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Ausgelassenes Treiben bei den Schlossfestspielen Schleswig


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„Der Diener zweier Herren“ ist der Klassiker unter den Komödien von Carlo Goldoni. Stilistisch zwischen klassischer Commedia dell’arte und molièrescher Charakterkomödie angesiedelt, verblüfft das Stück mit überbordender Komik, haarsträubenden Situationen und brillantem Sprachwitz und ist damit wie geschaffen für einen vergnüglichen Theaterabend unter freiem Sommerhimmel. Im Rahmen der Schlossfestspiele Schleswig zeigt das Schleswig-Holsteinische Landestheater das Schauspiel als Wiederaufnahme im Schlosshof des Landesmuseums Gottorf. Unser Mitarbeiter DER KULTURONKEL sprach mit Regisseurin Christine Hofer.

Wie schaffen Sie es, aus dem Schlosshof im norddeutschen Schleswig eine Venezianische Piazza zu zaubern?

Indem wir uns auf die Tradition der Commedia dell\'arte besonnen haben, in der Schauspieler mit einem Handwagen auf den Marktplatz gezogen sind und in einer sehr körperlichen Spielweise volksnahes Theater erzählten. Wir haben versucht, diese Tradition ins Heute zu übersetzen: bei uns kommen die Schauspieler nicht mit einem Leiterwagen, sondern sie kommen mit einem alten Bus angefahren. Aber letztendlich bringen sie alle Requisiten mit und alles, was sie zum Spielen brauchen, lassen sie auf der Bühne entstehen.

Auf dem Programm steht \"Der Diener zweier Herren\", ein Stück, das gern und häufig auf der Bühne zu sehen ist. Was zeichnet das Schauspiel von Goldoni aus?

Es geht wie in den meisten Stücken Goldonis sehr turbulent zu und es gibt ein paar Paradestückchen, die der Autor den Schauspielern auf den Leib geschrieben hat. In diesem Fall dem Truffaldino, dem Diener zweier Herren. Diese Paradestückchen haben wir uns zu Herzen genommen.

Worum geht’s in dem Stück?

Der mittellose, aber gewitzte Diener Truffaldino stellt sich in den Dienst zweier Herren, um sich endlich mal wieder richtig satt essen zu können. Aber leider bleibt ihm nicht die Zeit dazu, denn dauernd wird er, um die Aufträge der beiden Herren zu erfüllen, hin- und hergeschickt. Beatrice, die als Mann verkleidet in Venedig ankommt, sucht mit Hilfe Truffaldinos nach ihrem Geliebten Florindo. Dieser soll ihren Bruder Federico getötet haben und ist nun auf der Flucht. Ausgerechnet Florindo wird der zweite Herr des Dieners und logiert im gleichen Gasthof, wie auch Beatrice. Dadurch, dass sich beide jedoch auf keinen Fall begegnen dürfen, kommt es zu immer größeren Verwicklungen und der Diener kommt ganz schön ins Schwitzen.

Was sind die besonderen Herausforderungen einer Freilichtinszenierung?

Erst einmal, dass man nicht wie in einem Theaterraum alle Mittel wie üblich zur Verfügung hat. Allein lichtmässig ist man darauf angewiesen, was einem die Natur bietet. Man hat das Wetter, das immer mitspielt, man hat die wunderbare Schlosskulisse, die ins Bühnenbild integriert ist. Auch von der Spielweise her muss man körperbetonter sein; und sprachlich ist es eine besondere Herausforderung für die Schauspieler.

Die Musikgruppe „Wallahalla“ spielt in Ihrer Inszenierung eine besondere Rolle....

Bei der Commedia dell\'arte war Musik immer wichtig. „Wallahalla“ gibt praktisch den Rhythmus des Stücks vor, denn sie ist eine Band, die wirklich aus dem Stegreif auf der Straße loslegen könnte. Im Prinzip haben sie so auch begonnen. Dadurch wird ihr Einsatz fast zum Straßengauklerfest.

Warum sollte man sich Ihrer Meinung nach unbedingt einen Theaterabend unter freiem Himmel mit dem \"Diener zweier Herren\" gönnen?

Weil es mit diesem Ensemble ein einmaliges Erlebnis ist mit einer Spielweise, die in einem Haus nicht funktionieren würde in seiner Ausgelassenheit und Lebhaftigkeit. Schauspieler und Zuschauer verbindet ja auch sehr viel – zum Beispiel das Wetter.
Theater:
Schlossfestspiele Schleswig
Schlosshof, Schloss Gottorf

Telefon: 04621/25989

http://www.sh-landestheater.de

Premiere: Donnerstag, 25.06.2009
Folgetermine: Freitag, 26.06.2009, Samstag, 27.06.2009, Sonntag, 28.06.2009

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