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Fast-Food-Komödie aus Dithmarschen



Filmreife Szenen spielen sich in Zeiten der Kreisgebietsreform momentan zwar auch öfter in der Kreisverwaltung Dithmarschen ab, aber noch nie war das Kreishaus in Heide Kulisse für einen Spielfilm. Das wird sich jetzt ändern. Am Montag stellten Regisseur Lars Jessen und seine Hauptdarsteller Axel Prahl und Peter Jordan ihr aktuelles Kinoprojekt „Buddies“ vor, das überwiegend im Westküstenkreis angesiedelt ist. Auch die Büros des Verwaltungsgebäudes stehen auf dem Drehplan. In der Geschichte geht es um den Dithmarscher Lebensmittelprüfer Fuchs (Peter Jordan), der dem Bruder seines Chefs, einem zutiefst depressiven Kulturpessimisten (gespielt von Axel Prahl), zu neuem Lebensmut verhelfen soll. In der Hoffnung, über diesen vermeintlich kleinen Gefallen, endlich die lang ersehnte Beförderung nach Hamburg forcieren zu können, nimmt sich Fuchs des Problems an. Auf einer kulinarischen Tour-de-Force durch Imbissbuden und Gaststätten kommen sich die beiden ungleichen Buddies wider Willen immer näher.
Für Regisseur Lars Jessen, der auch am Drehbuch mitschrieb, ist die Produktion ein Wiedersehen mit seiner Heimat aus Schultagen. „Ich bin Gründungsmitglied der Video-AG der Meldorfer Gelehrtenschule und das hat mich in meinem Lebensweg sehr geprägt, sonst würde ich heute hier nicht als Regisseur stehen“ erinnert sich der 38jährige. „Auf diese Wurzeln bin ich sehr stolz und umso mehr mit einem richtigen Film wieder hier zu sein.“ Nach Filmstudium in Köln und zahlreichen Fernsehproduktionen, u.a. den TV-Serien „Großstadtrevier“, „Soko Wismar“ und „Der Dicke“, erhielt Jessen im Jahr 2005 für sein Kinodebüt „Am Tag als Bobby Ewing starb“ den renommierten Max-Ophüls-Preis. Auf dem letztjährigen Berlinale-Empfang der Filmförderanstalt Schleswig-Holstein lernte Jessen den Schauspieler Axel Prahl kennen und beide waren sich sofort sympathisch.
Für den gebürtigen Schleswig-Holsteiner Prahl (47) ist der Dreh in Norddeutschland der erste Spielfilm in seiner Heimat. „Komischerweise ist es mir bisher nicht gelungen, einen Film hier oben zu drehen, obwohl ich mich mehrfach, beispielsweise auch bei Detlev Buck, beworben hatte. Das hat sich aber leider nie ergeben“ erzählt Prahl, der seit 1992 in Berlin wohnt. Nach Schauspielausbildung in Kiel und Engagement am Schleswig-Holsteinischen Landestheater wurde er 1998 von Andreas Dresen für den Film entdeckt. „Für mich ist es toll, nach all den Jahren wieder zu kommen und zu schauen, was sich verändert hat.“
Die ersten Szenen sind bereits im Kasten. In den nächsten 24 Tagen geht es kreuz und quer von Brunsbüttel bis Büsum. „Wir drehen an vielen Punkten in Dithmarschen. Beispielsweise kommen wir nicht über die Autobahn, sondern setzen mit der Fähre in Hohenhörn über den Nord-Ostsee-Kanal“ verrät Regisseur Lars Jessen. „Wir werden aber auch an der Erdölraffinerie in Hemmingstedt vorbei fahren, denn wir wollen kein naives Abziehbild zeigen, sondern Dithmarschen wie es ist, mit all seinen Brüchen.“
Für den Hamburger Theaterschauspieler Peter Jordan, der zur Zeit am Thalia Theater in „Der Schimmelreiter“ bereits einen norddeutschen Charakter verkörpert, ist der Lebensmittelinspektor Fuchs die erste Kinohauptrolle. Der gebürtige Ruhrpottler kennt die Westküste und ihre Bewohner aus seiner Jugend. „Die Menschen hier reden nie zu viel. Das kenne ich auch von zuhause“ verrät der 40jährige. „ Das schätze ich sehr. Warum soll man was sagen, wenn es keinen Grund dafür gibt?“ schmunzelt er.
Gefördert wird die „Fast-Food-Komödie“ von der vor kurzem fusionierten Filmförderanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein mit 90.000 Euro sowie vom NDR mit 200.000 Euro. Durch den Einsatz moderner Digitalkameratechnik und dem Verzicht der Beteiligten auf hohe Gagen rechnet die Produktionsfirma Neue Mira Filmproduktion mit einem Budget von 654.000 Euro, dreimal weniger als für vergleichbare Projekte. Premiere soll bereits in einem Jahr gefeiert werden – natürlich in Dithmarschen.
Regie: Lars Jessen
Titel: Buddies
mit Axel Prahl, Peter Jordan
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