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Macht und Moral



Erotik, Politik und Religion – das sind Themen, die Menschen faszinieren. Das wußte auch schon Friedrich Schiller, als er sein Königinnendrama „Maria Stuart“ schrieb, das am 14. Juni 1800 im Weimarer Hoftheater uraufgeführt wurde. Am Sonnabend feiert das Schauspiel unter der Regie von Susanne Ebert am Schleswig-Holsteinischen Landestheater in Rendsburg Premiere.

Maria, Königin von Schottland, erwartet in englischer Gefangenschaft ihr Todesurteil, das ihre mächtige Widersacherin Elisabeth I. – von ihren Beratern bedrängt – über sie verhängen soll. Während der junge Mortimer Marias Befreiung plant, hofft Graf Leicester, der sowohl Maria liebt als auch Elisabeths Günstling ist, auf deren Begnadigung. Er arrangiert ein Treffen der beiden Königinnen, das zum Showdown gerät. Denn als Maria ihren Anspruch auf Englands Thron bekräftigt und die Königin von England beleidigt, nimmt das Schicksal seinen Lauf...
„'Maria Stuart' stellt die Frage nach dem Verhältnis von Macht und Moral, beschreibt den Einfluss von ganz privaten Gefühlen und Interessen auf Politik“, verrät Regisseurin Susanne Ebert. Das Schöne an einem klassischen Stück sei, dass es Konflikte und Vorgänge aufwirft, die durch die Jahrhunderte ihre Aktualität bewahren. „Der 'alte Schiller' kann uns auch heute noch viel sagen“, so die geborene Ost-Berlinerin, die seit 2003 Schauspieldirektorin am Landestheater ist. Die Grundkonflikte, die Ebert dabei interessierten, heißen: Wie kann ich mein Leben als glücklicher Mensch leben? Wie gehe ich mit Macht um und wie nehme ich eine politische Verantwortung wahr? „Wir haben im Stück zwei Königinnen, die beide die Möglichkeit gehabt hätten, etwas für ihr Land zu bewegen. Die eine hat dies aus privaten Gründen verspielt, weil sie gern die Macht an sich genommen hat, aber weniger die Verantwortung dazu; die andere schafft es nicht bei der großen, weltpolitischen Entscheidung, die sie treffen muss, Gefühle außen vor zu lassen. Dadurch vergibt sie sich selbst die Chance, sich zu einem wahren Humanismus zu erheben.“ Das Drama werde so zu einem Stück Enthüllungspsychologie wie es nach der Erfindung des Begriffs nicht scharfsinniger geschrieben worden sei.
Bewusst verzichtet die Inszenierung daher auch auf opulente historische Kostüme. „Wir wollen einer Tendenz entgegensteuern, die heißen könnte: das spielt ja nicht bei uns; da können wir uns zurücklehnen und einer schönen Geschichte aus der Vergangenheit zusehen. Ich denke schon, dass die Zuschauer das angehen sollte, was passiert.“
Theater:
Schleswig-Holsteinisches Landestheater
Rendsburg

http://www.sh-landestheater.de

Premiere: Samstag, 18.04.2009
Folgetermine: Samstag, 25.04.2009
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