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Keine verrostetet alte Dame


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Sie ist die Mutter aller Operetten: Johann Strauß' „Die Fledermaus“, am 5. April 1874 uraufgeführt im Theater an die Wien. Selbst ansonsten eingeschworene Operetten-"Muffel" lassen die "Fledermaus" als glückliche Ausnahme gelten: Das Stück ist sowohl musikalisch wie auch dramaturgisch eben ein großer Wurf. Das meint auch Kiels Generalintendant Daniel Karasek, der zusammen mit Norbert Ziermann (Bühne), Claudia Spielmann (Kostüme) und Choreograf Lars Scheibner am Sonnabend eine Neuinszenierung des Bühnenklassikers zur Premiere verhilft. DER KULTURONKEL sprach mit dem Theaterchef.

Nach drei Jahren, in denen attraktive Musicals auf dem Spielplan der Kieler Oper standen, kommt zum hundertjährigen Bestehen des Hauses „Die Fledermaus“ auf die Bühne. Warum haben Sie sich für die gute alte Operette entschieden?

„Die Fledermaus“ ist ja keine verrostetet alte Dame, sondern es ist ein gewaltiges Werk mit einer eruptiven musikalischen Kraft. Außerdem gab es in der Stadt ein großes Bedürfnis endlich mal wieder eine Operette zu sehen. Immerhin stand 14 Jahre lange das Genre in Kiel nicht auf dem Spielplan, da ist das schon fast eine Ausgrabung. Und schließlich liebe ich „Die Fledermaus“.

Ist das bereits die endgültige Entscheidung gegen das Musical?

Keineswegs. Wir schauen von Spielzeit zu Spielzeit, worauf wir Lust haben. Außerdem haben wir mit „Comedian Harmonists 2“ ja eine Art Musical im Programm.

Trotzdem hat das Genre Operette ja immer einen leicht verstaubten Beigeschmack. Das Kieler Publikum wurde in den letzten Jahren erfolgreich an modernes Musiktheater herangeführt. Wie bewältigen Sie diese Gratwanderung?

Ja, leider ist das so. Aber es ist eigentlich ein altersloses Werk. Wir haben versucht, das ganze zu entstauben und zugleich die große Opulenz, Lebendigkeit und erotische Kraft zu zeigen. Es ist schließlich unsere Aufgabe, die großen Bühnenwerke so spannend und lebendig zu machen, dass auch junge Leute Lust bekommen, sich das anzusehen. Sicherlich geraten diese Werke in den jüngeren Köpfen in Vergessenheit, auf der andere Seite gibt es die Tendenz zu neuem Konservatismus: man geht wieder gern auf Bälle, Hochzeiten sind wieder angesagt und werden groß gefeiert. Das sind ja alles Dinge, die die Operette erfüllt. Wenn man nicht mit Operettenklischees daher kommt, dann entdeckt man wie komplex die Werke sind. Und gerade „Die Fledermaus“ ist ja eigentliche eine große Oper.

Wie sieht der Staubwedel aus, mit dem Sie ans Werk gegangen sind?

Zunächst haben wir eine Modernisierung., vor der niemand zurückschrecken muss. Dann haben wir in den Kostümen alles vermieden, um nicht in diesen berühmten Operettenwelten zu sein. Und in der Regieführung habe ich auch alles gemacht, dass es eine gerade, böse und luzide Geschichte wird, die von richtigen Menschen erzählt und nicht von grimassierenden Darstellern.

Der Walzerkönig Johann Strauß meinte über die Operette: "Wenn eine Operette populär werden soll, muss jeder etwas nach seinem Geschmack darin finden. Für Leute, die kein Klavier haben, muss man es fein anstellen, dass ihnen von der Vorstellung etwas im Gedächtnis bleibt."
Theater:
Theater Kiel

Telefon: 0431-901 901

http://www.theater-kiel.de

Premiere: Samstag, 10.11.2007
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