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Im Hamsterrad der Bürgerlichkeit


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Yasmina Reza gehört seit der Uraufführung ihres Bühnenstückes „Kunst“ vor 13 Jahren zur meistgespielten zeitgenössischen Dramatikerin weltweit. In ihrem aktuellen Stück „Der Gott des Gemetzels“, das am Freitag Premiere am Theater Kiel feiert, versucht die 1957 in Paris geborene Tochter eines iranischen Ingenieurs und einer ungarischen Geigerin, mit diabolischem Humor und schneidender Rhetorik die Grenzen zwischen Zivilisation und Barbarei zu vermischen. Anlass sind zwei ausgeschlagene Kinderzähne. DER KULTURONKEL sprach mit Regisseur Siegfried Bühr.

Was zeichnet die Stücke von Yasmina Reza Ihrer Meinung nach aus?

Der Erfolg ihrer Stücke liegt vermutlich darin, dass sie scheinbar ganz banale Geschichten erzählt und sie so entwickelt, dass sie erkennbar schnell zu einem umgreifenden Thema werden. Das Ganze hat großen Witz und Unterhaltungswert und kommt auf den ersten Blick leichtfüssig und komisch daher, obwohl es oft sehr dramatisch zugeht in ihren Stücken.

Auch im aktuellen Stück zerbricht das Gerüst bildungsbürgerlicher Normen und Konventionen aus geringem Anlass. Das klingt zunächst typisch deutsch. Die Autorin ist allerdings Französisch mit iranisch-ungarischem Familienhintergrund. Ist das Thema also eher typisch menschlich?

Das glaube ich schon. Das Stück spielt zwar in Paris, aber es wird sehr schnell klar, dass es überall stattfinden könnte. Das, was dort verhandelt wird, kennt eigentlich jeder Zuschauer: Wie aus dem kleinsten Missverständnis heraus ein Streit entsteht, in dem jeder seine Position bewahren will und wie sich daraus wirklich spektakuläre Ereignisse ergeben.

Wie sieht Ihr Regiekonzept aus?

Das Konzept ist eigentlich höchst simpel, da ich die Stücke von Reza als sehr genau, höchst fein und differenziert komponiert empfinde. Dem versuche ich, fast wortwörtlich zu folgen. Man sollte nicht darauf hereinfallen, irgendeine Interpretation darin zu suchen, und muss die Stücke sehr genau lesen, um die Vielfalt zu erkennen. Was Yasmina Reza selber vorschlägt, sind so reiche Szenenanweisungen, die sich aus dem Spiel ergeben, dass ich und die Schauspieler dem mit Wonne folgen.

Zusammen mit Steven Koop sind Sie auch für die Ausstattung zuständig. Ist das eher eine Doppelbelastung oder vereinfacht das die Arbeit?

Ich habe einfach Lust neben der Regie auch meine Hände und die bildnerischen Kräfte, die in mir stecken, zu nutzen. Ich mache das mit Steven Koop zusammen, um ein Gegenüber zu haben, mit dem ich mich auseinander setzen kann. Sonst besteht die Gefahr, dass der Regisseur den Bühnenbildner zu sehr bestimmt oder ein Bühnenbild baut, in dem nur die Inszenierungsinteressen verfolgt werden.

Premiere: 9. November 2007, 20 Uhr
Schauspielhaus Kiel
Karten: 0431-901 901



Siegfried Bühr - Regisseur
Siegfried Bühr wurde 1943 in Hamburg geboren. Nach einer Schauspielausbildung trat er 1964 sein erstes Engagement in Paderborn an. Von 1970-78 war er Intendant der Westfälischen Kammerspiele Paderborn, von 1980-85 Intendant am Tübinger Zimmertheater. Im Anschluss folgten Festengagements an den Bühnen der Stadt Köln und am Thalia Theater. Seit 1991 ist Siegfried Bühr als freier Regisseur, u.a. in Berlin, Bremen, Hamburg, Freiburg, Stuttgart, Karlsruhe, Tübingen und Krefeld tätig.
Am Schauspiel Kiel inszenierte er bereits mit großem Erfolg DIE PHYSIKER von Friedrich Dürrenmatt und SECHZEHN VERLETZTE von Eliam Kraiem. Auch bei diesen beiden Produktionen war er – gemeinsam mit Steven Koop – ebenfalls für die Ausstattung verantwortlich.

Yasmina Reza - Autorin
Yasmina Reza, 1957 in Paris geboren als Tochter eines iranischen Ingenieurs und einer ungarischen Geigerin, studierte Soziologie und Theaterwissenschaft. 1994 hatte sie mit ihrem Stück „Kunst“ einen Welterfolg, und inzwischen ist sie - mit fünf Stücken in zehn Jahren - die meistgespielte Theaterautorin der Gegenwart.
Theater:
Theater Kiel

http://www.theater-kiel.de

Premiere: Freitag, 09.11.2007
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