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Die Oper zum Klimawandel



Jedem Opernfreund vertraut ist das "Lied an den Mond" Rusalkas, der Titelheldin von Antonín Dvořáks letzter, berühmtester und schönster Oper. Die Nixe Rusalka sehnt sich nach menschlicher Gestalt, denn sie hat sich in den Prinzen verliebt. Der Preis ist hoch, da sie ihre Fähigkeit zu sprechen aufgeben muss und Gefahr läuft, verdammt zu sein, wenn sie nicht menschliche Liebe erringt. Am Sonnabend hat das lyrische Märchen Premiere am Schleswig-Holsteinischen Landestheater. DER KULTURONKEL hat mit Regisseur und Operndirektor Jan-Rüdiger Kehl gesprochen.

Die Geschichte der Nixe Rusalka lässt viele Assoziationen zum Umgang des Menschen mit dem Wasser zu. Wird Ihre Rusalka die Oper zum Klimawandel?

Wir haben uns tatsächlich inspirieren lassen von dem Hauptthema Wasser und lesen die Handlung als eine Geschichte zwischen Arm und Reich, zwischen Mangel und Überfluss. Die Rusalka-Welt ist die arme Welt, die an Wassermangel leidet. Die Prinzen-Welt ist die Welt, die im Überfluss Wasser aufsaugt. Ein Thema, das uns in naher Zukunft immer wieder beschäftigen wird und das in anderen Regionen der Welt seit Jahrhunderten teilweise Kriegsgrund ist.

Jedem Klassik-Häppchen-Hörer ist das „Lied an den Mond“ vertraut. Was bietet Dvořáks Oper darüber hinaus?

Man findet eine spätromantische Musik, die von vorne bis hinten einen mitreißenden Klangcharakter hat und viele Schattierungen und Farben bietet. Ich würde behaupten, man findet hier die Ursprünge des Science-Fiction wieder; es gibt Stellen, die extrem nach Filmmusik klingen, an denen man merkt, dass Dvořák der Urvater dieses Genre ist. Insgesamt ist es eine große Operntradition, auf die man trifft.

Eine große Oper, die große Stimmen fordert. Wer ist dabei?

Wir haben zwei Gäste: als Hexe Anastasia Souporovskaja und für die fremde Fürstin Michaela Lukas. Beide Kolleginnen sind bekannt aus „Luise“ und „Tannhäuser“. Der Prinz und die Titelpartie konnten aus dem Ensemble besetzt werden. Mit Vincent Schirrmacher und Sabine Martin haben wir Stimmen am Haus, die exzellent musikalisch einsetzbar sind. Aber auch die beiden Wassermänner sind aus dem Haus besetzt. Ich denke, damit hat sich ausgezahlt, dass wir in den letzten Jahren eine konsequente Ensemblepolitik betrieben haben.

Die Oper wird in der deutschen Übersetzung gesungen. Warum haben Sie sich nicht fürs tschechische Original entschieden?

Das tschechische ist doch sehr weit entfernt vom deutschen und hätte rein praktische Probleme hervorgerufen, das so gut mit den Kollegen zu erarbeiten, um sich damit auf die Bühne zu trauen. Der andere Aspekt ist, dass wir in alter Spieloperntradition versuchen, das Verständnis durch die deutsche Sprache zu erleichtern.

Wie wirken sind die unklaren Zukunftsperspektiven des Landestheaters auf die Proben aus?

Das belastet die Arbeit, da sich alle Kollegen in existenziellen Nöten und Zukunftsängsten befinden. Täglich schwebt dieses Damoklesschwert über uns und natürlich fließt das in den Probenprozeß mit ein.

„Rusalka“ wird Ihre letzte Regiearbeit als Operndirektor des SH Landestheaters. Wie sieht Ihre Zukunft aus?

Ich bin ab der nächsten Spielzeit wieder freischaffend tätig.
Theater:
Theater Schleswig

http://www.sh-landestheater.de

Premiere: Samstag, 27.02.2010
Folgetermine: Dienstag, 02.03.2010
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