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Wiederentdeckung eines Stiefkindes der Opernliteratur



Alle großen Soprane - von der Callas über Dame Felicity Lott, Kiri te Kanawa und Renée Fleming bis zu Angela Gheorghiu - haben sie im Repertoire: die Arie „Depuis le jour“ der armen Näherin Louise aus Gustave Charpentiers gleichnamiger Verismo-Oper. Doch selten gelangt das Werk, das am 2. Februar 1900 mit sensationellem Erfolg in Paris uraufgeführt wurde und es noch im gleichen Jahr auf 100 Vorstellungen brachte, in voller Länge auf europäische Opernbühnen. Woran das liegen mag, kann auch Jan-Richard Kehl, unter dessen Regie das Stück am Sonnabend Premiere am Schleswig-Holsteinischen Landestheater feiert, nicht nachvollziehen. „Ich finde, die Oper hat eine umwerfende Musik mit impressionistischen Einflüssen eines Massenet-Schülers und eine packende, psychologische Geschichte“, begeistert sich der gebürtige Leipziger. Während eines Regiekurses ist der Musikwissenschaftler, der seit 2006 Operndirektor in Flensburg ist, eher zufällig auf das Bühnenwerk gestoßen. „Auch Generalmusikdirektor Mihkel Kütson war sofort begeistert von der Idee, dieses Stiefkind der Opernliteratur auf die Bühne zu bringen.“
Kehl verlegt den sozialkritischen Generationenkonflikt der jungen Louise, die aus der Enge ihres Elternhauses ausbrechen und mit dem Bohemian Julien ein freies Leben führen will, in ein Pariser Tanzlokal der 60er Jahre. „Die Musik von Charpentier legt nahe, dass die Stadt nicht mehr faktisch gemeint ist als Montmartre und Sacre Coeur, sondern eine zeitlose Idee verkörpert.“ Inspiriert vom Film „Le Bal“ bringt Kehl zusammen mit Ausstatter Paul Zoller das Parisbild daher als surrealistischen Traum auf die Bühne.
Trotz immenser Personage von 46 Mitwirkenden konzentriert sich die Handlung im Kern auf vier Personen. Mit Sabina Martin (Louise) und Vincent Schirrmacher (Julien) gibt es für das Publikum ein Wiedersehen mit zwei Sängern, die es bereits als Liebespaar aus der aktuellen „Giuditta“- Inszenierung kennt. „Beide Kollegen sind von einer großen Herausforderung in die nächste gerutscht“, so Kehl. „Die Anforderungen an die Hauptpartien sind immens, aber ich bin mir sicher, dass beide diese Aufgabe mit Bravour meistern.“ Als Vater alternieren Alan Cemore und der finnische Bass Sami Luttinen. Die St. Petersburger Mezzosopranistin Anastasia Souporovskaja übernimmt als Gast die Rolle der Mutter von Louise.
Den Theaterbesuchern verspricht Jan-Richard Kehl nicht nur die Wiederentdeckung eines lange vergessenen Opern-Kleinods, sondern mit Gustave Charpentiers Musik auch einen spezifisch französischen Beitrag voller Esprit zum Verismus.
Theater:
Schleswig-Holsteinisches Landestheater

http://www.sh-landestheater.de

Premiere: Samstag, 28.02.2009
Folgetermine: Dienstag, 03.03.2009, Donnerstag, 05.03.2009
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