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Hauke Haien reitet wieder


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Wer kennt sie nicht, Theodor Stroms letzte vollendete Novelle „Der Schimmelreiter“, zugleich sein Meisterwerk. Bereits von tödlicher Krankheit überschattet, gelang Storm, wie Thomas Mann schrieb, eine „Verbindung von Menschentragik und wildem Naturgeheimnis, etwas Dunkles und Schweres an Meeresgröße und -mystik“. Die 32jährige Wahl-Hamburgerin Jorinde Dröse bringt den Klassiker nun als dramatisierte Schauspielfassung auf die Bühne des Thalia Theaters Hamburg. DER KULTURONKEL sprach mit der Regisseurin.

Man erzählt sich, Sie tauchen drei Wochen vor jeder Premiere ab und wenden sich ganz Ihrer Arbeit zu. Sind Sie schon wieder im Hier und Jetzt gelandet?

Das ist tatsächlich so. Wenn ich das Theater verlasse, arbeitet es noch lange in mir weiter. Meine Familie und meine Freunde wissen, dass man dann nicht mehr an mich rankommt. Mit der Generalprobe ist meine Arbeit aber eigentlich getan. Ich kann dann gar nichts mehr machen. Jetzt heißt es: Warten auf die Premiere, die

Viele Zuschauer werden mit Storms „Schimmelreiter“ im Deutschunterricht gequält worden sein. Welche Erinnerungen haben Sie an die Novelle aus Ihrer Schulzeit?

Gar keine. Ich wurde eher mit anderer Literatur gequält und habe gar keine Berührung mit dem Stoff gehabt. Ich habe die Novelle wirklich erst vor einem Jahr gelesen und daher natürlich einen ganz anderen, unbelasteten Zugang.

Nun schreit Storms Novelle in ihrer bildreichen Sprachwucht und den eher wortkargen Dialogen nicht gerade nach einer bühnenmäßigen Umsetzung. Wie sind Sie, die Sie ja mit John von Düffel an der Dramatisierung gearbeitet haben, damit umgegangen?

Wir haben uns erst einmal damit auseinander gesetzt, was an dem Stoff wichtig für uns ist. Dann hat John sich für sechs Wochen zurückgezogen und kam mit einer ersten Arbeitsfassung wieder, an der wir immer weiter – auch noch während der Proben - gefeilt haben. Das, was wir machen, hat ja nichts mit einer reinen Nacherzählung der Novelle zu tun, sondern es entsteht etwas ganz Eigenes. Daher konkurrieren wir auch nicht mit dem Roman.

Bei Storm geht es um Liebe, Natur und Aberglaube. Welche Handlungsfäden haben Sie herausgearbeitet?

Schon diese drei Themen, aber auch den Kampf des Einzelnen, Einsamkeit und Schmerz.

Wie haben Sie das Ganze dann auf die Bühne gebracht?

Bei Storm gibt es ja drei Ebenen: die des Schulmeisters und Erzählers der Rahmenhandlung, die der Geistergeschichte und die des jungen Deichgrafen Hauke Haien. Bei uns gibt es keinen Erzähler, sondern die Dorfgemeinschaft treibt die Geschichte voran und taucht immer wieder ein in Spielszenen.

Wie bringen Sie die Landschaft, die sich in den "windschiefen und verschrobenen Menschen" widerspiegelt, und die Atmosphäre von Kargheit und Düsternis auf die Bühne?

Wir haben uns entschieden, auf der Bühne schlicht zu bleiben und nichts zu illustrieren in dem Vertrauen auf die Geschichte und darauf, dass in dieser friesischen Schroffheit ganz viel Kraft liegt. Ich finde, man kann das, was Storm in seinen Landschaftsbeschreibungen schafft, einfach nicht auf der Bühne abbilden. Da muss man nach anderen Mitteln suchen.

Wie hilfreich war es, dass Sie als Wahl-Hamburgerin die Nordsee vor der Tür haben und auch Ihr Hauptdarsteller Ole Lagerpusch aus Norddeutschland kommt?

Das ist natürlich ein Vorteil, auch bei anderen Schauspielern. Peter Jordan zum Beispiel kommt zwar aus dem Ruhrpott, aber hat seine gesamte Kindheit an der Nordsee verbracht und weiß, was die öde Marsch auch in der menschlichen Seele bewirkt. Das Tolle an Ole Lagerpusch ist aber eigentlich, dass er mit 25 Jahren so begabt, talentiert und durchlässig ist, dass es eine Freude ist, mit ihm zu arbeiten.

Der Schimmelreiter ist nicht die erste Bühnendramatisierung eines Romans auf einer deutschen Bühne. John von Düffel hat sehr erfolgreich die Buddenbrooks dramatisiert, Sie haben vor ein paar Jahren „Effi Briest“ inszeniert. Wie erklären Sie sich den Theatertrend zur Dramatisierung literarischer Vorlagen und worin liegt für Sie die Faszination darin?

Letztendlich geht es ja immer um eine Geschichte, die erzählt werden will. Ob die Vorlage nun aus einem Drama, aus dem Film oder der Literatur kommt, ist eigentlich egal. Man bringt den Stoff quasi in einen anderen Aggregatzustand. Und mir macht das einfach großen Spaß, einen Romanstoff zu adaptieren, weil man auf die simple Frage zurückgeworfen wird: Wie erzählen wir's? Wie gehen wir damit um? Beim „Schimmelreiter“ spielt ja das Pferd eine große Rolle, aber für mich war von Anfang an klar: wir werden kein Pferd auf die Bühne stellen. Also muss man sich überlegen, wofür steht denn der Schimmel eigentlich?

Empfinden Sie es als Vor- oder Nachteil, dass wohl fast jeder Zuschauer die Vorlage gelesen hat?

Um ehrlich zu sein, habe ich davor große Angst. Ich merke, dass es eine große Identifikation mit dem „Schimmelreiter“ gibt und viele Menschen ein ganz bestimmtes Bild damit verbinden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich dieses Bild in meiner Inszenierung nicht wiederfindet. Allerdings ist es ein Vorteil, wenn man den Stoff kennt und dadurch vielleicht einen anderen Blick auf die Geschichte bekommt.


INFO/INHALT:

Anfang des letzten Jahrhunderts begegnet ein Reisender in stürmischer Nacht einem gespenstischen Reiter auf dem Deich. Er kehrt in ein Gasthaus ein, wo ihm die Geschichte Hauke Haiens, des Schimmelsreiters erzählt wird. Hauke lebte in einer Zeit, als der Titel des Deichgrafen noch nach dem Reichtum und nicht nach dem Können verliehen wurde und neue Ideen nicht gefragt waren. Der Junge verdingt sich als Kleinknecht beim alten Deichgrafen Volkerts und wird ihm in Deichfragen bald eine unentbehrliche Hilfe. Als Volkerts stirbt, heiratet Hauke dessen Tochter Elke, wird neuer Deichgraf und muß fortan gegen Neid und Mißgunst für seine neuen Ideen kämpfen. Allen voran steht ihm Volkerts ehemaliger Großknecht mißgünstig gegenüber. Hauke setzt seine Idee von einer neuen Deichform durch, aber dann zieht ein schlimmer Sturm auf. Kann Hauke auf seinem Schimmel noch rechtzeitig den Deichbruch verhindern?
Theater:
Thalia Theater
Hamburg

http://www.thalia-theater.de

Premiere: Samstag, 05.01.2008
Folgetermine: Sonntag, 06.01.2008, Samstag, 12.01.2008
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