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Der große "Kleine-Leute-Darsteller" des deutschen Kinos



Er ist der große "Kleine-Leute-Darsteller" des deutschen Kinos: Axel Prahl, 1960 geboren in Eutin.
Nach einem abgebrochenen Studium in Musik und Mathematik absolviert Prahl ein Schauspielstudium in Kiel. Es folgen Engagements am Schleswig-Holsteinischen Landestheater und am Grips- und Deutschen Theater. Bis ihn 1998 Regisseur Andreas Dresen für eine Nebenrolle in „Nachtgestalten“ entdeckt. Sein kurzer Auftritt als Polizist ist dabei so überzeugend, dass Prahl immer wieder in Ermittlerrollen zu sehen ist. Für seine erste Fernsehhauptrolle in Andreas Dresens "Die Polizistin" gewinnt er 2001 den Adolf Grimme Preis in Gold. Erneut unter Dresen spielt Prahl in dem internationalen Überraschungserfolg „Halbe Treppe“, der bei der Berlinale 2002 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wird. Seit 2002 ist er als Münsteraner Tatort-Kommissar Frank Thiel an der Seite von Jan Josef Liefers zu sehen. Zur Zeit dreht Axel Prahl in Dithmarschen unter der Regie von Lars Jessen („Der Tag als Bobby Ewing starb“) die Landkomödie „Buddies“. Als perspektivloser Kulturpessimist macht er dem Lebensmittelinspektor Fuchs (Peter Jordan) das Leben zur Hölle. Der Film kommt nächstes Jahr in die Kinos. DER KULTURONKEL sprach mit dem Schauspieler.

Man sagt von Ihnen, Sie hätten ein Gespür für gute Rollen. Was hat Sie an diesem Stoff gereizt?

Mich hat vor allem die Rolle des Tilman gereizt. Einen solchen Misantropen darzustellen und ihn in gewisser Weise noch sympathisch zu färben, ist eine Gratwanderung, die für einen Schauspieler durchaus eine Herausforderung darstellt. Daher hat mich das Projekt sehr interessiert.

Im Verstellen sind Sie ja ganz groß. Als Tatort-Kommissar Thiel müssen Sie muffelig und wortkarg sein. Aber eigentlich sind Sie ein fröhlicher Mensch, oder?

(lacht) Ein Lachen zur richtigen Zeit, ist etwas Wunderbares.

Sie sind aufgewachsen in Neustadt/Holstein, leben aber seit 1992 in Berlin. Von 1982-1985 haben Sie an der Schauspielschule Kiel Ihre Ausbildung gemacht, waren anschließend einige Jahre am Schleswig-Holsteinischen Landestheater engagiert. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Zeit im nördlichsten Bundesland?

Durchgängig positive. Insbesondere meine Kinder- und Jugendzeit war für mich großartig. Wir haben in Neustadt zwar in einem 50er Jahre-Block gewohnt, aber relativ nah am Wasser, nur fünf Minuten von der Ostsee. Ich hatte eine regelrechte Tom Sawyer und Huckleberry Finn Kindheit. Wir sind morgens um 9 Uhr mit Bratpfanne und Eiern losgezogen, haben Lagerfeuer gemacht und unser Frühstück gebraten. Zwischendurch waren wir schwimmen und sind eigentlich erst abends reingerufen worden. Das war traumhaft.

Da erstaunt es umso mehr, dass „Buddies“ Ihre erste Produktion in Schleswig-Holstein ist. Was bedeutet es für Sie, in Ihrer Heimat zu drehen?

Komischerweise ist es mir bisher nicht gelungen, einen Film hier oben zu drehen, obwohl ich mich mehrfach, beispielsweise auch damals bei Detlev Buck beworben hatte. Das hat sich aber leider nie ergeben. Für mich ist es toll, nach all den Jahren wieder zu kommen und zu schauen, was sich verändert hat.

Was zeichnet das Filmland Schleswig-Holstein Ihrer Meinung nach aus?

Hier gibt es noch viele Ecken, die es zu entdecken gilt und die bisher in der Filmlandschaft keine Rolle spielten. Ich bin ohnehin der Meinung, dass sich die besten Geschichten in kleinen Ortschaften abspielen.

Wir sprachen es gerade schon an: Sie kommen vom Theater, sind bekannt geworden durch Filme von Andreas Dresen wie „Halbe Treppe“, aber auch als Tatort Kommissar Frank Thiel. Im Sommer ist der Film „Du bist nicht allein“ gestartet, für den Sie den Titelsong gesungen haben und haben beim letzten Musikvideo von „Wir sind Helden“ mitgewirkt. Wie wichtig ist Ihnen diese Vielfalt?

Genau das macht natürlich den Reiz meines Berufes aus; ständig an anderen Orten zu sein, mit anderen Menschen zusammen zu arbeiten, sich Räume zu erschließen, die nicht jedem offen stehen. Außerdem kann ich eine Filmsequenz lang Charaktereigenschaften ausleben, für die man normalerweise verhaftet werden würde. Ich kam beispielsweise mal in den Genuss, in einer Wohnsiedlung morgens um 3 Uhr mit einer Eisenstange einen alten Opel Admiral zu zerlegen. Das ist schon ein sehr außergewöhnliches Gefühl.

Kommt da manchmal noch der Huckleberry Finn Ihrer Kindheit durch?

Ein Stück weit ist Abenteuerlust und Dinge zu entdecken mit meinem Beruf natürlich auch verbunden. Aber vor allem ist es, eine Geschichte zu erzählen.

Können Sie sagen, was Sie lieber mögen: Theater, Kino oder Fernsehen?

Das kann man nicht miteinander vergleichen, deswegen fällt es mir schwer, das zu entscheiden. Ich finde Theaterarbeit unabdingbar für unseren Beruf, weil er uns die Möglichkeit gibt, Charaktere auch in der Tiefe auszuloten, wofür man häufig beim Film keine Zeit hat.


INFO:

Das NDR Fernsehen zeigt heute Abend (20. Januar) um 20.15 Uhr den Tatort „Der dunkle Fleck“ aus dem Jahr 2002 mit Axel Prahl in seinem Debut als Kommissar Frank Thiel.
Hauptkommissar Frank Thiel kommt vom Hamburger Kiez und hat sich aus familiären Gründen zur Kripo Münster versetzen lassen. Noch bevor er seine Wohnung, ganz zufällig im Haus des Rechtsmediziners Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers), beziehen kann, hat er gleich zwei Fälle am Hals. Die Studentin Jennifer Müller sucht ihre Mutter, die möglicherweise ermordet wurde. Fast gleichzeitig wird im Hochmoor die Leiche eines weiblichen Teenagers gefunden, die dort über 20 Jahre konserviert war. Die Ermittlungen des Kommissars Thiel und des Forensikers Boerne der Uni Münster ergeben, dass beide Fälle auf tragische Weise miteinander verwoben sind.

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