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Zurück zu den Wurzeln



Der Schleswig-Holsteinische Regisseur Lars Jessen dreht seinen zweiten Kinofilm - wieder in seiner Heimat

Das Filmemachen prägt ihn seit seiner Schulzeit. Bereits in der Video AG der Meldorfer Gelehrtenschule war der heute 38jährige Lars Jessen aktiv und erlernte das Handwerk von der Pieke auf. Nach der Schule studierte er zunächst Geschichte, Politik und Philosophie auf Magister in Köln. 1997 schloss er den Zusatzstudiengang „Film/Fernsehen“ an der Kölner Kunsthochschule für Medien mit seinem Dokumentarfilm „Lübke - Eine Suche nach dem Bundespräsidenten Heinrich Lübke“ ab. Es folgte ein Regievolontariat bei der „Lindenstraße“. Seit 1998 ist Lars Jessen als Regisseur tätig und hat unter anderem Serien für das ZDF und RTL sowie über 15 Folgen des „Großstadtreviers“ (ARD) inszeniert. Einem größeren Publikum wurde der geborene Kieler bekannt durch sein Kinodebüt „Der Tag als Bobby Ewan starb“, für den er 2005 mit dem renommierten Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet wurde. Darin verarbeitet er seine Kindheit und Jugend im Schleswig-Holstein der 80er Jahre. Nun kehrt der Filmemacher mit seinem neuen Streifen „Buddies“ künstlerisch wieder in seine alte Heimat zurück. Diesmal geht es um den Dithmarscher Lebensmittelprüfer Fuchs (Peter Jordan), der dem Bruder seines Chefs, einem zutiefst depressiven Kulturpessimisten (gespielt von Axel Prahl), zu neuem Lebensmut verhelfen soll. In der Hoffnung, über diesen vermeintlich kleinen Gefallen, endlich die lang ersehnte Beförderung nach Hamburg forcieren zu können, nimmt sich Fuchs des Problems an. Auf einer kulinarischen Tour-de-Force durch Imbissbuden und Gaststätten kommen sich die beiden ungleichen Buddies wider Willen immer näher. DER KULTURONKEL sprach mit dem dreifachen Familienvater.

Wie stark hat Sie Ihre Heimat Schleswig-Holstein beim Filmemachen geprägt?

Ich bin Gründungsmitglied der Video-AG der Meldorfer Gelehrtenschule und das hat meinen Lebensweg sehr geprägt, sonst würde ich heute hier nicht als Regisseur stehen. Ich bin auf diese Wurzeln sehr stolz und umso mehr mit einem richtigen Film wieder hier zu sein.

Welche Auswirkungen hat das auf Ihren Film?

Filme machen ist ja immer eine sehr persönliche Sache. Wenn man Drehbücher schreibt und sich überlegt, was könnte man am Besten erzählen, ist es meiner Meinung wichtig, sich auf sich selbst zu besinnen und die Geschichten aus sich selbst herauszuholen. Ganz viele Sachen, wie man etwas erzählt, sind davon abhängig, wo man dreht und wo man sich besonders gut auskennt. Obwohl ich seit 20 Jahren hier nicht mehr direkt leben, kenne ich mich doch noch ganz gut aus. Deshalb erzähle ich es hier.

Was ist der Reiz, ausgerechnet im winterlichen Dithmarschen einen Film zu drehen?

Zunächst ist Dithmarschen kein klassisches Filmland und es gibt viele unentdeckte Ecken, die noch nicht 1000 Mal abgelichtet sind. Gerade im Winter findet man hier eine Landschaft und Menschen, die unklischiert sind. Natürlich gibt es hier das Meer und die Marsch und den Sonnenuntergang. Aber Dithmarschen ist im besten Sinne unaufgeräumt. Es ist nicht alles so super ordentlich und spießig und pingelig. Man schert sich nicht so sehr darum, wenn irgendwo etwas herumsteht. Das finden wir Filmemacher natürlich spannend, weil das Bilder sind, die einen kleinen Bruch haben. Da wird es interessant und geht weg vom Stereotyp. Deswegen ist Dithmarschen für uns so geeignet.

Wie kommt man an Hauptdarsteller wie Axel Prahl und Peter Jordan?

Man konfrontiert sie mit einem guten Stoff, der vielleicht ein bisschen anders ist als der, den sie sonst so bekommen. Keine Konfektionsware. Und Stoffe, in denen sie sich selbst einbringen können. Sowohl Axel Prahl als auch Peter Jordan sind es von ihrer Arbeit am Theater gewohnt, ihre Rolle auch stark selbst zu entwickeln. Beide wurden auch im Vorfeld schon ins Drehbuch eingebunden. Das ist für Schauspieler ein Vertrauensangebot, auf das sie richtig scharf sind.

Wo wird gedreht?

Wir drehen an vielen Punkten in Dithmarschen. Beispielsweise kommen wir nicht über die Autobahn nach Dithmarschen, sondern setzen mit der Fähre in Hohenhörn über. Wir werden aber auch an der Erdölraffinerie in Hemmingstedt vorbei fahren, denn wir wollen kein naives Abziehbild zeigen, sondern Dithmarschen wie es ist, mit all seinen Brüchen.

INFO

Gefördert wird die „Fast-Food-Komödie“ von der Filmförderung Hamburg/Schleswig-Holstein mit 90.000 Euro sowie vom NDR mit 200.000 Euro. Das Bundesministerium für Kultur steuert weitere 100 000 Euro bei. Durch den Einsatz moderner Digitalkameratechnik, einem kleinen Team und dem Verzicht der Beteiligten auf hohe Gagen rechnet die Produktionsfirma Neue Mira Filmproduktion mit einem Budget von 654.000 Euro, dreimal weniger als für vergleichbare Projekte. Premiere soll bereits in einem Jahr gefeiert werden – natürlich in Dithmarschen.
Regie: Lars Jessen
Titel: Buddies
mit Axel Prahl, Peter Jordan
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