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„Ich bin der willenlose Sklave meiner eigenen Neugier“



Man kennt ihn als Entertainer, Reisereporter und Showpartner von Harald Schmidt: Herbert Feuerstein. Was kaum jemand weiss: Der heute 72jährige hat in jungen Jahren am Mozarteum in Salzburg Klavier, Cembalo und Komposition studiert. Jetzt kommt der Tausendsassa im Rahmen des SHMF als "Opern(ver)führer" ins Theater Itzehoe. DER KULTURONKEL hat mit Herbert Feuerstein gesprochen.

Am 22. August lernen wir Sie als Reiseführer durch die Welt der Oper kennen. Was erwartet das Publikum?

'Reise durch die Opernwelt' wäre vielleicht etwas hoch gegriffen. Es geht um die deutsche romantische Oper in einer etwas ungewöhnlichen Präsentationsform, nämlich der „Harmoniemusik“. Das ist ein fürchterliches Wort, aber der Fachbegriff für ein altes Stilmittel, als man noch keine Radios und CDs hatte. Damals schrieb man populäre Musikwerke und erfolgreiche Opern möglichst schnell um für kleine Besetzung, meistens Bläser, um sie dann auch im Salon und im Wirtshaus zu präsentieren. Diese Harmoniemusik stellen wir vor, und ich erzähle auf meine Art die Handlung.

Wer Sie kennt, weiss, dass das keine trockene Lehrstunde wird....

Wir nennen das Ganze etwas großspurig „Oper ohne Sänger“. Nicht, dass wir keine Lust auf Sänger hätten; aber es ist quasi der Vorgriff auf unser heutiges Karaoke. Man hat damals einfach die großen Opernhits mitgesungen. Das wollen wir in Itzehoe nun nicht machen. Aber mit der Oper ist es ja eh so ein Sache: entweder wird auf Italienisch gesungen oder durcheinander. So richtig blickt man da meistens gar nicht durch. Durch unsere Präsentation erhalten Besucher, die nicht so zuhause in der Opernwelt sind, eine Einführung in die Handlung. Für Opernkenner besteht die Möglichkeit, diese Arien einmal ganz durchsichtig und filigran zu hören. Das wird sonst gern durch große Sängerpersönlichkeiten überdeckt. Diesmal haben wir die klare, reine Musik.

Sie kommen ja aus der Musik und haben in jungen Jahren am Mozarteum studiert. Hat die Menschheit Glück gehabt, dass Sie kein Profimusiker geworden sind, oder haben wir einen genialen Musiker an Ihnen verloren?

(lacht) Absolut beides. Ich bin eher der Meinung, die Welt hat Glück gehabt. Ich wäre kein guter Musiker geworden - entweder zu besessen oder handwerklich ungenügend. Wenn man mich lässt, delitiere ich immer mal wieder am Klavier, aber im großen Maßstab hätte ich mich nicht durchgesetzt. Der damalige Rektor am Mozarteum, der mir nahegelegt hat, die Hochschule lieber zu verlassen, hat der Menschheit also wahrscheinlich einen großen Dienst erwiesen. Vielleicht wäre ich sonst Musikakademiker geworden oder Intendant der Salzburger Festspiele. Stellen Sie sich vor, was ich da angerichtet hätte.

Sie sind im Juni unglaubliche 72 Jahre geworden! Denken Sie manchmal an den Ruhestand oder haben Sie keine Zeit dafür?

Das ist nicht ganz leicht zu beantworten. Ich bin seit 35 Jahren selbständig, da hat man keinen Job, da führt man ein Leben. Ich erfülle mir das, was mir die Neugier so zuträgt. Daher kann man gar nicht richtig aufhören, wenn man nie angefangen hat zu arbeiten. Von Ruhestand kann also gar keine Rede sein, weil ich nie angefangen habe, unruhig zu sein.

Andere Menschen in Ihrem Alter spielen Golf, züchten Blumen oder bereisen die Welt? Was sind Ihre Hobbys und wobei entspannen Sie?

Wenn man sich einigermaßen das erfüllt, was man möchte, und fürchterlich neugierig ist, läuft einem sowieso die Zeit weg. Ich reise immer noch relativ viel, aber das sind keine großen Abenteurreisen. Dazu bin ich mittlerweile zu bequem geworden. Die Grundlage für alles ist einfach die Neugier. Die hört bei mir nicht auf. Ich bin der willenlose Sklave meiner eigenen Neugier.

Sie können auf eine lange Karriere in unterschiedlichen Metiers zurückblicken. Was betrachten Sie selbst als Ihre größte Leistung?

...das überhaupt erlebt zu haben. Wenn man sich wie ich immer von einer Sache zur nächsten treiben lässt, hat man natürlich den Nachteil, niemals den Nobelpreis zu bekommen. Dafür müsste man immer dasselbe machen. Es hat aber den Vorteil, dass es nie langweilig wird. Ich habe eigentlich alle zehn Jahre meine Richtung gewechselt. Als Lebensleistung würde ich vielleicht die Einführung der amerikanischen Zeitschrift „Mad“ in Deutschland bezeichnen. Das hat mich über zwei Jahrzehnte beschäftigt und ist damals ganz erstaunlich gut gelungen. Ich glaube diese Art von Satire hat auch etwas bewirkt und ohne sie hätte es Sendungen wie „Schmidteinander“ für mich nicht gegeben.

Vermissen Sie die Fernseharbeit und womit müsste man Sie bestechen, um nochmal auf den Bildschirm zurückzukehren?

Bestechen für eine eigene Sendung könnte man mich gar nicht. Ich gehöre zu dieser wirklich unangenehmen Art von Eigenbrödlern, die so gar nicht deligieren können und alles selber machen. Eine eigene Sendung hat für mich immer bedeutet, mich da 110prozentig reinzustürzen. Das würde ich heute physisch und psychisch gar nicht mehr können. Mich reizt das Fernsehen aber auch gar nicht mehr, das Schreiben liegt mir viel näher.

Gibt es weitere Feuerstein-Projekte?

In Berlin bin ich vom 15. bis 25. Oktober im „Jedermann“ in der Rolle des Teufels zu sehen. Das ist eine relativ kleine Rolle, die aber viel Spaß macht, weil der Teufel eigentlich der einzige ehrliche Mensch in dem Stück ist. Er kommt im guten Glauben, den Jedermann zu kassieren, und – schwupps – kommen ihm die Reue, der Glaube und die guten Werke dazwischen und der Teufel ist betrogen. Fast wie in meinem richtigen Leben.
Theater:
Theater Itzehoe
Itzehoe

Telefon: 0431-570 470

http://www.shmf.de

Premiere: Samstag, 22.08.2009
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