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Ein Gespräch mit Rolf Seelmann-Eggebert



Seit den frühen Achtzigerjahren ist Rolf Seelmann-Eggebert in den Schlössern dieser Welt zu Hause. Vor seiner Karriere als Adelsreporter arbeitete er acht Jahre als ARD-Korrespondent in Afrika und war Fernseh-Programmdirektor beim NDR. Seit einem Jahr ist der 67-jährige Journalist im Ruhestand. Ruhig verläuft sein Leben deswegen lange noch nicht. So arbeitet er jetzt für die TV-Produktionsfirma seines Sohnes und berichtet weiter über europäische Blaublüter.
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Guballa: Herr Seelmann-Eggebert, auf der mdr-homepage steht über Sie: „In seiner Freizeit fasziniert den virtuosen Geigenspieler die klassische Musik.“ Was fasziniert Sie an der klassischen Musik?

Seelmann-Eggebert (lacht): Was mich zunächst mal fasziniert, ist die Formulierung des „virtuosen Geigers“. Wenn derjenige, der das geschrieben hat, bloß wüsste.... Ich habe zwar mit 10 Jahren angefangen Geige zu spielen, was eigentlich viel zu spät ist, und habe es fast die ganze Zeit durchgehalten mit Ausnahme der Zeiten, in denen ich als Afrika-Korrespondent unterwegs war. Daher waren acht Jahre meines Lebens ohne ein eigenes Geige-Spielen; vorher und nachher habe ich es bis auf den heutigen Tag fortgesetzt. Thema klassische Musik: Das ist etwas, womit ich aufgewachsen bin. Das ist für mich etwas, wo ich sage, das klingt nach heiler Welt, das ist heile Welt. Dieses so schön wie möglich heute zu reproduzieren, was große Meister geschrieben haben, ist etwas, was mir große Freude macht; heute würde man sagen: ein Hobby.

Guballa: Sie sagten, Sie sind musikalisch aufgewachsen. Wie wichtig ist für Sie musikalische Frühförderung?

S.-E.: Das scheint mir sehr wichtig zu sein, da ich den Eindruck habe, zu der Zeit, als ich jung war, war so etwas selbstverständlich; auch, dass junge Leute in Konzertsäle gehen. Das ist heute nicht mehr der Fall und man muss sich Gedanken machen, Kulturorchester wegzurationalisieren, weil kein Geld mehr da ist. In unseren eigenen Kulturprogrammen erleben wir kaum noch ein klassisches Konzert. Auch die Kanäle, die für klassische Musik zuständig sind, schaffen es ja kaum mehr, geschlossene Sinfonien zu senden. Es ist also schwierig, insbesondere junge Leute zu gewinnen und insofern sehr wichtig, junge Leute, die bereit sind zu spielen und viel Energie einzusetzen, zu fördern.

Guballa: Sie waren gerade wieder als Kommentator der „Last Night of the Proms“ zu sehen. Woher stammt die große Begeisterung der Briten für die klassische Musik und wäre so eine Euphorie auch in Deutschland vorstellbar?

S.-E.: Ich denke, dass Engländer und Deutsche, was die klassische Musik angeht, gut vergleichbar sind. Die Deutschen sind insofern verwöhnt, als dass wir mit unserer höfischen Vergangenheit und den vielen kleinen Fürstenhäusern, die sich alle ihre eigenen Orchester gehalten hatten, über mehr Klangkörper verfügen als die Briten. Was speziell die „Last Night“ angeht, muss man sagen, dass sie eine Musikform ist, die wir in Deutschland nicht so kennen. Ihr gehen ja in England viele Promenadenkonzerte voraus. Das führt dann zu dieser gewissen Stimmung eines Abschlusspunktes der Promenadensaison. Und da feiert man gemeinsam; das können die Engländer sie besonders gut. Wir versuchen das in Deutschland dann immer etwas nachzumachen. Aber wir haben dann zwar eine „Last Night of the Proms“, aber die Promenadenkonzerte vorher fehlen meistens..
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