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Kultfilm als Bühnenversion


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Die „Feuerzangenbowle“ nach dem Roman von Heinrich Spoerl ist bis heute ein Klassiker der Fernsehunterhaltung. Welche Zutaten einem Ereignis noch nach Jahrzehnten zu derartigem Erfolg verhelfen, ist jedoch ein Geheimnis. Fakt ist, dass das Rezept für die „Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann als „Pfeiffer mit den drei ›äff‹“, genau die richtigen Zutaten hatte. Fast jeder kennt noch heute die Geschichten von der „alkoholäschen Gärong“ und den fatalen Folgen eines „wönzägen Schlöckchens“ Heidelbeerweins auf die versammelte „Schölerzahl« und Prof. Bömmels Erklärung der Wirkungsweise „dor Dampfmaschin“, bei der „mer uns janz dumm stelle müsse“ ...

Am Sonnabend, 15. Dezember hat das Stück in der Bühnenbearbeitung von Wilfried Schröder Premiere am Landestheater Schleswig-Holstein in Rendsburg. DER KULTURONKEL sprach mit dem Regisseur Steffen Pietsch.

Herr Pietsch, „Die Feuerzangenbowle“ ist unwiderruflich verbunden mit dem Namen Heinz Rühmann. Ist das für Sie als Regisseur Herausforderung oder Bürde?

Eher eine Herausforderung. Die Wahrnehmung dieses Stückes ist ganz klar mit dem Heinz Rühmann-Schmelz überzogen. Was die Vorlage der Bühnenbearbeitung aber darüber hinaus bietet, ist, dass sich darin nicht nur jemand zurück in die Zukunft begibt, sondern die Frage stellt: Wo stehe ich heute? Bin ich glücklich mit dem, was ich erreicht haben und was kann ich gegebenenfalls tun, um das zu ändern? Das war ein guter Startpunkt, um in die Probenarbeit zu gehen.

Welche Zutaten hat Ihre Feuerzangenbowle? Wie sieht ihr Regiekonzept aus?

Natürlich ist die „Feuerzangenbowle“ vor allem ein Unterhaltungsstück. Die Erwartungen der Zuschauer werden da auf jeden Fall bedient. Aber es gibt auch viele Momente, die sehr berühren: zum Beispiel die Gruppendynamik in der Klasse oder die Figur des kleinen Luck, der ja etwas am Rande steht. Außerdem gibt es viele Themen, die auch heute in der Gesellschaft noch aktuell sind: Wie gehe ich mit Toleranz um? Wie ist es, wenn jemand Schwäche zeigt? Wie stark muss ich mich schützen?

Sie waren selbst lange auf der Bühne aktiv. Hilft das Handwerkszeug des Schauspielers dem Regisseur Steffen Pietsch?

Unbedingt. Beide Seiten zu kennen, ist von großem Vorteil. Ganz am Anfang hat es mich zwar manchmal behindert, weil ich die Schauspieler zu gut verstanden und dann zu oft nachgegeben habe. Aber mit der Erfahrung von zehn Jahren Regiearbeit ist es eine wunderbare Ergänzung, weil man seine dramaturgischen Ideen viel plastischer und konkreter beschreiben kann, wenn man sie selbst erlebt hat. Für mich ist es eine optimale Symbiose, die ich sehr genieße.

Die Geschichte der „Feuerzanngenbowle“ scheint bis heute die Fantasie der Zuschauer zu beflügeln. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Die Art und Weise, wie in vielen Studentenstädten der Film fast wie die „Rocky Horror Picture Show“ zelebriert wird, ist für mich ein Phänomen. Ich glaube die Vorstellung, noch einmal an den Punkt der Unschuld zurückkehren zu können, ist sehr reizvoll. Hinzu kommt natürlich die verklärte Erinnerung an die Schulzeit mit ihren Streichen. Das gehört zum Leben eines jeden dazu.

Sie sind 1963 in Görlitz geboren, d.h. in der ehemaligen DDR sozialisiert. War die „Feuerzangenbowle“ dort auch ein Klassiker?

Der Film war auf jeden Fall präsent – auch bei mir. Die Affinität zu alten Filmen war im Allgemeinen im Osten sehr stark ausgeprägt. Jede Woche gab es den „Montagabendfilm“, ein alter Ufa-Streifen, den ich mir auch mit meinen Großeltern angesehen habe. Dann gab es noch „Willi Schwabes Rumpelkammer“, in der in alten Filmen gekramt wurde. Das gehört bis heute zur kulturellen Erfahrung im Osten wie im Westen dazu, es ist also ein gesamtdeutscher Film.

Theater:
Landestheater Schleswig-Holstein
Rendsburg

http://www.sh-landestheater.de

Premiere: Samstag, 15.12.2007
, Dienstag, 31.10.0

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