem Preisgeld konnte ich mir diesen Traum erfüllen. Das war ein großartiges Gefühl.

Bei dem erwähnten Wettbewerb wurden Sie einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.
Was bedeutet(e) dieser wichtige Preis für Sie?

Ich glaube nicht, dass ein Wettbewerb etwas über die Qualität eines Künstlers aussagt. Zu viele Umstände spielen dabei eine Rolle. Aber natürlich verdanke ich dem Wettbewerb viel. Der Preis hat mir ermöglicht, seitdem in vielen Teilen der Welt spielen zu dürfen, in die ich sonst nie gekommen wäre.

Ist Chopin Ihr Lieblingskomponist?

Ich habe viele Favoriten, die alle unterschiedliche Saiten in mir zum Klingen bringen. Aber zu Chopin habe ich seit frühester Kindheit eine besondere Beziehung. Seine Kompositionen sind sehr farbenfroh und haben ein gewisse Balance, die ich sehr mag und die gut zu meinem Charakter passt.

Bei den Brahmswochen stehen neben Chopin auch Beethoven und Brahms auf dem Programm. Wie ist es zu der Auswahl gekommen?

Die zwei Fantasien aus Brahms' Spätwerk opus 116 sind natürlich eine Verneigung vor dem Genius Loci des Abends. Und war er ein Verehrer von Beethoven. Zu Chopin hatte er zwar keine direkte Beziehung, aber ich habe zwei seiner eher politischen und dramatischen Kompositionen ausgewählt, die gut ins Gesamtprogramm passen.

Wann haben Sie die Musik von Brahms zum ersten Mal kennen gelernt?

Mit 13 Jahren, als ich das Klavierkonzert B-Dur mit Arthur Rubinstein in meiner Heimatstadt San Diego besucht habe. Ich erinnere mich, dass ich zwar während des Konzerts eingeschlafen bin, aber am Ende war ich wieder hellwach und habe gespürt, unerfahren wie ich als Teenager war, dass in dem Konzert etwas Großartiges und Nobles passiert war. Anschließend habe ich dann mit einigen Kompositionen von Brahms, wie den drei Intermezzi Op. 117, herumexperimentiert.

Was bedeutet das Werk von Johannes Brahms für Sie?

Es ist sehr schwierig zu beschreiben, was ein Komponist beim jemandem auslöst, weil die Beziehung jenseits von Worten liegt. Aber ich fühle eine gewisse spirituelle Tiefe in Brahms' Kompositionen, die mich in meinem Innersten trifft.
Brahmswochen - Klaviernacht
Location:
Ballhaus Erheiterung
Meldorf

Telefon: 0481 69531

Termin: Samstag, 28.06.2008

http://www.brahms-sh.de
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