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„Die norddeutsche Fassung des 'Paten'“


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Thomas Manns Buddenbrooks ist ohne Zweifel ein Jahrhundertroman, der dem Leser im Prisma einer norddeutschen Kaufmannsfamilie die großbürgerliche Lebenswelt des 19. Jahrhunderts nahe bringt und der durch seine subtile Figurengestaltung und ironische Erzählweise bis heute zu faszinieren vermag. Es ist ein Erfolgsroman, für den Thomas Mann im Dezember 1929 in Stockholm den Nobelpreis für Literatur entgegen nehmen konnte und der zu den bekanntesten und meist gelesensten Romanen der deutschen Literatur zählt. John von Düffel - Dramaturg am Thalia Theater Hamburg und selbst Autor von Familienromanen wie „Vom Wasser“ und „Houwelandt“ - hat eine Bühnenfassung geschrieben, die im Dezember 2005 am Thalia Theater Hamburg Uraufführung feierte. Im Zentrum der hoch gelobten Bearbeitung stehen die Geschwister Thomas, Christian und Tony Buddenbrook, deren sehr unterschiedliche Lebensgeschichten durch die Aufgabe geprägt und belastet sind, den Erfolg der Firma zu gewährleisten und die Familientradition fortzuschreiben. Unter der Regie von Franziska Steiof hat das Stück am 3. November am Schleswig-Holsteinischen Landestheater in Rendsburg Premiere. DER KULTURONKEL sprach mit der Regisseurin aus Hamburg.


Frau Steiof, wie schaffen Sie es, den über 700 Seiten starken Roman an einem normalen Theaterabend auf die Bühne zu bringen?

Die wichtigste Vorarbeit hat natürlich John von Düffel geleistet, indem er eine sehr schöne, brisante, aber natürlich entkernte Fassung des Romans geschrieben hat.

Was sind die Kernthemen?

Die zwei großen Themenkreise sind Familie und Geschäft. Man könnte sagen, es ist die norddeutsche Fassung des „Paten“, denn Familie und Geschäft verschränken sich sehr stark. Es handelt sich um eine klassische Generationengeschichte: der Sohn übernimmt das Geschäft des Vaters. Dann gibt es einen ungeliebten Sohn und eine Tochter, die aber auch unter Geschäftsaspekten verheiratet wird.

Der Roman ist vielfach verfilmt worden, gerade wird in Lübeck eine weitere Fassung gedreht. Was fasziniert das Publikum heute noch an diesem über 100 Jahre alten Stoff?

Es sind Themen, die zeitlos sind. Und mir scheint, dass die geschäftlichen Aspekte in der Familie wieder zunehmen. Gerade in Deutschland, wo wir eine relativ undurchlässige gesellschaftliche Schichten haben, ist das für mich ganz neu und brisant.

Wie sieht Ihr Regiekonzept aus?

In diesem Fall hängt das sehr eng mit der Bühnenbildkonzeption zusammen und wir haben uns lange überlegt, wie wir das übersetzen. Sowohl die Moderne in Form eines hohen Fensters, einer durchlässigen, transparenten Sache mit Holz kombinieren und so eine Art Schiffsform haben. Wir werden keine Umbauten haben, sondern setzen ganz auf den Text und die Schauspieler, die innerhalb kürzester Zeit immer wieder neue Situation behaupten.

Sie sind auch als Trainerin, Coach und Unternehmensberaterin tätig. Hilft das bei der Regie für ein Stück im Kaufmannsmilieu?

Es ist gut, wenn man immer mal wieder zu Gast in der Wirtschaft ist und Unternehmen auch ein wenig von innen kennt. Gerade in den Szenen, wo es um Geschäfte geht und ein Bankier wie Herr Kesselmeier auftritt, hilft es, die Verhaltensweisen und den Sprachduktus von Wirtschaftsleuten rüberzubringen.

Im Mittelpunkt stehen die Geschwister Thomas, Christian und Tony Buddenbrook. Wie zeichnen Sie dieser Charaktere?

Es gibt diesen ältesten Sohn, der auch der klassische Nachfolger ist und die Verantwortung übernimmt. Dadurch macht er sich zu jemandem, der funktioniert und seinen Verpflichtungen nachkommt. Er wird gespielt von René Rollin. Dann gibt es - ganz klassisch - den etwas ausscherenden Sohn Christian, gespielt von André Eckner, der die Freiheit und die Künste sucht und sich mehr mit sich und seinen Gefühlen befasst. Und dann haben wir die Tony von Friederike Linke, die aus politischen Gründen verheiratet wird und ihr Leben dadurch ein bisschen verpasst. Was sehr spannend ist, ist, dass sich im Laufe der Geschichte die Rollen der beiden Söhne fast angleichen. Der, der ausschert, versucht, mehr zu funktionieren und der andere kann den Erwartungen, die er an sich und andere an ihn stellen, nicht gerecht werden.
 O-Ton anhören Theater:
Schleswig-Holsteinisches Landestheater
Rendsburg

http://www.sh-landestheater.de

Premiere: Samstag, 03.11.2007
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